Landratsamt verteidigt Unterbringung von Flüchtlingen im Zelt

An der Form der Unterbringung von Flüchtlingen am und im Landratsamt wird Kritik laut. Der Wangener Bürgermeister Frey spricht von Symbolpolitik. Landrat Wolff und sein Stellvertreter weisen dies zurück.

|
Vorherige Inhalte
  • Ein Zelt wird im November als Notunterkunft für Flüchtlinge vor dem Göppinger Landratsamt aufgestellt. 1/3
    Ein Zelt wird im November als Notunterkunft für Flüchtlinge vor dem Göppinger Landratsamt aufgestellt. Foto: 
  • Das Zelt auf dem Parkplatz des Landratsamt ist bereit für Flüchtlinge 2/3
    Das Zelt auf dem Parkplatz des Landratsamt ist bereit für Flüchtlinge Foto: 
  • Das Zelt auf dem Parkplatz des Landratsamt ist bereit für Flüchtlinge 3/3
    Das Zelt auf dem Parkplatz des Landratsamt ist bereit für Flüchtlinge Foto: 
Nächste Inhalte

Die Form der Unterbringung von Flüchtlingen im Landkreis ist umstritten. Kritik wird jetzt an den Notunterkünften im und am Landratsamt laut. So kann Monika Maichl „absolut nicht verstehen“, dass auf dem Parkplatz des Landratsamts ein Zelt aufgestellt wird. Wenn dort 80 junge Männer mit all ihrem Frust lebten, sei dies Stress pur, befürchtet Maichl, die sich seit Jahrzehnten als ehrenamtliche Helferin um Asylbewerber kümmert. „Da treffen zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander“, beschreibt sie die Situation, wenn die Bediensteten und Kunden des Landratsamts auf die Flüchtlinge treffen, die oft nichts zu tun hätten, rauchend herumständen und womöglich auch noch moderne Smartphones benutzten. Da seien Ärger und Missverständnisse zu erwarten. Maichls Ansicht nach ist der Standort unweit der stark befahrenen Lorcher Straße ohnehin nicht geeignet: „Öffentlicher geht es nicht.“

Die Unterbringung im Kreis hat am Donnerstagabend auch im Wangener Gemeinderat für Unmut gesorgt. Bürgermeister Daniel Frey informierte darüber, dass sowohl der Weilerhof in Oberwälden als auch der ehemalige Kindergarten im Gemeindehaus als mögliche Unterkünfte vom Landratsamt abgelehnt worden sind. In der Gemeinderatssitzung Ende Oktober war entschieden worden, dass der sanierungsbedürftige Weilerhof, der der Kommune gehört, erneut dem Landratsamt als Unterbringungsort für Flüchtlinge angeboten werden soll – er war schon einmal abgelehnt worden.

Zudem berichtete Frey damals, dass die katholische Kirche die Räume des ehemaligen Kindergartens an der Blumenstraße dem Landratsamt als Unterkunft angeboten habe. Derzeit leben 20 Asylbewerber aus Syrien in einem Privathaus, doch nach den Prognosen des Landratsamts müsste Wangen bis Ende 2016 Platz für insgesamt 53 Flüchtlinge anbieten.

„Dass jetzt Flüchtlinge im Sitzungssaal des Kreistags sowie in einem Zelt auf dem Parkplatz des Landratsamts untergebracht werden sollen, halte ich für Symbolpolitik“, meinte Frey mit Blick auf die Ablehnung der beiden Objekte in Wangen. „Dieser Schritt ist wenig nachvollziehbar. Da stimmt die Relation nicht“, sagte der Bürgermeister, der am Freitag ergänzte: „Eine Begründung, warum die angebotenen Objekte abgelehnt wurden, haben wir meines Wissens nicht erhalten. Angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation finde ich dies vom Landratsamt spannend, um es mal so zu formulieren.“

Frey glaubt: „Offensichtlich ist die Situation nicht schlimm genug.“ Er frage sich, ob Zelte da die bessere Option seien. Ins gleiche Horn stieß auch Gemeinderat Maik Schäfer in der Sitzung am Donnerstag: „Die Entscheidung des Landratsamts ist nicht nachvollziehbar. Ich würde lieber im Weilerhof überwintern als in Zelten.“ Der Gemeinderat hat beschlossen, dass untersucht werden soll, wie viel die Kommune in den Weilerhof investieren müsste, damit er vom Landratsamt akzeptiert würde.

Der Erste Landesbeamte und Landrats-Stellvertreter Jochen Heinz kann die Kritik aus Wangen nicht verstehen: „Der Zustand der von Wangen angebotenen Objekte war so schlecht, dass es selbst unter den vom Landkreis sehr niedrig angesetzten Standards nicht vorstellbar war, dort Flüchtlinge unterzubringen.“

Landrat weist Vorwurf der Symbolpolitik zurück

Mit Blick auf die Unterbringung von Asylbewerbern im Sitzungssaal und dem Zelt weist Landrat Edgar Wolff den Vorwurf der Symbolpolitik entschieden zurück. Bereits in der vergangenen Woche sagte er: „Das ist keine Symbolpolitik und keine Effekthascherei, gucken Sie doch die Zahlen an. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“ Zudem wolle auch das Landratsamt seinen Beitrag dazu leisten, die Flüchtlinge unterzubringen.

Jochen Heinz erläuterte am Freitag die Vorteile der Lösung am und im Landratsamt. Die Busse, mit denen ankommende Asylbewerber auf die Unterkünfte verteilt werden, fahren jetzt alle am Landratsamt ab – hier ist nun auch das sogenannte „Registration Center“ untergebracht. „Das wird nun eher besser durch die Voraussetzungen im Landratsamt“, sagte Heinz. Bislang sei die Registrierung in den Gemeinschaftsräumen in der Unterkunft an der Pappelallee vorgenommen worden. „Doch die sind nun auch belegt.“ Auch eine kurzfristige Zwischenlösung in einem Küchenzelt bei der Geislinger Wölkhalle sei „nicht ideal“ gewesen.

In der gegenwärtigen Situation müsse der Landkreis „schnell Masse machen“, meint Heinz. Derzeit würden kleinere Wohneinheiten, die angeboten werden, nicht helfen. Zumal der Kreis manchmal sehr schnell reagieren müsse und dafür schnell verfügbare Reserven benötige. Kleinere Wohnungen könnten dann für die Anschlussunterbringung genutzt werden. Hier wachse der Bedarf. Das sei eine der Voraussetzungen, damit Integration gelingt. 

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

21.11.2015 09:05 Uhr

Tafelladen braucht mehr Größe

Wenn immer mehr bedürftige Menschen zum Einkaufen gehen, muss der Göppinger Carisatt mehr Platz bekommen. Dies wäre eine logische Maßnahme.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Hoher Schaden nach Wohnungsbrand in Salach

Bei einem Wohnungsbrand in Salach am frühen Samstagmorgen entstand ein hoher Schaden von etwa 50.000 Euro. weiter lesen