Jochen Reißmüller ist überzeugt von seinem Instrument: „Mit der Muha geht alles“

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Mundharmonika-Lehrer Jochen Reißmüller aus Steinenkirch mit seinen Liedheften. Foto: Claudia Burst  Foto: 

„Manche haben das Heft schon vor einem Vierteljahr bestellt, sie konnten es kaum erwarten“, erzählt Jochen Reißmüller. Er redet von seinem Liedheft „Biscaya – Melodien von Wind und Meer und mehr…“, das er wie die 19 Vorgängerhefte speziell für seine Mundharmonika-Schüler fabriziert hat. Anfang September kam es auf den Markt, seitdem hat er schon 120 davon verkauft.

Reißmüller hat es geschafft, eine neue berufliche Karriere in einer völlig anderen Sparte aufzubauen, nachdem er vor 14 Jahren als Informatik-Ingenieur plötzlich arbeitslos wurde. Der heute 63-Jährige hat sein Hobby, das Mundharmonikaspielen, zum Beruf gemacht und damit eine wahre Lawine ausgelöst. Anfangs gab er außer Mundharmonikakursen noch Computer- und Gitarrenkurse bei der Vhs in Böhmenkirch. „Aber nicht lange. Plötzlich hatten alle Interesse an Muha-Kursen“, erinnert sich der Tausendsassa.

Heute bringt der Steinenkircher in 25 laufenden Kursen an den Volkshochschulen im Unteren Filstal, im Schwäbisch Gmünder und Heidenheimer Raum und an den Wochenenden sogar in Wangen im Allgäu, in Koblenz oder Schwäbisch Hall Schülern jeden Alters das Spielen auf der Blues-Harp, also der gängigen 10-Loch-Mundharmonika, bei. Und muss inzwischen sogar Anfragen ablehnen.

Sein Erfolgskonzept besteht in der Musikvielfalt, die er mit dem kleinen Instrument abdeckt. „Mit der Muha geht musikalisch alles“, meint Reißmüller, der seit seiner Kindheit spielt und ein ganzes Orchester aus den zehn Löchern zaubern kann.

Dazu kommt das „Happy-Harmonica-System“, also ein Strich-Punkt-System, das er von René Giessen übernommen hat. Mit diesem System kapieren alle diejenigen das Musizieren mit der Blues-Harp, die keine Ahnung von Noten haben: Strich bedeutet Pusten, Punkt heißt Ziehen und je nachdem, in welcher der zehn Tabellen sich Strich oder Punkt befinden, muss eben dort geblasen oder gezogen werden. Ganz einfach.

Auf diese Weise hat Reißmüller im Lauf der vergangenen 14 Jahre Tausende von Musikschülern beglückt. Insgesamt hat er 750 Musiktitel in das Strich-Punkt-System transferiert, 510 davon in 20 Heften veröffentlicht. „Der absolute Topseller ist das Weihnachtslieder-Heft“, sagt er und schmunzelt: „Und zwar das ganze Jahr über.“ Außerdem begeistert er seine Kursteilnehmer und Kunden mit Heften zu klassischer Musik, zu Schlagern, Volksmusik, Irish Folk, Westernsongs, Seemannslieder.

Seine Hefte produziert Reißmüller genauso wie die Begleit-CDs dazu alle selbst. Er überlegt sich das Design fürs Titelblatt, das Layout, die Lieder, schreibt diese um, druckt alles selbst und bindet sie schließlich alle einzeln mit einem Spiralbinder. „Wobei mir meine Frau inzwischen hilft“, bekennt er. Diese Unabhängigkeit von einem Verlag hat den Vorteil, dass er von allen 20 Heften immer nur etwa 30 im Vorrat hat und bei Bedarf einfach nachproduziert. Genauso funktioniert es mit den CDs, die er selber arrangiert, vor seinem Studio-Mikro selber spielt und aufnimmt, mischt, brennt und auch hier die CD-Cover selber druckt.

Die Ideen für neue Lieder gehen dem Musikdozenten nie aus. „Ich war gerade in Griechenland. Und schon hab ich wieder zwei neue Melodien im Gepäck, die ich in einem der nächsten Kurse gleich mal ausprobiere.“

An einen „Ruhestand“ verschwendet Reißmüller keine Gedanken. „Jetzt, wo alles derart gut läuft und Spaß macht? Nein, das kommt überhaupt nicht in Frage.“ Sagt’s und macht sich bereit für den nächsten Kurs, der in einer halben Stunde beginnt.

Info Reißmüller verkauft seine Hefte, CDs und auch Mundharmonikas direkt an seine aktuellen und ehemaligen Kursteilnehmer, die er per Mail über die Neuerscheinung informiert, sowie im Internet auf Ebay oder auf seiner Homepage www.muha-jochen.de

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