Initiative sammelt in Kuchen Unterschriften gegen Asylbewerber-Unterkunft

Am Montag soll Landrat Wolff die Unterschriften bekommen, die die Initiative gegen eine große Asylbewerber-Unterkunft in Kuchen gesammelt hat.

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Otto Leonhard Köpf, Sabine Rösch und Sigrid Wiedmann (von links) mit einem Teil der gesammelten Unterschriften vor dem früheren Filba-Baumarkt.  Foto: 

Normalerweise, sagt Otto Leonhard Köpf aus Kuchen, wäre er schon zu Beginn der Sommerferien in Urlaub gefahren und hätte von der ganzen Sache nichts mitbekommen. Im Rathaus liegt ein Baugesuch des Landkreises Göppingen, der das erste und zweite Obergeschoss des früheren Filba-Baumarkts am unteren Ende der Hauptstraße zur Unterkunft für 60 Asylbewerber umbauen will. Die Pläne will das Landratsamt bei einer Informationsveranstaltung am kommenden Mittwoch in der Bahnhofturnhalle vorstellen, am 19. September geht es damit in die öffentliche Gemeinderatssitzung. Die vier unmittelbaren Nachbarn des Baumarkts durften sich das Baugesuch aber schon jetzt ansehen – und bis vergangenen Dienstag Einspruch erheben. „Ein Glück, dass ich zu Hause war“, sagt Köpf, der im Haus hinter dem Baumarkt aufgewachsen ist. Denn Einwände gegen das neue Wohnheim hat nicht nur er. Die „Initiative Hauptstraße 171“ hat 25 Mitglieder und schon „mehrere Hundert“ Unterschriften gegen die Gemeinschaftsunterkunft gesammelt.

Drei Vertreter der Initiative – neben Köpf die Nachbarinnen Sabine Rösch und Sigrid Wiedmann – sind zum Gespräch mit unserer Zeitung an den Ort des Geschehens in Kuchen gekommen. Sie stellen klar, dass sie nichts gegen die Unterbringung von Flüchtlingen haben und die Unterstützung durch rechtsgerichtete Parteien strikt ablehnen. Wer aus einem Krisengebiet geflohen sei, habe Unterstützung verdient.

Andererseits wäre eine große Gemeinschaftsunterkunft an der Hauptstraße (B 10) in Kuchen weder für Flüchtlinge noch für Anwohner gut. Und das nicht nur wegen des dichten Straßenverkehrs, der noch viel mehr ins Stocken komme, wenn Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft auf dem Weg in den Ort jedes Mal den Knopf an der Fußgängerampel drücken. Noch schwerer falle ins Gewicht, dass der Kreis in jedem Raum fünf bis sieben Asylbewerbern unterbringen wolle, sagt Otto Leonhard Köpf. Die Pläne ließen die Belegung mit „60 ständig wechselnden Einzelpersonen“ erkennen, unter denen es wegen der ethnischen Unterschiede sicher immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen werde. Das mache vor allem älteren Leuten Angst.

"Niemandem ist wohl, wenn diese Männer auf einen zukommen"

Das bestätigt Sigrid Wiedmann. Sie habe viele Unterschriften von älteren Damen bekommen, die sich noch selbst versorgen können, obwohl sie auf einen Rollator angewiesen sind. „Wenn einem dann aber fünf oder sechs von diesen Männern auf der Straße entgegenkommen, ist niemandem wohl“, erklärt sie. „Wir unterstellen nicht, dass alle Flüchtlinge kriminell sind, aber es ist eben viel passiert. Die Angst ist da.“

Sabine Rösch plädiert aus diesem Grund dafür, die Asylbewerber nach Herkunftsländern sortiert unterzubringen. Den Wert von Gemeinschaftsunterkünften stellt sie allerdings generell in Frage: „Sammelunterkünfte dienen nicht der Integration, sondern eher der Ausgrenzung.“ Im früheren Baumarkt würden die Asylbewerber wahrscheinlich wie in einem Ghetto leben, in kleineren Wohnungen, die über den Ort verteilt sind, dagegen als Teil der Bevölkerung.

Otto Leonhard Köpf beruft sich auf Statistiken, wenn er bezweifelt, dass Kuchen eine weitere Gemeinschaftsunterkunft braucht. Im Haus in der Hafengasse, das für 30 Asylbewerber eingerichtet sei, würden derzeit nur 23 Flüchtlinge wohnen. Es sei überhaupt immer nur zu zwei Dritteln belegt gewesen, und nun gingen die Flüchtlingszahlen weiter zurück. Gegenüber den Spitzenzeiten weise der Kreis Göppingen den Gemeinden mittlerweile 30 Prozent weniger Asylbewerber zu. Das Argument, die zusätzlichen Plätze würden vorsorglich eingerichtet, lässt Köpf nicht gelten. Wenn es nach dem ginge, was die Politiker sagen, wäre das nicht nötig. „Oder wissen die vielleicht etwas, das sie uns nicht sagen?“

Ihre Bedenken hat die Initiative Landrat Edgar Wolff bereits am 21. August in einem Schreiben mitgeteilt. Zugleich bat sie in einem Brief an die Kuchener Bürger, den ihre Mitglieder in den vergangenen Tagen in rund 2200 Briefkästen im Ort gesteckt haben, um Unterschriften gegen die geplante Gemeinschaftsunterkunft. Die gesammelten Listen will sie am kommenden Montag im Göppinger Landratsamt abgeben. Und dann? „Da wollen wir erst einmal die Informationsveranstaltung am Mittwoch abwarten und die Argumente, die der Landkreis und die Gemeinde haben. Dann werden wir sehen, was für Lösungsansätze sich anbieten.“ Die Initiative sehe sich in ihrem Anliegen bereits durch sehr viele Unterschriften bestätigt, und an diesem Wochenende kämen möglicherweise noch weitere hinzu. „Ich denke, dass der Landrat und die Gemeinde das nicht unbeachtet lassen.“

Info Die Informationsveranstaltung für Kuchener Bürger findet am Mittwoch, 7. September, in der Bahnhofturnhalle statt. Beginn ist um 19 Uhr.

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