Kunststoff in besonderen Formen

Vor einem Jahr hat Christian Kramer Schiller-Plastic in Rechberghausen übernommen - und hat in den vergangenen Monaten bereits viel auf den Weg gebracht. Der Unternehmer hat aber noch viel vor.

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Christian Kramer mit den "Klassikern" des Unternehmens: Kunststoff-Kugeln und andere Deko-Artikel, die bei "Schiller-Plastic"in Rechberghausen im Spritzgussverfahren hergestellt werden.  Foto: 

Dekorative Verpackungen und Artikel für den Bastelbedarf: Seit 1959 ist Schiller-Plastic aus Rechberghausen in der Branche für diese Produkte bekannt. Christian Kramer, 48 Jahre alt, hat vor einem Jahr das Unternehmen übernommen. "Wir wollen auch in neue Märkte vorstoßen - die Auslastung muss das ganze Jahr über gut sein", sagt Kramer. Vor Ostern und Weihnachten, wenn Plastik-Ostereier- und Hasen und Christbaumformen samt Kugeln Saison haben, seien die starken Monate.

Als Christian Kramer vor zwei Jahren seine Beteiligung an einem Maschinenbauunternehmen im Rems-Murr-Kreis verkauft hatte, war er auf der Suche nach einem mittelständischen Betrieb, den er übernehmen wollte. "Das war immer mein Ziel - und wo sonst, wenn nicht hier in der Großregion rund um Stuttgart, wo viele Familienunternehmen Nachfolger suchen, sind die Perspektiven besser?" sagt der Firmenchef, der aus Freiburg stammt und 1998 ins Schwäbische gezogen ist. Mit dem Eigentümer von Schiller-Plastic in Rechberghausen wurde er nach einigen Monaten handelseinig und hat viel Potential in dem Betrieb gesehen. Erfahrung bei der Übernahme eines Unternehmens hatte er bereits - auch den Maschinenbauer im Rems-Murr-Kreis hatte er gemeinsam mit einem Partner einst übernommen. Nun also will der studierte Betriebswirtschaftler im Kreis Göppingen "Gas geben", wie er sagt.

Denn - so zeige seine Erfahrung - ein Unternehmen, das altershalber veräußert werden soll, läuft oft nicht mehr mit voller Kraft. "Die Inhaber investieren nicht mehr unbedingt in neue Maschinen und forcieren auch keine neuen Märkte mehr", berichtet er - das sei ganz normal. Während diesem Prozess, der einige Jahre dauert, befinde sich der Betrieb oft "im Sinkflug, was den Umsatz betrifft" und muss nach der Übernahme neu ausgerichtet und wieder zu voller Stärke gebracht werden. Genau darin sieht der Firmenchef seine Aufgabe. Seit einem Jahr ist er nun der Chef von Schiller- Plastic. "Wir sind schon noch in der Phase, in dem es Optimierungsbedarf gibt", sagt Christian Kramer, der die Stammmitarbeiter nach der Firmenübernahme weiter beschäftigt hat.

Vieles in der Produktion ist Handarbeit - die einzelnen Formen, meist Plastikhalbschalen für Kugeln, müssen sorgfältig und für den Transport geschützt verpackt werden. "Das kann man nicht automatisieren, denn die Wünsche der Kunden sind zu individuell", berichtet er. Darum blicke er auch mit Sorge auf den kommenden Mindestlohn. "Grundsätzlich ist das sicher kein Fehler, aber wir befinden uns in einem Markt, der global mithalten muss - und da geht es bei großen Stückzahlen auch um den Preis", erklärt Kramer. Es werde spannend, wie der Markt darauf reagiert, wenn es zu Preiserhöhungen kommt, die für ihn unvermeidlich sind. Darum ist es für den Unternehmer wichtig, neue Märkte zu entdecken, um die Kapazitäten weiter auszulasten. Mit dem vorhandenen Maschinenpark gebe es durchaus noch Möglichkeiten. Bereits heute gehöre die Lohnfertigung von kleineren Spritzgussteilen für andere Unternehmen dazu, ein Bereich, der weiter verstärkt werden soll. Zudem hat Schiller-Plastic seit einigen Monaten die Zertifizierung, Lebensmittelprimärverpackungen auszuliefern - samt EAN-Auszeichnung. "Das waren wichtige Projekte für uns, damit wir neue Kunden gewinnen können", berichtet Christian Kramer. Die Plastikteile werden für die verschiedenen Zwecke aus unterschiedlichen Materialien hergestellt: Polystyrol, Polycarbonat, SAN und PET - seit einiger Zeit auch aus transparentem Biokunststoff auf Acetatbasis. So sind die Produkte sowohl für den Innenbereich geeignet, aber auch außen - zum Beispiel bei Lichterketten oder Laternen.

Gut die Hälfte der Artikel von Schiller-Plastic geht in den direkten Export. In Europa ist das Unternehmen eines der wenigen, die ein Sortiment in dieser Vielfalt anbietet, darum gibt es einen festen Kundenstamm für die teilweise außergewöhnlichen Formen, die es in allen Farben gibt. Christian Kramer sieht für sein Unternehmen so sehr gute Perspektiven, um auf dem Markt bestehen zu können - und scheut auch die Konkurrenz aus Fernost nicht: "Wir sind flexibler und schneller als China."
 


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