LEITARTIKEL: Die Musikszene lebt - von Covern

Keine Frage, die Musikszene im Landkreis lebt - aber, die Sache hat einen Haken: Die wenigsten Bands spielen eigene Lieder - Covermusik ist angesagt. Eine Meinung von Kulturredakteur Marcus Zecha.

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Fast 2000 Besucher erlebten vor zwei Wochen die 5. Göppinger Musiknacht. Regionale Bands bis zum Abwinken zeigten in 21 Bars und Kneipen eindrucksvoll, was die Musikszene im Landkreis zu bieten hat. Die Palette reicht von Blues über Rock bis Jazz und bietet für alle etwas: Ob Kneipen wie Capone, Schillers oder Treff in Göppingen, ob Adler und Altes Haus in Eislingen oder Heaven Seven in Donzdorf – sie alle tragen Samstag für Samstag dazu bei, dass Musik nicht zur bloßen Konserve verkommt oder in plump-provokanten Videos nach Klicks giert, sondern auf der Bühne gelebt wird.

Einen Haken hat die Sache mit der Livemusik aber: Bei den meisten Gigs rund um Göppingen handelt es sich um Covermusik. Das ist verständlich, Oldies ziehen eben fast immer – aber es ist auch bedauerlich. Denn dadurch haben es vor allem Nachwuchsbands schwer, mit eigener Musik zu Bühnenauftritten zu kommen.

Sicher: Viele junge Gruppen wissen sich zu helfen. Mit „Rock in Weiler“, „Remember your youth“ in Hattenhofen oder „Rock the Rabbit“ in Geislingen haben sie eigene Reihen ins Leben gerufen; im Göppinger Moloko können sich junge Jazzmusiker Woche für Woche in der Kunst der Improvisation üben; und der Club Bambule gibt neben Bands auch Hip-Hoppern und Poetry-Slammern eine Chance. Das sind wichtige Nischen, aber eben Nischen.

Die meisten Bands suchen weiter passende Bühnen, andere wären schon zufrieden, wenn sie wenigstens einen Proberaum hätten. Seit der Schließung der Chapel aus Brandschutzgründen ist die Situation noch schwieriger geworden. Aber die Bands müssen auch selber aktiv werden, in den Verwaltungen dicke Bretter bohren und dürfen nicht hadern, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Vor allem aber sollten sie kreativ bleiben und eigene Lieder schreiben.

Es ist eine Binsenweisheit: Jeder Coversong war mal ein neuer Song und musste sich gegen den AC/DC-bis-ZZ-Top-Kanon des Classic-Rock durchsetzen, der bei jeder Oldie-Party landauf, landab zum Pflichtprogramm gehört. Das soll nicht Covermusik an sich abwerten. Im Gegenteil: Als Schülerband coverte Itchy Poopzkid Songs von Metallica und Green Day und holte sich so die nötige Spielpraxis für ihre erfolgreiche Karriere. Doch irgendwann nutzten sie die Chance, eigene Songs auf die Bühne zu bringen. Und hier sind die Veranstalter am Zug. Sie haben, unterstützt von den Kommunen, die Macht, dem Publikum das Staunen über Neues zurückzugeben. Sie müssen sie aber auch nutzen, statt nur auf Cover zu setzen.

Zum Weiterlesen: Serie Musikkneipen, Heaven Seven

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