Junge Menschen mit geistigen Defiziten finden Arbeit

Wenn Arbeitgeber dafür offen sind, finden auch Menschen mit geistigen Defiziten einen Arbeitsplatz, der wie für sie geschaffen scheint. Das Pflegeheim "Am Mühlbach" in Bad Überkingen beweist es.

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Manuel Fuentes steht inmitten des Gemeinschaftsraums im Bad Überkinger Pflegeheim "Am Mühlbach" und singt mit den Bewohnern "Alle Vögel sind schon da". "Das waaar spitze!" ruft er am Ende und macht einen Sprung. Die alten Menschen lachen. Als nächstes wünschen sie sich den "Schneewalzer". Manuel dirigiert, bringt auch diejenigen Bewohner dazu, ihn zu beachten und mitzumachen, die für so eine Motivation etwas länger brauchen. Beim Refrain hockt er sich neben eine alte Dame, legt seine Hand um ihre Schulter und schunkelt mit ihr im Dreivierteltakt. Die Dame strahlt übers ganze Gesicht, selbst dann noch, als sich der 22-Jährige eine andere Schunkel-Partnerin auserwählt.

Manuel hat eine Arbeitsstelle gefunden, die wie für ihn geschaffen scheint. Alltagsbegleiter nennt sich die Aufgabe, die er immer wieder im Praktikum ausprobiert hat und jetzt ab Mai bis November in einer Qualifizierungsmaßnahme als eine Art "Ausbildung" durchläuft. "Mir gefällt das mega", sagt er, "ich bringe die Leute dazu, bei den Aktivierungen mitzumachen, und da hab ich selber Spaß daran!"

Dass Manuel mit theoretischem Lernen Probleme hat und auch im Alltag die eine oder andere Einschränkung akzeptieren muss, stört ihn hier nicht. Und auch sonst keinen. Im Gegenteil. "Meine Kollegen sind sehr zufrieden mit mir", meint der junge Mann mit dem ihm eigenen Selbstbewusstsein.

Das bestätigt auch Julian Brandt, der Leiter Sozialdienst im Bad Überkinger Pflegeheim: "Manuel ist für uns ein absoluter Glücksfall. Er beweist ein verblüffendes Einfühlungsvermögen und ist mit solcher Hingabe und Freude bei der Arbeit, dass er die gesamte Atmosphäre auflockert. Vor allem unsere Bewohnerinnen lieben ihren Manuel heiß und innig".

Natürlich geht die Einstellung eines Menschen mit geistigen Einschränkungen an einem sogenannten "ausgelagerten Werkstatt-Arbeitsplatz" nur, wenn das Kollegium dort damit einverstanden ist. "Klar, wir werden seine theoretischen Lerninhalte aus dem Unterricht Stück für Stück mit ihm aufarbeiten müssen. Oder ihm auch helfen, wenn es um schriftliche Dokumentationen und Ähnliches geht. Aber wenn alle Mitarbeiter an einem Strang ziehen, ist das kein Problem", erläutert Julian Brandt und fügt hinzu: "Unser Mitarbeiter-Team steht voll hinter dieser Inklusions-Geschichte."

Den Anfang zur erfolgreichen Inklusion hat das Küchenpersonal des Avendi-Pflegeheims "Am Mühlbach" bereits vor eineinhalb Jahren gemacht. Seitdem arbeitet Vera Funk als Küchenhelferin im dortigen Team mit. Anfangs als Praktikantin, dann durchlief auch sie eine Art Ausbildung, bevor sie übernommen wurde. Ebenfalls in Form eines ausgelagerten Arbeitsplatzes der Lebenshilfe. Vera liebt ihre Arbeit in diesem Umfeld. Sie hat ihren festen Aufgabenbereich, den sie zuverlässig ausfüllt. Die 22-Jährige räumt die Spülmaschine ein und aus, putzt, schält und schnippelt Gemüse bei der Essensvorbereitung. Sie lässt sich dabei nicht so schnell aus der Ruhe bringen, selbst wenn es um sie herum hektisch wird. Für Vera ist diese Arbeit "viel schöner als in der Werkstatt", wie die junge Frau betont und "die Kollegen sind alle nett".

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