Insolvenzverfahren: Süßener Kellerbau ist bald Geschichte

Das Insolvenzverfahren geht zu Ende: Mitarbeiter des Süßener Bauunternehmens haben 83 Prozent ihrer Einlagen auf ein Firmenkonto zurückbekommen. 31 Millionen Euro betrugen die Gesamtforderungen.

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Nach fast fünf Jahren nähert sich das Insolvenz­verfahren der Süßener Kellerbau dem Ende. Die Gesamthöhe der Forderungen von Gläubigern beziffert das Amtsgericht Göppingen auf 31.109.299,96 Euro. Bis zum 30. Mai haben alle Beteiligten noch Gelegenheit, den Forderungsanmeldungen schriftlich beim Insolvenzgericht zu widersprechen. Dann wird das aufsehenerregende Verfahren beendet, das mit der völlig überraschenden Anmeldung der Insolvenz der renommierten Firma am 6. August 2012 begonnen hatte.

Zu Beginn hatte es eigentlich kaum Zweifel daran gegeben, dass sich ein Käufer für Kellerbau findet. Zumindest hatte Insolvenzverwalter Michael Pluta immer Optimismus verbreitet. Doch Woche für Woche wurden die Aussichten düsterer. Am 28. September war schließlich klar: Die Lichter gehen endgültig aus, das Amtsgericht Göppingen eröffnete das Insolvenzverfahren. Lediglich für das Teilwerk in Illerzell mit 15 Beschäftigten konnte Pluta einen Käufer finden. Im August zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags hatte das Unternehmen mit 90-jähriger Geschichte rund 250 Mitarbeiter gehabt.

Eigentlich sind es zwei Firmen, die in die Insolvenz gingen: Zum einen die Keller-Bau Beteiligungs-Gesellschaft mbH. Dies ist die Komplementärgesellschaft der zweiten Firma, der Johannes  Kellerbau GmbH & Co. KG – des eigentlichen Bauunternehmens. Die Beteiligungs-Gesellschaft hat nach Angaben eines Sprechers von Michael Pluta nur ein Eigenkapital von 18 000 Euro – haftet aber für alle Verbindlichkeiten der KG, also die besagten 31 Millionen Euro.

Pluta musste also schauen, was bei dem Bauunternehmen selbst zu holen war. Die größte Sorge der Mitarbeiter war neben ihrem Arbeitsplatz ein Stammkonto der Firma, wo die Angestellten Geld parken konnten, das dann ordentlich verzinst wurde. Bis zu 100 000 Euro hatten Einzelne dort angelegt, insgesamt betrug das Volumen 5,7 Millionen Euro.

Die Anleger sind mit einem blauen Auge davongekommen: „Die Arbeitnehmer haben 83 Prozent auf die Stammkonten erhalten“, sagt der Pluta-Sprecher. Auch seien „alle laufenden Gehaltszahlungen bis zum Ende der Kündigungsfrist“ bezahlt worden. Schließlich würden im Rahmen der noch ausstehenden Schlussverteilung noch 500.000 Euro Sozialplanabfindung gezahlt, das macht unterm Strich 37 Prozent auf den Anspruch.

Insgesamt haben die gesicherten Gläubiger 13 Millionen Euro auf ihre Sicherheiten erhalten. Der Sprecher des Insolvenzverwalters erläutert: „Durch diese hohen Zahlungen an die bevorrechtigten Gläubiger  – darunter auch die Mitarbeiter – ist die Quote für den ungesicherten Teil der Forderungen dann natürlich gering.“ Die Restquote auf die verbliebenen Forderungen liegt demnach bei 3,68 Prozent. Gäbe es keine gesicherten oder bevorrechtigten Gläubiger, läge diese Quote bei rund 60 Prozent.

Wenn es nun keine Einwendungen gegen die Anordnung des schriftlichen Verfahrens und die Schlussrechnung gibt, kann das Göppinger Insolvenzgericht die Verfahren gegen beide Kellerbau-Firmen bald zum Abschluss bringen. Aus Michael Plutas Ulmer Kanzlei heißt es dazu: „Bei beiden Verfahren erwarten wir den gerichtlichen Schlusstermin im Juni.“

Geschichte: Das Bauunternehmen Johannes  Kellerbau GmbH + Co. KG war 1922 von Johannes Keller gegründet worden. Sein Schwiegersohn Georg Meyer-Keller hat dann die Firma übernommen. Geschäftsführender Gesellschafter der Baufirma war am Ende der Enkel des Gründers, Dieter Meyer-Keller.

Insolvenzverwalter: Die Pluta Rechtsanwalts-GmbH gehört zu den großen Insolvenzkanzleien in Deutschland. Auch als die Firma Märklin im Jahr 2009 Pleite ging, wurde Michael Pluta als Insolvenzverwalter beauftragt.

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