LEITARTIKEL BIOMÜLL: Das Kreuz mit dem Sack

Prinzipiell ist das Sammeln von Müll und Rohstoffen zur Weiterverwertung oder Energiegewinnung eine gute Idee und im Blick auf die Zukunft notwendig.

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Werden dadurch doch Ressourcen geschont, die Umwelt entlastet. Und die Bürger haben sich längst daran gewöhnt, große Teile des Hausmülls einem Kreislaufsystem zuzuführen. Seit vielen Jahren sammeln sie brav Papier, befüllen gelbe Säcke, werfen Glas in Container und bringen wiederverwertbare Dinge in Wertstoffhöfe. Jetzt soll auch der organische Abfall aus dem Haushalt nutzbringend weiterverwertet werden, für Biogas. Das ist keine spinnerte Idee der Kreisverwaltung, sondern eine gesetzliche Vorgabe.

Bereits im Vorfeld dieser gesetzlichen Regelung wurden heiße Debatten darüber geführt, wie sie umgesetzt werden kann. Akzeptanz beim Bürger erreichen dabei nur praktikable – und zwar für den Bürger praktikable Lösungen. Die Papiertonne fand Gefallen, der gelbe Sack zwar weniger, da er immer wieder für Ärger sorgt, wird aber zähneknirschend genutzt. Und bei der Hausmüllabfuhr dreht sich letztlich alles nur noch um die Kosten, die zumeist bei sinkenden Müllmengen auch noch steigen.

Wie daneben die Biomüllsammlung im Kreis Göppingen mit den blauen Tütchen und den dazugehörigen Plastikeimerchen liegt, diese Erfahrung mussten Kreisverwaltung – sprich Abfallwirtschaftsbetrieb – und Entsorgerfirma gleich beim Start des neuen Abfuhrsystems machen. Die extreme sommerliche Wetterlage erzwang eine Extremsituation und bestätigte alle Argumente gegen den Biobeutel, die Kritiker bereits in kalten Wintermonaten diesem Sammelsystem entgegen gestellt hatten.

Bei hochsommerlichen Temperaturen gärt der Bioabfall bereits zu Hause in der blauen Tüte, die Gefäße, in denen er gelagert wird, stinken nach kurzer Zeit bestialisch. Selbst an den Gehwegen, wo die Säcke dann bereitgestellt werden, ist im Sommer ein Duftwadel nicht zu vermeiden. Hinzu kommen Tiere und Ungeziefer, die von den Säcken angelockt werden und ihnen auf die unterschiedlichste Weise zusetzen, sodass sich letztlich im Wortsinne „der ganze Salat“ auf die Straße ergießt.

Darüber hinaus haben auch die Entsorger ihr Kreuz mit dem Sack. Versteckt hinter Autos, auf Mauerabsätzen, offen oder in Gefäßen stehen die Tüten bereit, müssen aber zunächst einmal vom Sammler entdeckt werden. Schon jetzt bringt die Entsorgerfirma zentrale Sammelplätze ins Gespräch. Wie wäre es denn zusätzlich mit luftdicht verschlossenen Sammel-iglus, in die jeder dann seinen Bioabfall einwirft, wenn er den Zeitpunkt für richtig hält? Vielleicht würde das die Akzeptanz steigern? 

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Kommentare

11.07.2015 10:23 Uhr

Ich kann mir nicht vorstellen...

dass sich die Biosammelei unterm Strich lohnt.
Dabei ist ja nicht nur der Spritverbrauch der Sammelfahrzeuge zu rechnen, sondern auch der gesamte Verwaltungsaufwand.
Wir haben 3 Schnellkomposter. Da kommen alle Bioabfälle außer Wurst und Fleisch rein. Also auch Kaffeesatz, Teebeutel, Orangenschalen oder Kartoffelsalat.
Wir bekommen im Jahr keine 10 kg für den Biobeutel zusammen und davon wäre noch das meiste Knochen.
Ich vermute, auf Gemeindeebene verhält es sich bei vielen Haushalten genau so.
Im Stadtbereich ist das sicherlich anders. Deshalb würde ich selektiver sammeln:
In der Stadt ja, in städtisch geprägten Gemeinden auch ja, aber in ländlichen geprägten Gemeinden nicht.
Und noch ein Punkt:
Bioabfälle haben einen Heizwert, den man entweder als Biogas oder durch Verbrennung nutzen kann. Bei der Biosammelei muss also die Effizienzformel lauten:
Wert Biogas minus Sammelaufwand minus Wert bei Verbrennung muss größer als null sein.
Ich vermute, davon sind wir weit weg.

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Am 1. Juli 2015 ist im Landkreis Göppingen die getrennte Sammlung von Bioabfällen in Form von Plastiksäcken gestartet. Es gilt die gesetzliche Pflicht zur Trennung und Verwertung von Küchenabfällen.

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