Lebensmittelautomaten werden zum Standbein regionaler Vermarktung

Regionale Vermarktung per Knopfdruck. Auf den Dörfern im Landkreis Göppingen boomt der Lebensmittelverkauf aus dem Automaten.

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  • Der letzte Schrei aus dem Automaten: Wildspezialitäten an der B 297 in Bartenbach. 1/3
    Der letzte Schrei aus dem Automaten: Wildspezialitäten an der B 297 in Bartenbach. Foto: 
  • Ständig wird nachgefüllt. An der Landesstraße bei Roßwälden gibt es unter anderem Obst, Gemüse und Salat. 2/3
    Ständig wird nachgefüllt. An der Landesstraße bei Roßwälden gibt es unter anderem Obst, Gemüse und Salat. Foto: 
  • Milchautomat. 3/3
    Milchautomat. Foto: 
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Frühmorgens an Wochenenden, wenn die Disko aus ist, geht an dem Holzhäuschen an der B 297 in Bartenbach die Post ab. Hungrige Nachtschwärmer stürzen sich auf Dosen mit Rehbraten, Chili con Carne oder Wildschweinsalami. Die gibt es per Knopfdruck aus dem Automaten, auf dessen Überdachung ein stattlicher Keiler thront.

Immer mehr mit Lebensmitteln bestückte Automaten sprießen im Landkreis aus dem Boden. „Das ist ein Trend, die wird es bald flächendeckend geben“, ist der Göppinger Karl Göbel überzeugt. Der Jäger hat sich auf die Produktion und Vermarktung von Wild spezialisiert und den Hightech-Kasten an der vielbefahrenen Verkehrsader postiert. Er habe diese Möglichkeit der Vermarktung regionaler Produkte schon vor zehn Jahren bei der Messe Slow-Food entdeckt, berichtet er.

Seine Investition hat Göbel nicht bereut. Rund um die Uhr herrsche an der Selbstbedienungsstation Betrieb. Der Göppinger hat bereits den zweiten Automaten bestellt, „damit wir nicht so oft auffüllen müssen“. Neben Stammkunden legten auch viele Wohnmobilfahrer einen Zwischenstopp ein, um sich mit Essbarem einzudecken, „manche drehen sogar um“, erzählt Göbel schmunzelnd.

Vor allem junge Menschen, die spontane Einkäufe erledigen

„Sehr viele junge Leute springen auf die Automaten an, sagt  Bernd Mayer: „Die neigen eher zu Spontaneinkäufen“, ist die .Erfahrung des Metzgers und Gastronomen aus dem Göppinger Stadtteil Lerchenberg. Mayer hat der veränderten Einkaufskultur Rechnung getragen und vor rund fünf Wochen einen Automaten am Hof eines befreundeten Landwirts platziert. Mayer ist in der Voralbgemeinde in eine Marktlücke gestoßen: „Dort gibt es weder einen Bäcker noch Metzger.“

Mayer ist zufrieden, das Geschäft sei gut angelaufen und konzentriere sich vor allem auf das Wochenende. Bei heißem Wetter gehen grillfertig marinierter Schweinehals, Putensteaks oder Rote Würste wie geschnitten Brot. Damit keiner hungrig von dannen ziehen muss, dafür ist auch gesorgt. Die intelligente Maschine hält Fleisch, Dosenwurst oder fertig zubereitete Kutteln nicht nur kühl, sondern meldet dem Metzger per Telemetrieüberwachung, wenn Schubfächer leer sind. Rund 18.000 Euro hat Bernd Mayer in den Automaten investiert. Bis in drei Jahren, so hofft er, soll sich die Anschaffung rechnen.

Suppengrün ist Verkaufsrenner

Die Produktpalette aus den Hightech-Geräten, die mittlerweile in vielen Dörfern des Landkreises stehen, scheint unerschöpflich und bietet Nahversorgung rund um die Uhr. In Roßwälden haben sich drei Landwirte zu einer Anbietergemeinschaft zusammengetan. An der Landesstraße nach Schlierbach bieten die Familien Keyl, Zwecker und Zwicker nahezu eine Komplettversorgung an. Eier, Nudeln, Obst, Gemüse, Salat, Kartoffeln, im Sommer auch Grillfleisch und selbst Suppengrün spuckt die Maschine gegen Bares aus. Frische Milch kann an einem zweiten Automaten gezapft werden. Falls der Kunde kein Gefäß dabei hat, kein Problem. Auch die Flasche kann aus dem Automaten gezogen werden. Mit dem Kundenzuspruch seien alle drei Partner zufrieden, sagt Jonas Keyl, „selbst Suppengrün läuft super“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Für Martin Mühleisen aus dem Uhinger Ortsteil Holzhausen ist sein mit Eiern und Nudeln bestückter Automat an seinem Aussiedlerhof ein wichtiges Standbein bei der Direktvermarktung. „Unsere Produktpalette ist zu klein für einen Hofladen, für den wir auch noch Personal vorhalten müssten“, sagt Mühleisen. „Die Direktvermarktung ist für uns der Schlüssel zum Erfolg“, erklärt der Landwirt im Nebenerwerb. „Wenn ich meine Produkte über den Handel vertreibe, verdient der mehr als ich.“

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