Kultusminister Stoch: Schulen sollen Grabenkämpfe hinter sich lassen

Nicht das Türschild einer Schule entscheidet, sondern die Pädagogik, sagte Kultusminister Andreas Stoch (SPD) am Freitag beim Besuch in der Redaktion. Die Realschulen müssten sich aber dem Wandel stellen.

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Andreas Stoch beim Redaktionsgespräch: Kritik an der Bildungspolitik gehört zum Geschäft.  Foto: 

Vieles in der Bildungspolitik werde gar nicht in Frage gestellt, sagt Andreas Stoch beim Redaktionsgespräch in Göppingen. Er weiß aber auch: „Der Kultusminister ist eine Projektionsfläche für alles, was nicht funktioniert.“ Resigniert wirkt der 45-Jährige jedoch nicht. Eher kämpferisch. Vor gut zwei Jahren war der Heidenheimer Sozialdemokrat im Kultusministerium ans Ruder gekommen, um den Wandel der Schullandschaft umzusetzen. Er fand „Realschulen in der Schmollecke“ und Werkrealschulen, denen die Schüler davon liefen. Dass auch im Kreis Göppingen nun tatsächlich einige Werkrealschulen vor dem Aus stehen, sei Konsequenz aus dem seit Jahren andauernden Schwund und folge einem Verfahren, das den Kommunen durchaus noch die Möglichkeit biete, gegenzusteuern. Am Ende nütze es aber nichts, Schulen ohne Schüler zu erhalten.

Die inzwischen etablierten Gemeinschaftsschulen und die seit Jahrzehnten erfolgreichen Realschulen streiten sich hingegen, wie sie nebeneinander ins Zwei-Säulen-Modell passen. Für Stoch ist das kein Widerspruch. Das Schulsystem sei inzwischen sehr komplex, räumt der Minister ein. Entscheidend sei aber, dass sowohl die Gemeinschafts- als auch Realschulen passgenaue Abschlüsse für eine breite Schülerschaft bieten müssten.

Wenn es nach ihm geht, dürfen alle Realschulen auch in Zukunft so heißen, macht Stoch klar. „Das Türschild ist nicht entscheidend, sondern das pädagogische Konzept.“ Dabei fordere er von den Realschulen aber ein, dass sie sich um die Klientel kümmern, die sie längst haben: leistungsschwächere Kinder, die den Hauptschulabschluss machen können, neben stärkeren, die die Mittlere Reife anpeilen. Die Realschulen hätten mit der kürzlich von der Regierung eingeführten Stärkung jetzt auch die Instrumente an der Hand, sich auf den Wandel einzustellen.

Den oft geäußerten Vorwurf der Ungleichbehandlung kontert er: Stiefmütterlich seien Realschulen von der Vorgängerregierung behandelt worden. „Die, die sich jetzt als Vorkämpfer für die Realschulen gerieren, haben jahrelang nichts für sie getan.“ Als Beispiel nennt er die Zahl der Poolstunden, die erst die grün-rote Landesregierung gesteigert habe. Bei allem Streit sieht der Minister den immer wieder zitierten ideologischen Graben als gar nicht so breit an. Doch gibt es immer noch Fälle, wo Aufruhr herrscht. Beispiel ist die Stadt Süßen, die der Minister täglich auf dem Weg von seinem Wohnort Heidenheim nach Stuttgart durchquert. Die vor Ort beschlossene Fusion der Realschule mit der Gemeinschaftsschule ist ein heißes Eisen. Es könne durchaus sein, dass es in Süßen darüber einen Bürgerentscheid gibt, glaubt Stoch.

Auch die Berufschulen sind eine Baustelle: Stoch nimmt für sich in Anspruch, er habe die Personaldecke verbessert und die Ausfallzeiten reduziert. Die jetzt auch dort angelaufene regionale Schulplanung sei nötig: Unterricht für bestimmte Ausbildungsberufe solle wenn nötig an bestimmten Berufschulen zusammengefasst werden. Was genau das für das Göppinger Berufschulzentrum bedeute, könne er noch nicht sagen. Alle Standorte im Land könnten aber davon profitieren, wenn es starke Einheiten gebe, meint er.

Als einen „Tanz auf der heißen Herdplatte“, beschreibt der vierfache Vater Stoch seinen Job. Dennoch habe er Lust auf mehr, sagt er mit Blick auf die Zeit nach der Landtagswahl. Die Bilanz seiner Arbeit werde anerkannt, glaubt der Minister. Zu Beginn seiner Amtszeit sei ihm beispielsweise bei Personalversammlungen der Lehrer stets ein frostiges Klima entgegen geschlagen. Stoch: „Das hat sich deutlich verändert.“

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