Im Repair-Café gibt es viel zu tun

Instandsetzen statt wegwerfen, auch beim vierten Repair-Café in der Uhinger Brunnenstube hatten die Tüftler in toller Atmosphäre viel zu tun.

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  • Diesmal waren vor allem die Technik-Experten gefordert. Besucher brachten allerlei kaputte Föhne, Computer und Fernseher. 1/2
    Diesmal waren vor allem die Technik-Experten gefordert. Besucher brachten allerlei kaputte Föhne, Computer und Fernseher. Foto: 
  • Auch der Wasserkocher tut nicht mehr. 2/2
    Auch der Wasserkocher tut nicht mehr. Foto: 
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Es gibt sie auch beim Uhinger Repair-Café: Menschen, die eine gute halbe Stunde vor der eigentlichen Öffnung da sind: Probieren kann man es ja mal. Und alle haben sie etwas mitgebracht. Hier ein streikendes Haushaltsgerät oder ein Kleidungsstück mit einem Riss, dort ein Erinnerungsstück, das vielleicht mal teuer war und nicht nur deshalb für den Müll zu schade ist. Reparieren statt wegwerfen, das ist der Grund, warum die Synapsen der ehrenamtlichen Bastler, Reparateure und Tüftler rauchen.

Der Jagdinstinkt ist geweckt, die Suche nach dem Fehler kann beginnen. Nicht lange suchen muss Edith Kampffmeyer, mit flinker (Nähmaschinen-)Nadel sind der Hosenboden einer Jeans sowie die Kragennaht am Fleece-Shirt geflickt. An der Anmeldung verteilt Inge Harsch Zettel mit fortlaufenden Nummern, auf denen beispielsweise „Ladegerät defekt, Batterie, 3 Teile“ steht. Hat der Besitzer per Unterschrift die Hausordnung akzeptiert, kann der   „Reparateur“ loslegen.

„Der Laptop will nicht mehr, fährt nicht hoch“, berichtet Monika Benkelmann und schiebt lachend nach: „Aber bitte nicht die Daten löschen, mein Sohn killt mich“. Ein Nicken, ein konzentrierter Blick – Markus Wölfels Zahnrädchen hinter der Stirn nehmen Fahrt auf. Von Anfang an dabei, stellt der Elektro-Ingenieur aus Uhingen immer häufiger fest: „Die Hersteller benutzen ganz bewusst unsägliche Schrauben, dreieckige Kreuzschlitz, da passt kein Schraubenzieher. Man kriegt oft die Geräte nicht auf und wenn, dann lassen sie sich selten zerstörungsfrei öffnen“. Ein großes Ärgernis, das allerdings dem Uhinger nicht den Spaß am Reparieren nimmt: So konnte er beim letzten Mal einen Handy-Besitzer glücklich machen. Das lässt hoffen.

Wenig später erfährt die Mama mit dem Notebook und der Nummer 131 (am Schluss sind es über 170 Abgaben), dass der Computer die Festplatte nicht finde, der Fehler aber unter Umständen mit Hilfe einer Spezial-Software reparierbar sei. Mittlerweile wird an jedem Tisch geschafft, das beliebteste Handwerkzeug: Schraubenzieher, Zange, Lupe sowie „Verstand und Hände“. Und die Besitzer? Die wählen zwischen heimgehen, einkaufen oder am Kaffeetisch mit Gleichgesinnten plaudern. Viele entscheiden sich für Letzteres, verrückt, wie Kaputtes verbindet. Gemütlich ist es im Elektro-Hospital allemal. „Eine sehr gute, kommunikative Sache“, lobt Walter Ries und ergänzt: „Mein Tonband läuft wieder“.

Auch Waltraud und Werner Rommel finden: „Man lernt immer nette Leute kennen“. Neben Zeit und guter Laune hat das Ehepaar noch den Lieblings-Föhn mitgebracht. „Während des Föhnens hat´s plötzlich die Sicherung rausgehauen“, berichtet die Uhingerin vom Schreck in der Morgenstunde. Zum Glück war nur der Kabelstecker verschmort, „wir sollen uns im Baumarkt einen neuen besorgen und dann wiederkommen“, verrät sie.

„Der Wasserkocher mit der Nummer 142 ist fertig“, ruft Werner Lorenz von der Agenda 21, der sich als verantwortlicher Organisator um das ganze Drumherum kümmert und feststellt: „Die Elektriker sind heute sehr gefordert, Bügeleisen, Eismaschine, Kaffeevollautomat, Milchschäumer, Heizlüfter, Toaster, letztes Mal waren wir breiter gefächert, auch Spielzeug aus Holz war dabei“. Neben ihm bringen sich weitere Agenda-Mitglieder wie Ralf Ayrer, Inge und Hermann Harsch, Gerlinde Veil und Walter Zeh ein. Nicht zu vergessen die über zehn gleichfalls ehrenamtlich agierenden Schaffer an den Reparaturtischen und in der Küche.

Im nächsten Moment gehen alle Köpfe in Richtung Eingang. Zwei junge Mädels transportieren einen Fernseher, ein Teil, das man eher selten sieht. „Der geht nicht mehr an und die Garantie ist knapp vorbei“, erklärt Lea Münzinger, die mit ihrer Kusine Anna­bella eigens aus Gingen kommt. Udo Veil nimmt sich das TV-Gerät zur Brust und man sehe und staune, großer Bildschirm ist nicht gleichbedeutend mit vielen Platinen. Flugs hat der studierte Elektro- und Medizintechniker den Übeltäter erkannt: „Es ist das Fernsehkabel, die Kontakte stehen zu weit auseinander. Für zwei bis drei Euro bekommt man ein Neues“. Da hat sich die Fahrt doch gelohnt. Bruno Böhret hat seinen Nass-Trockensauger von Hyla mitgebracht, „das ist ein Höllengerät, schwer zu putzen“, betont er und hofft, dass Hans-Peter Krötz, gleichfalls Medizintechniker, nicht mehr Baustellen als das defekte Netzkabel findet. „Ich komme wieder, habe zu Hause einen Mixer, der bockelet etwas, die Stufen 1 und 2 funktionieren, nur die dritte geht nicht“, berichtet der Ottenbacher, der vom Repair-Café in der Zeitung gelesen hat. Mal schau’n, ob die zwei Stufen seines Mixers noch bis zum 18. November um 14 Uhr durchhalten.

Anfang Das Konzept der Repair-Cafés stammt aus den Niederlanden, das erste fand im Oktober 2009 in Amsterdam statt – in Uhingen gibt es diesen Service seit Februar 2017. Seit 2011 unterstützt die Stiftung „Stichting Repair Café“ lokale Initiativen bei der Einrichtung eines eigenen Reparaturcafés, unter anderem mit Logos und Eintrag in das Ortsverzeichnis auf der zentralen Webseite. Das Konzept hat sich in 30 Ländern verbreitet, in Deutschland findet man in 100 Städten Repair-Cafés. Ziel ist, eine Kultur der Nachhaltigkeit und des gemeinschaftlichen Selbermachens zu fördern.

Bitte Es wird darum gebeten, die reparaturbedürftigen Sachen unbedingt im Ganzen zu bringen. Auseinander gebaute Geräte sind ohne Anleitung schwer zusammen zu bauen.

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