Kindergarten ohne Wände

Viele Kindergärten zieht es jetzt hinaus in die freie Natur - Waldwochen sind angesagt. Stellvertretend für alle anderen stellen wir hier das Waldprojekt des evangelischen Kindergartens Unterböhringen vor.

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Im Wald kann man herrlich spielen - und etwas fürs Leben lernen. Das ist der Sinn des dreiwöchigen Waldprojekts.

Das Waldprojekt des evangelischen Kindergartens Unterböhringen gibt es schon seit 13 Jahren. Diesmal sind es 31 Kinder und drei Erzieherinnen, die jeden Morgen um 8.30 Uhr mit vollgepacktem Rucksack auf den drei Kilometer entfernten Dalisberg marschieren - drei Wochen lang, bei jedem Wetter, egal ob es regnet oder die Sonne scheint.

Vor vielen Jahren haben Papas eine tolle Waldhütte gebaut, die der Kindergarten aber seit einiger Zeit wegen der Gefahr des Hanta-Virus nicht mehr nutzen kann. Die Kirchengemeinde hat ihm deshalb ein großes Pfingstlagerzelt zur Verfügung gestellt. Das haben Väter vor Beginn des Waldprojektes aufgebaut. Zum Händewaschen stellten sie zwei gefüllte Wasserfässer auf den Lagerplatz.

Nach dem steilen Aufstieg beginnt der Tag im Wald mit einem Begrüßungslied. Danach machen es sich alle auf der Wiese gemütlich und genießen ihr mitgebrachtes Vesper an der frischen Luft.

Wenn alle Kinder fertig gegessen haben, setzen sie sich auf ihr Waldsofa, wo Karl Kobold, eine Handpuppe, schon auf sie wartet. Karl Kobold erzählt etwas über den Wald. Dabei fasst er sich kurz - schließlich können es die Kinder kaum erwarten, zu ihren "Lägerle" zu gehen.

Dort dürfen die Kinder sich frei austoben, bauen, spielen, experimentieren und den Wald als großen Spielplatz erleben.

Daneben bereiten die Erzieherinnen immer wieder gezielte Angebote vor. Sie bauen mit den Kindern zum Beispiel einen Schneckengarten oder basteln Webrahmen.

Um 12 Uhr gehen alle wieder auf ihre Wiese. Nachdem sich die Kinder die Hände gewaschen und desinfiziert haben, essen sie gemeinsam ihr zweites Vesper. Danach gehört es seit vielen Jahren zur Tradition, auf der alten Wetter-Eiche herumzuklettern. Kurz nach 13 Uhr machen sich alle auf den Rückweg zu ihrem Kindergarten.

Dieses Jahr sollen die Kinder den Wald "mit allen Sinnen erleben". Sie gingen auf einem Barfußpfad und durch eine Fühlstraße, sie spielten Riech- und Hörmemory, sie liefen mit einem Spiegel durch den Wald und hörten Klanggeschichten.

Ein festes Ritual in diesen drei Wochen sind die Besuche von Förster Schürle und Jäger Grüner, die viel über die Tiere und Bäume erzählen und Antworten auf Fragen wissen wie "Was kann man alles aus Holz machen?". Zum Abschluss des Waldprojektes sind die Eltern eingeladen, damit sie sehen, was ihre Kinder geleistet und erlebt haben. Dazu gehört ein gemeinsames Grillen.

Für die meisten Kinder ist es etwas Neues, den ganzen Vormittag im Wald zu verbringen, über den Waldboden zu laufen und ihren Körper zu spüren, berichten die Erzieherinnen. Das Laufen auf den unebenen, verschiedenartigen Untergründen fördere spielerisch die koordinativen Fähigkeiten. Außerdem könnten die Kinder hier ihren Bewegungsdrang ausleben. Gut geschützt durch die richtige Kleidung, machen Wind und Wetter nicht nur Spaß, sondern auch gesund.

Im Wald würden die Kinder nicht durch vorgegebenes Spielzeug abgelenkt, sondern angeregt, miteinander zu sprechen und untereinander Beziehungen zu knüpfen. Dies führe zu einer verbesserten Gruppenintegration und intensiveren Freundschaften. Konfliktfähigkeit und -bewältigung würden gefördert.

Ein solcher "Kindergarten ohne Tür und Wände" habe einen geringeren Geräuschpegel und biete genügend Platz für jeden. Dies vermindere die Entwicklung von Aggressionen und Stresszuständen. Die unmittelbare Naturerfahrung im Lebensraum Wald befähige die Kinder zu einem nachhaltigen und umsichtigen Umgang mit sich, ihren Mitmenschen und der Natur. Stille sei in der heutigen Zeit ungewohnt. Sie sei aber von großem Wert für das Wahrnehmungsvermögen und die Konzentrationsfähigkeit.

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