Lebendige Blüten-Kunst

Ikebana - die japanische Kunst des Arrangements von Blumen und Zweigen - gab es vor kurzem in Rechberghausen zu sehen. Wies geht, zeigten zwei Expertinnen von der Stuttgarter Ikebana-Schule.

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Dorothee Kuppler von der Ikebana-Schule "shin eigetsu shofu ryu" zeigte in Rechberghausen, wie die japanische Steckkunst funktioniert. Foto: Sabine Ackermann

Zugegeben, der Name Ausstellung war im Hinblick auf die etwa ein Dutzend ziemlich verstreut liegenden Ikebana-Arrangements auf den ersten Blick ein wenig hochgegriffen. Insofern hörte man aus manchem Besuchermund hier ein enttäuschtes: "Isch des älles" und dort: "Ja, wo send denn die andere Bloma". Doch wie so oft im Leben, bedarf es eines zweiten Blickes, bis der Daumen erfreut nach oben geht und wie von Hildegund Klein-Kottmann ein begeistertes "Des sieht aber gut aus" auf dem Fuße folgt.

Ikebana, ist eine eigenständige, ausschließlich in Japan entwickelte Kunstform des Blumenarrangierens und setzt sich aus "Ike" (das Leben) und "bana" (die Blüte) zusammen. Neben der Teezeremonie, Kalligraphie, Dichtkunst oder der Musik gehörte sie zur Ausbildung eines jedes Adeligen, war allerdings bis ins 18. Jahrhundert ausschließlich den Männern vorbehalten.

"Heute wird diese Kunstform nicht nur in Japan, sondern weltweit praktiziert und hat vor allem unter Frauen viele Anhängerinnen", unterstreichen Dorothee Kuppler und Hilde Weichel von der Stuttgarter Ikebana-Schule "shin eigetsu shofu ryu". Während im Tausch jeweils eine Expertin ihre Variante direkt vor der Konzertbühne und den Augen interessierter Zuschauer binnen weniger Minuten steckte, erklärte ihre Kollegin derweil die einzelnen Arbeitsschritte. Auffällig daran war, dass relativ viel an Blättern, Blüten oder Zweigen mit wohl überlegter Sorgfalt nach einem bestimmten Muster und stellenweise sogar unter Wasser weggeschnitten wurde. "Das fällt besonders den Anfängern recht schwer", verraten die beiden Ikebana-Vereinsmitglieder, die zusammen mit Rita Dexling und Angelika Tierer-Öchsle ihre unterschiedlichen Arrangements zur Schau stellten.

So steht bei Ikebana nicht die Quantität an Flora und Fauna im Vordergrund, viel bedeutsamer bei dieser fernöstlichen Steckkunst seien Qualität, dezente Zurückhaltung sowie Schlichtheit.

Wer denkt, so ein bisschen "stecken" kann doch jeder, sollte die Botschaft der überlieferten ästhetischen Regeln dahinter nicht vergessen. "Das Verhältnis von Linien und Materialien, die Art der Anordnung und des Neigungswinkels, warme und kalte Farben, vermitteln das Gefühl von Offenheit, Freude, Zerstreutheit, Ruhe oder Zurückhaltung", verraten die Expertinnen.

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