Kupferdiebe zwicken Stromfreileitung ab

Das ist dreist und lebensgefährlich: Unbekannte Kupferdiebe haben bei Nacht und Nebel nahe Mühlhausen eine über 300 Meter lange Stromfreileitung, die unter Spannung stand, gekappt und gestohlen.

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  • Ein Bereitschaftstrupp des Albwerks zog eine neue Stromfreileitung - jetzt aus Aluminium - vom Umspannwerk bei den Eselhöfen zu den Kölleshöfen. 1/2
    Ein Bereitschaftstrupp des Albwerks zog eine neue Stromfreileitung - jetzt aus Aluminium - vom Umspannwerk bei den Eselhöfen zu den Kölleshöfen. Foto: 
  • Nur solche kümmerlichen Kabelreste ließen die Diebe an den Masten übrig. 2/2
    Nur solche kümmerlichen Kabelreste ließen die Diebe an den Masten übrig. Foto: 
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Noch nie sind Kupferdiebe im Raum Geislingen so dreist vorgegangen, wie in der Nacht auf Freitag bei den Eselhöfen nahe Mühlhausen. An der dortigen Umspannstation kappten sie die Niederspannungsleitung, die zu den 312 Meter entfernten Kölleshöfen führt. Die jeweils vier Leiterseile standen unter Spannung. Die Diebe stiegen dann über eine mitgebrachte Aluleiter, die sie notdürftig verlängerten, jeweils acht Meter hoch auf jeden der acht Holzmasten, um dort die Kabel abzuzwicken. Zerschnitten in 30-Meter-Stücke erbeuteten sie insgesamt 1248 Meter Kupferkabel. Zum Abtransport der Kabel, die insgesamt rund 270 Kilogramm wogen, brauchten die Unbekannten zumindest einen Kleinlaster oder Lieferwagen. Den Altmetallwert schätzt die Polizei auf 1300 Euro. Dem Stromversorger, dem Geislinger Albwerk, entstand 5000 bis 7000 Euro Schaden.

"Da waren Profis am Werk", ist Hubert Maier klar. Er leitet beim Albwerk den Bereich Stromnetze. Doch auch diese Profis hätten sich in Lebensgefahr gebracht.

Zum ersten Mal kam es vor, dass eine unter Spannung stehende Stromleitung demontiert und gestohlen wird. Bisher waren Kabeltrommeln von Lagern oder auf Baustellen das Ziel von Altmetalldieben. Die Ulmer Polizeidirektion kennt allerdings bereits diese andere Variante des Kupferdiebstahls.

Am Freitag um 6 Uhr erreichte das Albwerk ein Anruf aus den Kölleshöfen, dass sie keinen Strom mehr hätten. Der sei bereits um vier Uhr ausgefallen gewesen, sagte ein Bewohner eines der Gehöfte. Diese befinden sich südlich der Eselhöfe in Richtung Drackenstein. Ein Bereitschaftstrupp des Albwerks machte sich auf den Weg, um die Fehlerquelle zu finden und die Störung zu beheben. "Unsere Leute staunten nicht schlecht, als sie feststellten, dass die Gehöfte buchstäblich von der Stromversorgung abgeschnitten waren", berichtet Maier.

Nur noch kümmerliche Reste der gekappten Kabel hingen an den acht Strommasten aus Holz, die entlang eines asphaltierten Weges stehen. Am Tatort fanden die Monteure eine sieben Meter lange Aluminium-Schiebeleiter - die Diebe hatten sie offenkundig zurückgelassen. Da die Leiter nicht lang genug war, hatten die Unbekannten zwei Leiterteile provisorisch mit Kunststoffstricken zusammengebunden, um sie zu verlängern. "Die Konstruktion muss extrem wacklig gewesen sein. Man musste schon auf die letzte, oberste Sprosse stehen, um an die Freileitung heranzureichen", schildert Maier die Tatumstände. Der Dieb habe beide Hände freihaben müssen, um die vier Stränge - Durchmesser jeweils rund ein Zentimeter - mit einem Kabelschneider zu durchtrennen. Zur Tatnacht herrschte Vollmond, es war auf der Anhöhe zur Alb aber womöglich neblig. Der Wiesen-Untergrund war matschig und rutschig.

"Es bestand ohne Zweifel Lebensgefahr für die Täter", weiß Maier. Zumal direkt über der Niederstromleitung an der Umspannstation eine Mittelspannungsleitung von 20.000 Volt verläuft. Die Monteure des Albwerks machen sich nur mit Spezialausrüstung und isolierenden Schutzanzügen an die Arbeit an Freileitungen, durch die Strom läuft. Maier: "Wäre der Strom durch den Körper eines Diebes geströmt, wäre das tödlich gewesen."

Das Albwerk versorgte die Kölleshöfe zunächst mit einem Notstromaggregat mit Strom. Im Lauf des Freitag zogen die Monteure eine neue Freileitung - nun aus Aluminium.

Aller Wahrscheinlichkeit haben die Täter vorher das Terrain genau ausbaldowert. Sie hielten dabei auch auf die mittlerweile nicht mehr üblichen Kupferkabel Ausschau. Vermutlich kamen und flohen die Unbekannten über die nahe Autobahn. Am Tatort gibt es zwar viele Fahrzeugspuren, sie dürften zum großen Teil aber von landwirtschaftlichen Maschinen herrühren. Der Polizeiposten Deggingen sucht Zeugen, Telefon: (07334) 92 49 90.

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