100-jährige Angela Müller ist immer für ihre Familie da

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  Als Angela Müller geboren wurde, regierte Kaiser Wilhelm II. 29 Staatsoberhäupter später, feiert sie im Kreise ihrer Familie ein Jahrhundert Leben. Ihre 100 Lenze sieht man ihr nicht an. „Werte wie ein junges Mädchen“, lobt ihr Hausarzt bei jedem Check, worauf die rüstige Jubilarin zu Recht stolz ist.

Gleichwohl war ihr Start ins Leben nicht arglos. Der Erste Weltkrieg war im vollen Gange, als sie am 20. Februar 1917 in dem kleinen Dorf Issel an der Mosel, Stadt Schweich, als Zweitjüngste von elf Kindern das Licht der Welt erblickte. Im Landkreis Trier verbrachte sie rund 85 Jahre ihres Lebens, dort bewirtschafteten ihre Eltern einen Bauernhof, und sie war die gute Seele des einzigen Lebensmittelladens am Ort.

Mit 29 heiratete sie 1946 den neun Jahre älteren Lokführer Johann Müller, der erst wenige Monate zuvor zu Fuß aus der russischen Gefangenschaft geflohen war. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, erinnert sich die Seniorin, die ihrem Naturell entsprechend stets eigenständig und selbstbestimmt auch bei ihrer Hochzeit nicht lange fackelte. In kurzen Abständen vervollständigten die Töchter Marie-Luise, Theresia sowie Elisabeth, heute im Alter zwischen 69 und 64 Jahren, das Glück.

Viel zu früh verlor sie 1972 durch einen Unfall ihren Mann, seit nunmehr 45 Jahren lebt Angela Müller freiwillig und gerne allein. Erst 2002 zog die betagte Dame nach Bad Boll in die Blumhardt-Wohnanlage, dort geht ihr im Alltag eine Betreuerin zur Hand.

Zauberte sie früher gerade nicht ihre wunderbare Rinderbouillon oder Kräuterknödel, war sie unermüdlich mal mit und ohne Strickmaschine am Handarbeiten. Legte Wert auf gute Literatur und Bastei-Romane zur Seite, las ihren acht Enkeln und zwölf Urenkeln Geschichten mit persönlicher Note vor. Lange Zeit war sie gegen das Fernsehen, kümmerte sich lieber um ihren Garten oder ging viel spazieren.

Grundkatholisch erzogen, vertritt sie konstant ihre eigene Meinung, überzeugt durch ihren wachen, kritischen Geist sowie politisches Interesse. „Unsere Mutter ist eine totale Individualistin, war in ihrer Erziehung zwar streng, aber immer gerecht. Hat wenige Freunde, hält Distanz zu den Nachbarn und ließ die Männer immer abblitzen, ambulant ja, aber nicht stationär“, verrät die ebenfalls in der Voralbgemeinde wohnende Marie-Luise Müller-Schäfer und ergänzt: „Aber für ihre Familie war und ist sie immer da, extrem zuverlässig, hilfsbereit und konsequent.“ Sie und ihre entfernt wohnenden Schwestern agieren als Sprachrohr, da die Jubilarin sehr schlecht hört, ansonsten aber recht fit ist.

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