Imker bangen um ihre Bienen

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Wie sind sie über den Winter gekommen? Das ist die bange Frage eines jeden Imkers, wenn er derzeit vor seinen Völkern steht. Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen locken auch die Bienen wieder ins Freie. Auf der Suche nach den ersten Blütenpollen als Nahrung für die bereits beginnende Brut oder nur auf Reinigungsflug, um den angestauten Darm zu entleeren: Die Bienen nutzen gerade jeden warmen Tag, um auszufliegen.

Das gibt dem Imker auch erste Hinweise, wie seine Völker überwintert haben. Reger Flugbetrieb mit Pollen im Gepäck deutet auf starke und gesunde Völker hin, die schon ihren Nachwuchs versorgen. Sehr reger Flugbetrieb ohne Pollentransport sollte den Imker stutzig machen. Hier kann es sein, dass der „Nahrungstransport“ in die falsche Richtung geht. Gerade schwache  Völker, die sich nicht (mehr) wehren können, werden gerne von ihren Nachbarn überfallen und ausgeräubert. Herrscht Ruhe vor dem Flugloch, ist das gar kein gutes Zeichen. Ein Blick in die Kiste bringt dann meist die traurige Gewissheit: Das Volk ist tot.

Erste Umfragen lassen darauf schließen, dass es in diesem Jahr erhöhte Völkerverluste geben wird. Die Ursache liegt wohl weniger am strengen Winter, sondern an seinem vergleichsweise milden Vorgänger. „Dadurch hatten die Völker im vergangenen Frühjahr gute Startbedingungen, die Varroa leider auch“, erläutert  Dr. Uwe Wacker. Der Zweite Vorsitzende des Bezirksbienenzuchtvereins Alb-Lautertal hat im vergangenen Jahr einen außergewöhnlichen Anstieg der Milben beobachtet, die Bienen und Brut ähnlich wie Zecken befallen. Statistiken untermauern Wackers Beobachtungen: Durch den frühen Trachtbeginn haben sich die Milben so stark vermehrt, dass Imker die ersten Völker bereits im Spätsommer und Herbst verloren, berichtete das Fachzentrum für Bienen und Imkerei in Mayen (Nordrhein-Westfalen) im Dezember nach einer Umfrage unter rund 9000 Imkern im Bundesgebiet. Normalerweise wirken sich Varroa-Schäden erst im Winter entscheidend aus, wenn die Bienen immer weniger, die Milben dagegen immer mehr werden. Die Experten in Mayen erwarten daher in diesem Jahr bundesweit Verluste von 16 bis 18 Prozent. Normal sind zehn Prozent.

Neben dem kleinen Blutsauger droht den Völkern aber noch eine weitere Gefahr: Durch die milden Tage im Februar haben die Königinnen wieder begonnen, Eier zu legen. Für die heranwachsende Brut bietet die Natur derzeit aber außer ein paar Pollen von Schneeglöckchen, Krokus, Hasel oder Salweide keine Nahrung. Deshalb sind die Bienen jetzt verstärkt auf ihre eigenen Vorräte angewiesen. Wenn der Imker beim Einfüttern im vergangenen Spätsommer gespart hat, kann sich das jetzt rächen. Zumal es im März wieder deutlich kälter wurde. Da die Bienen für ihre Brut jetzt auch noch mehr heizen müssen als sonst, kann das Futter schnell knapp werden.  Mancher Imker hat sich schon  gefreut, dass sein Volk gut über den Winter gekommen sei – und dann ist es kurz vor Beginn der Blüte „plötzlich“ verhungert.

Blutsauger: Neben schädlichen Umwelteinflüssen etwa durch den Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft ist die Varroa-Milbe der gefährlichste Feind der Honigbiene. Die rund einen Millimeter große Milbe wurde in den 70er Jahren von Asien nach Deutschland eingeschleppt und hat sich seitdem unaufhaltsam vermehrt. Der Parasit befällt Brut und Biene und saugt an ihrem Opfer wie eine Zecke. Die Folge sind verkrüppelte Brut und geschwächte Bienen, die damit auch anfälliger sind für Krankheiten.

Gefahr: Im Frühling und im Sommer, wenn die ­Völker auf 30.000 bis ­­ 40.000 Bienen anwachsen, fällt die Varroa weniger ins Gewicht. Im Herbst und Winter, wenn die Königin aus der Brut geht, kehrt sich das Verhältnis aber um: Die Bienen werden weniger, die Milben dagegen immer mehr.

Bekämpfung: Es gibt mittlerweile zwar recht wirksame Methoden zur Bekämpfung der Varroa, ausgerottet werden konnte der Parasit  bislang aber nicht. Deswegen beginnt der Kampf für Imker und Bienen jedes Jahr aufs Neue... hn

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