Jägergemeinschaft bringt Schulkindern die Natur des Waldes näher

42 Kinder aus Wiesensteig und Umgebung haben einen Tag im Jagdrevier verbracht. Mit der Jägerschaft Fils erkundeten sie die Pflanzen- und Tierwelt.

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Vorsicht Wild: Wolfgang Hauser von der Jägergemeinschaft Fils ahmt mit einem Rohr ein Wildschwein nach, das die Kinder erkennen sollen.  Foto: 

Von Weitem ertönt das Jagdhorn. Es ist das Signal, das 42 Kinder auf die Jagd schickt – aber nicht auf die Jagd nach Tieren, sondern nach Punkten. Beim Schülerferienprogramm der Gemeinden Wiesensteig, Hohenstadt, Drackenstein, Mühlhausen und Gruibingen verbrachten die Sechs- bis Zwölfjährigen einen Tag lang in einem Wald bei Wiesensteig. Zusammen mit Mitgliedern der Jägerschaft Fils erkundeten sie am Dienstag die Pflanzen- und Tierwelt rund um die Feldlehütte und sammelten mit ihrem frisch erworbenen Wissen bei einem Spiel Punkte. Die Jäger hatten Stationen aufgebaut, an denen sie den Kindergruppen von ihrem Spezialgebiet erzählten und ihnen Fragen und Aufgaben dazu stellten.

„Der Dachs geht nicht an den Müll, weil er da nicht so viel zu fressen findet“, ruft der achtjährige Samuel und spickt dabei immer wieder zu der Schautafel, die die Lebensgewohnheiten des Raubtiers in Bildern zeigt. Fuchs und Wildschweine wiederum würden bei Nacht gerne die Mülleimer ausräumen, erklärt der Jäger. Als die Gruppe vor den Präparaten von Ente, Eichhörnchen, Eule und anderen Wildtieren steht, die außen an der Feldlehütte hängen, fangen die Naturburschen und -mädchen selbst zu erzählen an: „Als ein Fuchs in unseren Hühnerstall eingebrochen ist, sind die Hühner vor Schreck tot umgefallen. Und er hat sie nicht mal mitgenommen“, empört sich die siebenjährige Ronja. Die sechs Jahre alte Nele weiß sogar, wie sich eine Ente anfühlt: „Mein Uropa hat auch welche.“

An der Station „Herbsters Hütte“ hält Jäger Herbert Stolz einen langen Ast zum Zerkleinern bereit. Lili greift mutig zur Säge und legt so eifrig los, dass sich Stolz zum Fixieren auf den Ast setzen muss. Die Zehnjährige ist zwar zum ersten Mal beim Jagdrevier-Tag dabei, ließ aber schon mal bei einer Dorfolympiade die Späne fliegen, erzählt sie.

Ihre Lauscher spitzen müssen die Kinder bei Wolfgang Hauser: Der Vorsitzende der Jägerschaft Fils hat ein Repertoire an Pfeifen, Tröten und anderen Geräten dabei, um Geräusche von Tieren nachzuahmen. Dass das Rehkitz anders klingt als das „Mama-Reh“, erkennt eine kleine Expertin auf Anhieb. Schwieriger wird es beim Haselhahn, der in der Balz so zischt, dass ein Junge ihn kurzerhand dem Schienenwesen zuordnet: „Wie ein Zug“, ruft er. Da verlassen sich einige andere Kinder aber lieber auf das, was sie sehen, und suchen die Umgebung mit einer Art Fernglas ab. „Mit dem Entfernungsmesser kann man herausfinden, wie weit ein Tier weg ist“, erklärt Hauser der Gruppe. Je nach Entfernung müsse der Jäger sein Gewehr dann höher oder tiefer halten.

Wie viel die Kinder aus dem Täle schon über Wald und Wild wissen, dürfen sie auch bei Christian Hermann beweisen. Der Jäger hält Zweige und Äste bereit, die die Kinder den Sträuchern und Bäumen zuordnen müssen. Obwohl die kleinen Abenteurer an den Nadeln schnuppern und den Zitronengeruch erkennen, kommen sie nicht auf die richtige Antwort: „Die Douglasie erkennt man am Geruch der Nadeln nach Ingwer und Zitrone“, klärt Hermann seine Lehrlinge auf. Die Fichte, deren Nadeln sich um den ganzen Zweig herum anordnen, unterscheiden sie dafür problemlos von der Tanne. „Man sieht, wer schon mal dabei war“, sagt Hermann zufrieden. Kinder, die bereits einen Tag im Jagdrevier miterlebt hätten, könnten sich vieles merken und gut zuordnen.

Seit acht Jahren bietet der Jagdverein so ein Programm an. Bevor die Kinder beim Stations-Spiel Punkte sammeln, führen die Jäger sie durch den Wald, zeigen ihnen Wildschweinsuhle und Dachsburg sowie Bäume und Sträucher. So könnten die Kinder vieles über die Natur lernen, was Eltern beim Sonntagsspaziergang ihnen eher selten erklären – weil sie es oft selbst nicht wüssten, sagt Wolfgang Hauser. Das Angebot ist so beliebt, dass es jedes Jahr ausgebucht ist. „Kinder, die mehrmals dabei sind, sind schon fast Profis“, lobt der Vereinsvorsitzende.

Auf dem Hochsitz bei Jäger Georg Kölle ist dann nicht nur Schwindelfreiheit gefragt: Durch die Fenster sollen die Kinder wilde Tiere erspähen – die Jäger haben zuvor Präparate am Waldrand und auf der Wiese versteckt. Durch das Fernglas entdecken der achtjährige Simon und sein sechsjähriger Bruder David den Dachs und das Reh. Nur das Wiesel ist zu gut getarnt. Punkte gibt es aber trotzdem, bevor das Jagdhorn die kleinen Hobbyjäger am Mittag zum Wurst-Essen ruft.

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