Kein Klotz am Bein mehr

Die Wohnbau GmbH Lonsee ist Geschichte. Der Gemeinderat hat die Auflösung der Gesellschaft beschlossen, die immer wieder den Etat belastet hat.

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Sozial verantwortbaren Wohnraum aufbauen und pflegen, dafür war die Wohnbau GmbH Lonsee zuständig. Nun wird die Gesellschaft auf Beschluss des Gemeinderates zurück in den öffentlichen Besitz übertragen. Mit dem Eintrag des Transfers ins Handelsregister erlischt die Gesellschaft.

Die Gemeinde befreit sich damit von einem Klotz am Bein, der seit Jahren den Etat belastet. "Die Häuser der GmbH sind mit hohen Krediten ohne viel Eigenkapital gebaut worden, viel mehr möchte ich dazu nicht sagen", bemerkte Bürgermeister Jochen Ogger im Juni 2012 über das ungeliebte Erbe seiner Vorgänger. Zwischen 1999 bis 2010 hat die Wohnbau mit ihren 32 Wohnungen und vier Gewerberäumen einen Verlust von 650 000 Euro verbucht. Geld, das die Gemeinde aufbringen musste. Erst die 9500 Fotovoltaik-Module, die im Solarpark Radelstetten auf dem Gelände des früheren Munitionsdepots seit 2010 Strom produzieren, spülten genug Geld in die Kasse, um die laufenden Kosten der Firma zu decken.

Eine Auflösung der Wohnbau war immer wieder im Gespräch. Als die Gemeinde 2011 einen Kredit über
816 000 Euro aufnehmen musste, um Löcher im Haushalt zu stopfen, schlug der damalige Gemeinderat Eugen Hößle vor, die GmbH zu verkaufen, "um Kosten zu sparen".

Im Oktober 2013 war es soweit. Alle vier Immobilien wurden an einen Bauunternehmer für rund 1,6 Millionen Euro verkauft. Das Geld reicht in Verbindung mit einem Darlehen der Gemeinde aus, um die Schulden der GmbH zu tilgen. "Wir fürchteten, dass da in naher Zukunft viele Investitionen kommen", sagt Ogger heute über die Gebäude aus den 90er Jahren. Nachteil: Die 511 291,88 Euro Stammkapital der Gesellschaft, eingezahlt in Höhe von 357 904,56 Euro, sind endgültig verloren.

Bleibt der Solarpark Radelstetten. Im Herbst 2013 wurde die Fläche aus der Wohnbau GmbH in den Eigenbetrieb "Immobilien und regenerative Energien" ausgegliedert. "Im Eigenbetrieb läuft die Verwaltung deutlich schlanker", sagt Ogger. Damit entfällt etwa der jährliche Wirtschaftsprüfer, womit ein vierstelliger Betrag eingespart wird. Die Prüfung übernimmt die Gemeindeprüfanstalt, die ohnehin regelmäßig die Finanzen der Gemeinde unter die Lupe nimmt.

Die Mieteinnahmen aus dem Solarpark sind in den vergangenen Jahren angestiegen. Im Haushaltsplan sind 44 200 Euro Plus eingeplant, Tendenz steigend. Bereits seit 2011 plant die Verwaltung, im Park auch mit Windkraft Geld zu verdienen.

So umgeht man größere Rodungsarbeiten; allerdings muss der Regionalverband den Solarpark als Vorranggebiet auszeichnen - nur dann dürfen die Räder aufgestellt werden. "Es sieht gut aus", sagt Ogger, wenngleich Geduld gefragt ist. Er schätzt, dass sich frühestens 2016 Windräder in Radelstetten drehen.

Der Solarpark beschäftigt die Verwaltung noch an anderer Stelle. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) streitet mit Lonsee um den Wert des früheren Bundeswehr-Munitionsdepots. Der Bund als Verkäufer beruft sich auf eine Klausel im 2006 unterzeichneten Vertrag mit der Wohnbau Lonsee. Der Vertrag sieht eine Nachzahlung vor, sollte das Gelände eine "höherwertige Nutzung" erfahren, was die Bima mit den Fotovoltaik-Anlagen als erfüllt ansieht. Auf Basis der heutigen Einnahmen im Park hat sie die Mieteinnahmen auf 20 Jahre hochgerechnet und kommt auf eine Nachzahlung von 265 000 Euro.

Für Ogger unverständlich. Noch heute würden im südlichen Teil des Parks Munition und Hackschnitzel gelagert. Die Bima habe das nicht berücksichtigt. Die Forderung weist die Gemeinde deshalb zurück und hat einen eigenen Gutachter beauftragt. "Wir streiten uns ziemlich intensiv", sagt Ogger.

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