Kritik an geplantem Gewerbegebiet

Die Notwendigkeit eines neuen Gewerbegebiets zwischen Ebersbach und Uhingen wurde bei einer Infoveranstaltung mehrfach von Bürgern in Frage gestellt.

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Auf der freien Fläche neben der Bahnlinie wollen die Städte Ebersbach und Uhingen ein gemeinsames Gewerbegebiet anlegen. Den Bürgermeistern zufolge ist die Lage nahezu ideal für Firmen und die Nachfrage groß.  Foto: 

Ich bin geschockt über die Planung!“, stellte eine Besucherin des Uhinger Uditoriums fest, wo Anfang der Woche die Planung zum interkommunalen Gewerbegebiet in der Bürgerversammlung vorgestellt wurde. Uhingen und Ebersbach wollen bis Mitte 2019 den „Gewerbepark Fils“ erschließen.

Alternativen für die derzeitigen Planungen gibt es nach Auffassung der beiden Bürgermeister Matthias Wittlinger (Uhingen) und Sepp Vogler (Ebersbach) nicht. Bei dem überwiegenden Teil der Flächen handelt es sich um Landwirtschaftsflächen, für die die Landwirte Ausgleichsflächen erhalten müssten. Über diese Ausgleichsflächen werde es noch Diskussionen geben, darüber sind sich die Beteiligten einig. Vor allem, weil offenbar laut Sepp Vogler erst für einen betroffener Ebersbacher Landwirt „eine akzeptable Lösung“ gefunden worden sei. Welche Art einer Lösung dies sei, sagte er nicht. Dagegen sind die Prüfungen zur technischen Machbarkeit des Gewerbegebiets bereits positiv abgeschlossen, erklärte Matthias Wittlinger: „Theoretisch können wir loslegen.“

Aber davor stehen noch einige Hürden. So darf zum Beispiel der Regionale Grünzug Nassachtal als Biotop nicht angerührt werden. Aber just über das Nassachtal soll das Gewerbegebiet erschlossen werden. Da trifft es sich gut, dass die vorhandene Nassachbrücke marode ist und ohnehin erneuert werden muss. Da müsse sich der Landkreis finanziell beteiligen, hieß es dazu.

Zurück zu der geschockten Besucherin, die sich auch fragte: „Wer profitiert am meisten davon? Fakt ist doch, dass die Uhinger am meisten darunter leiden!“

Aber wegen der Topographie des Filstals gebe es keine anderen Flächen, wiederholte Matthias Wittlinger. Zudem sei die Anbindung an die vierspurige B 10 ein wichtiger Standortvorteil.

„Keine Kommune wäre allein in der Lage, die Genehmigung von der Regionalplanung zu erhalten“, assistierte Sepp Vogler. Auf der Alb gebe es zwar ausreichend Flächen: „Aber die Betriebe wollen nicht auf die Alb ziehen.“

Den Bewohnern von Diegelsberg, denen das Gewerbegebiet in die Aussicht gebaut wird, versprachen die Kommunalpolitiker, dass man ihre Bedürfnisse bei der Planung im Blick habe, aber „wir werden es nicht schaffen, dass Gewerbegebiet so zu bauen, dass sie gar nicht beeinträchtigt sind“.

Diese optischen Beeinträchtigungen will man verringern, indem die Gebäude nicht höher als die bisherigen gebaut werden dürfen – neun bis 18 Meter – und die Dachflächen begrünt werden. Die Höhenbegrenzung soll gleichzeitig die Einflüsse auf die im Filstal vorherrschenden Winde auf ein Minimum reduzieren.

Dennoch stellten einige Anwohner kategorisch fest: „Meine Gesundheit ist mir wichtiger als die Einnahmen von Uhingen und Ebersbach. Denn die Lärmbelästigung wird steigen, und die Luftbelastung wird auch nicht besser!“ Wittlinger versprach: „Wir werden die Werte, wie sie für das allgemeine Wohngebiet Diegelsberg gelten, einhalten.“

Die Notwendigkeit eines solchen „Riesendings“ von einem Gewerbegebiet wurde mehrfach von den Bürgern in Frage gestellt. Allerdings scheint die Nachfrage groß zu sein, denn nach Auskunft von Sepp Vogler hätten eigentlich schon alle Gewerbeflächen verkauft sein können, wenn man allein die Anfragen aus dem Bereich der Logistik-Branche befriedigte. Es gebe eine Liste mit mehr als zehn Betrieben aus der Region und dem lokalen Bereich, die eine geeignete Fläche suchten.

Eine Reihe von Gutachten, zum Beispiel für den Artenschutz, Lärm, Umweltschutz, Klima und Hydrologie seien in Arbeit, sagte Planer Erich Ernst Kuhn vom Büro Melber und Metzger. Mit dem hydrologischen Gutachten werde auch der Einfluss auf die Gewässer untersucht. Immerhin wurde die Befürchtung laut, das Gewerbegebiet könne zumindest teilweise in einem Wasserschutzgebiet liegen. Es handele sich um ein Wasserschutzgebiet der Zone 3, sagte Kuhn und verwies darauf, dass die hydrologischen Untersuchungen erst nach der Ernte stattfänden: „Es hat je keinen Zweck, jetzt in die Felder reinzugehen.“

Eigentlich, so Matthias Wittlinger, wünsche sich der Regionalverband ein Industriegebiet: „Aber das haben wir nicht auf dem Schirm.“ Im Gegensatz zu einem Gewerbegebiet sind in einem Industriegebiet deutlich höhere Emissionen erlaubt.

Auf jeden Fall versprachen die beiden Stadtoberhäupter den schätzungsweise 120 anwesenden Betroffenen und Interessierten, sie weiter mit Informationen zu versorgen: „Und wenn sie Fragen haben, kommen sie auf uns zu“, forderte Bürgermeister Matthias Wittlinger die Uhinger und Ebersbacher auf.

Und das Verkehrsgutachten, dass ein Besucher in der ganzen Liste von Gutachten vermisste und anmahnte, werde man auch auf die Agenda setzen.

Schlechte Versorgung in Krankenhäusern: Folgen des Alters

Die Deutschen werden immer älter. Wer heute geboren wird, darf mit einem rund 90 Jahre dauernden Leben rechnen. Logische Folge ist, dass die Zahl der Älteren zulegt – bis 2050 wird es fast 50 Prozent mehr Bürger als heute geben, die 70 Jahre und älter sind. Das bringt Probleme mit sich. Denn mit dem Alter kommen die Krankheiten – häufig mehrere auf einmal.

Diese erfolgreich zu behandeln, ist naturgemäß nicht leicht, wie der neueste Krankenhausreport der Barmer Ersatzkasse zeigt. Wenn etwa die Abrechnungsformel für eine spezielle Behandlung im Krankenhaus nur einen Sieben-Tage-Rhythmus vorsieht und deshalb drei von vier Patienten nach genau 14 Tagen entlassen werden, unabhängig vom tatsächlichen individuellen Bedarf, leuchtet ein: Hier muss sich einiges ändern.

Der Vorteil der Demographie ist, dass man sich rechtzeitig auf langfristige Entwicklungen einstellen kann. Bisher sind zehn Prozent der Patienten 70 Jahre und älter. Bisher bietet jedes zweite deutsche Krankenhaus geriatrische Angebote, also Altersmedizin, an. Das wird sich ändern. Man muss jetzt Strukturen schaffen, die diesen Wandel stützen.

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