Kahlensteinhöhle im Inneren der Alb

Die Kahlensteinhöhle hoch über Bad Überkingen war Ziel beim Sommer der Ver-Führungen. Dieter Domke vom Kahlensteiner Höhlenverein führte 50 Interessierte tief hinein ins Innere der Schwäbischen Alb.

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Ein Junge leuchtet mit seiner Taschenlampe in den Einstieg zur Kahlensteinhöhle, die normalerweise von einer stabilen Tür fest verschlossen ist: "Da ist es ja richtig dunkel da drinnen", meint der Bub beeindruckt. "Und da hat"s ein paar Löcher drin - wenn da einer reinfällt, ist er weg", warnt ein Mitglied des Höhlenvereins schmunzelnd. Ganz so gefährlich wird es dann doch nicht beim "Sommer der Ver-Führungen" in der Kahlensteinhöhle. Dieter Domke bringt alle 50 Teilnehmer, die er in Kleingruppen unter die Erde führt, wieder wohlbehalten ans Tageslicht.

150 Meter lang erstreckt sich die Kahlensteinhöhle unter der Oberfläche der Schwäbischen Alb, davon sind 72 Meter begehbar. Hinter dem Höhleneingang führt ein enger, niedriger Gang zur Großen Halle, die schon vor 3000 Jahren Jägern als Rast- und Übernachtungsplatz diente. Davon zeugen Fundstücke wie Hornwerkzeuge, Münzen und Tonscherben, die in der Höhle geborgen wurden. Im Winter bot die Kahlensteinhöhle, in der das ganze Jahr über konstant acht Grad herrschen, einen idealen Unterschlupf vor der Kälte, im Sommer war ein kleiner Höhlensee, in dem sich das Tropfwasser sammelt, besonders wertvoll. Noch heute sind die Wände der Großen Halle von den Rußspuren unzähliger Lagerfeuer geschwärzt. "Früher war hier einmal alles schneeweiß und voller Tropfsteine", erzählt Dieter Domke.

Tropfsteine und Fledermäuse

Von diesen Tropfsteinen sind heute nur noch wenige übrig geblieben, darunter ein beeindruckender 10.000 Jahre alter Stalagmit. Die meisten wurden im Laufe der Zeit von Besuchern abgebrochen. Denn erst seit den 1970er Jahren ist der Höhleneingang durch eine Tür verschlossen. Davor diente er Generationen von Jugendlichen als Partyraum, deren Müll die Höhlenfreunde Kahlenstein hatten mühsam ausräumen müssen. Die Ruhe der vergangenen 40 Jahre kommt nicht zuletzt der Höhlenfauna zugute: Von Oktober bis März herrscht strenges Zutrittsverbot, damit die Fledermäuse nicht bei der Überwinterung gestört werden. Allerdings sei deren Bestand in den vergangenen Jahren wieder etwas zurückgegangen. "Den Grund dafür kennen wir nicht", sagt Dieter Domke. Womöglich haben sich Marder, die auch in der Höhle hausen, einige der überwinternden Tiere von der Höhlendecke "gepflückt", vermutet der Höhlenexperte.

Bis die Kahlensteinhöhle, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts zur Schauhöhle ausgebaut wurde, wieder zu einer richtigen Tropfsteinhöhle wird, wird laut Domke noch viel Zeit vergehen - sehr viel Zeit. In viele Bereiche der Höhle dringt kaum noch Wasser von der Alboberfläche; deshalb sammeln sich dort auch keine Sinterablagerungen mehr. Sinter bildet sich durch das Ausscheiden von in Wasser gelösten Mineralien, in diesem Fall Kalk. Doch ganz am Ende der Kahlensteinhöhle haben sich an der Abschlusswand schon wieder zahlreiche "Babytropfsteine" gebildet. Bis diese "ausgewachsen" sind braucht es aber noch viel Geduld, denn sie wachsen in 30 Jahren nur ein bis zwei Zentimeter.

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