Inklusion: Zurücklehnen geht nicht

Inklusion ist in aller Munde. So stand auch der Familientag im Schulzentrum Bad Boll zum ersten Mal unter diesem Motto. Viele Besucher informierten sich in Workshops oder tauschten sich untereinander aus.

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Mehr als 30 Experten waren nach Bad Boll gekommen. Für die Organisation des „Familientags“ zum Dachthema Inklusion hatten mehrere soziale Einrichtungen und zwei Schulen aus dem Landkreis gesorgt. Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung ist im Kreis Göppingen schon recht weit verbreitet.

Yvonne Schäufele ist mit ihrem Sohn Patrick ins Schulzentrum nach Bad Boll gekommen, weil sie sich hier über das Thema „Inklusion und Schule“ informieren möchte. Von der Lebenshilfe Göppingen hatte sie die Einladung zum Familientag bekommen. „Es ist gut und wichtig, dass es solche Möglichkeiten gibt. Mein Junge wird nächstes Jahr eingeschult und aufgrund seiner Erkrankung habe ich natürlich Interesse, näheres darüber zu erfahren“, verrät die Uhingerin, während sich ihr aufgeweckter Sohn in der eigens organisierten Kinderbetreuung richtig wohl zu fühlen scheint. Mit weiteren Eltern besuchte die Mutter den „Bungalow“, in dem unter der Woche unterrichtet wird und am Familientag gleich drei unterschiedliche Workshops zum Thema Inklusion und Schule, Kindergarten und Freizeit stattfinden.

Offen und ehrlich berichteten die Leiter der Blumhardtschule und der Heinrich-Schickhardt-Schule in Bad Boll von den Anfängen, Ängsten und auch den Fehlern des hier existierenden inklusiven Schulsystems. Mittlerweile gehöre das gemeinsame Leben und Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung oder Unterstützungsbedarf in Bad Boll seit 16 Jahren zur Normalform, betonen Matthias Bäuerle von der Blumhardtschule und Thomas Schnell von der Heinrich-Schickhardt-Schule.

„Inklusion gibt es allerdings nicht zum Nulltarif. Die Räume müssen passen, die Lehrer bereit sein, mehr Zeit zu investieren und als wichtiges Element im Zwei-Pädagogen-Prinzip eng und intensiv als Team zusammen zu arbeiten“, erklärt Thomas Schnell und ergänzt: „Kein Kopf denkt gleich.“ Die Pädagogen müssten die Bandbreite der Einzigartigkeit ihrer Schützlinge ernst nehmen. Matthias Bäuerle weiß: „Zurücklehnen geht nicht. Die Kinder haben alle unterschiedliche Begabungen. Inklusion ist ein langer Prozess, bei dem man immer wieder dazu lernt“.

So erinnert er sich, dass anfangs Sätze fielen, in denen die Schüler als die „Blöden von der Blumhardtschule“ verunglimpft wurden. Das habe sich aber längst geändert. Unter anderem deshalb, weil es keine Grenze mehr auf dem Hof gebe. Wer Linien ziehe, wecke solche Grabenkämpfe, meint Bäuerle. Es müsse aber miteinander und nicht gegeneinander gehen. Die Einstellung, Vielfalt als Chance zu sehen und zu erleben sei im Bad Boller Schulzentrum über die Jahre stetig gewachsen.

Während sich die Erwachsenen bei Kaffee und Kuchen austauschen konnten oder mit einer der Fachkräfte ins Gespräch kommen konnten, vergnügten sich die jüngeren Besucher mit Spielen bei der Kinderbetreuung, freuten sich an Seifenblasen oder Basteln.

Info: Eingeladen hatten neben den beiden Schulen zudem aus Göppingen das Sozialpädiatrische Zentrum der Klinik am Eichert, die Lebenshilfe, der Verein Ambulante Hilfen, der Elternbeirat der Göppinger Bodelschwinghschule sowie Pro Familia.

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