Live-Lyrix entführt in Welten bekannter Songs

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Das Huhn macht mobil: Ronald Spiess als Bedienung im Kentucky-Fried-Chicken-Imbiss.  Foto: 

Wie, schon zu Ende? Die Zeit scheint wie im Flug vergangen, als sich das Publikum in der Realität des vollbesetzten Uditoriums wiederfindet. Über zwei Stunden hatte es sich von Ben Streubel, Alexandra Kamp und Ronald Spiess in die Welten englischsprachiger Songs entführen lassen, die eigentlich jeder kennt.

Eigentlich! Tatsache ist, dass die Texte auch bei des Englischen mächtigen Hörern oft unterschwellig vorbeidudeln oder zumindest nicht vollständig in den Gehirnwindungen ankommen. Genau hier setzt das seit zehn Jahren erfolgreiche „Live-Lyrix“-Konzept vom Sender SWR 3 an. Die Songtexte werden auf der Bühne nicht nur sinngemäß übersetzt, es geht darum, die Kernaussage begreifbar zu machen, sie lebendig zu interpretieren und in einer Art Theater zu gestalten, das die Menschen auf mehreren Ebenen erreicht. Das Aha-Erlebnis des Verstehens, das Verinnerlichen des Sinns und die sich daraus entwickelnden Emotionen sorgen dafür, dass manches tausendmal mitgeträllerte Lied nie mehr dasselbe sein wird, wie bisher. Da entpuppen sich schon mal vermeintliche La-La-Songs als tiefgründig oder erfolgreiche Hymnen als völlig banal.

Erinnerungen an Kindheit und Jugend, den ersten Kuss den ersten Suff und das Gefühl des Heimkommens – im Uditorium erkannten sich bei Ed Sheerans „Castle on the Hill“ fast alle wieder. Endlich war auch mal zu erfahren, worum es im diesjährigen Sommerhit „Despacito“ und in Almas „Dye my hair“ eigentlich geht, was in dem die Zeiten überdauernden „Hotel California“ geschah und welch ein Beziehungsdrama hinter Rihannas Liedern „Love in brain“ und „Higher!“ steckt. Ob Liebe, Lust und Leidenschaft, Beziehungskiste, politischer Unmut, Hoffnungen oder gar Erziehungsratschläge wie in Tim McGraws „Humble and Kind” - Alexandra Kamp und Ronald Spiess trafen mit Körpersprache, Mimik und perfekter Betonung punktgenau die Saiten der Gefühlsklaviatur und meist auch den schmalen Grat zwischen Ironie und Ernst. Vollends perfekt machte den Abend Ben Streubel, der charmant und amüsant plaudernd die Songs anmoderierte und viel Interessantes zu den Interpreten zu erzählen wusste.

Die Lieder aus der Konserve, großformatige im Hintergrund eingeblendete Bilder, ein paar sparsame Requisiten und viele Kostüme - mehr Zutaten bedurfte es auch beim Finale der „Heavens Best“ nicht. Bei Prince, David Bowie, Michael Jackson, Whitney Houston, Joe Cocker, Amy Whinehouse und John Lennon schaltet sich das Kopfkino fast wie von selbst ein.

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