Im Heaven Seven feiern 18-Jährige mit 70-Jährigen zu Livemusik

Mit seiner Kneipe Heaven Seven hat sich Wirt Ralf Knauss einen Traum erfüllt. Für ihn gehört dazu auch, dass regelmäßig Bands auftreten. Doch nur mit Live-Musik bekommt er den Laden nicht voll.

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Ein Bier nach dem anderen zapft er: Ralf Knauss, der Wirt vom Heaven Seven in Donzdorf. Er ermöglicht vielen Musikern Live-Auftritte in seiner Kneipe. Im Hintergrund spielt die Into Heaven Band.  Foto: 

Weizen. Radler. Halbe vom Fass. Die Gäste bestellen hauptsächlich Bier. Runde Pfützen auf dem Holz, der nächste Ärmel saugt eine von ihnen auf. Noch eine Halbe. Vor dem Tresen drängt sich das Publikum. Hinter dem Tresen steht Ralf Knauss. Der Wirt vom Heaven Seven in Donzdorf. Graues T-Shirt, Jeans, in den blonden Haaren Gel. Bekannte begrüßt er mit einem kräftigen Handschlag.

Mit der Kneipe erfüllte sich der heute 45-jährige Göppinger einen Traum und kann davon gut leben, wie er selbst sagt. Er öffnet täglich. Den typischen Stammgast gibt es nicht, 18-Jährige kommen zum Feiern, 70-Jährige zum Sportschauen. Beide Typen sind heute vertreten. Auf der kleinen Bühne spielen Donzdorfer Musiker. Gemeinsam haben sie das "Into Heaven Project" ins Leben gerufen. Alle kennen sich seit Jahren, spielen in dieser Konstellation sonst aber nicht zusammen.

Dieser Abend ist der Auftakt einer Reihe von drei Live-Konzerten. Der erste Durchgang im Herbst sei so gut angekommen, dass sie den Musikertreff wiederholen mussten, erzählt Ulrich Ludmann, der Keyboarder. Der 23-jährige Student mit den lockigen Haaren ist einer von sechs Bandmitgliedern. Die Stammbesetzung lädt bei jedem Termin andere Gäste ein, um ohne Probe einen Konzertabend mit Session-Charakter zu verbringen.

Während des Soundchecks werfen die Jungs von Frisch Auf Tore. Auf dem Flachbild-TV neben den Schnapsflaschen. Michael Sunjo, von allen nur Suni genannt, testet die Mikros so lange, bis alle Einstellungen passen. Eins zwei. Zwei zwei. Ulrich Eitel singt sich mit Pink Floyds "Shine on you crazy Diamond" warm.

Ralf Knauss hatte lange eine Location gesucht, in der Bands live spielen können. Fuhr dafür auch in andere Bundesländer. "Ich habe geschaut, was in den Großstädten in den Kneipen passiert. Von Hamburg bis Düsseldorf war alles dabei." Ob diese Ideen in einer Stadt mit etwa 10.000 Einwohnern funktionieren konnte, war die Frage. Doch der Göppinger legte sich ein Konzept zurecht und zog es durch. 2010 öffnete das Heaven Seven. Der Vertrag des Vormieters wurde nicht verlängert. Knauss riss einiges an Inventar aus der Kneipe heraus, richtete sie ganz nach seiner Vorstellung ein. Hinter der Bühne eine Mönchengladbach-Fahne, an einer anderen Wand Schals von Fuß- und Handballvereinen.

"Ich lasse die Jungs halt spielen", sagt Knauss, der das nächste Bier zapft. Einige junge Musiker hätten bei ihm ihren ersten Auftritt gehabt. Er muss sich kaum darum kümmern, neue Bands zu organisieren. Die meisten kommen von selbst, geben ihre Karte ab und fragen, ob sie spielen dürfen. "Aber nur mit Live-Musik kriege ich das Lokal nicht voll." Deswegen öffnete Knauss den Blick für Neues. Einmal im Monat veranstaltet er eine Motto-Party. Après Ski. Oktoberfest. Cocktailabend. Die Bude bekommt er an solchen Terminen gut voll.

Inzwischen ist die Kneipe dicht zugequalmt. Erster Stock im Gewerbegebiet. Über einem großen Parkplatz eines Supermarkts. Noch hundert Meter weiter an der Hauptstraße sehen auch die Autofahrer die bunten Lichter. Zwei süße Weinschorle: fünf Euro. Die Köpfe der jungen Frauen wippen zur Rockmusik. Ihre Gesichter sind blau. Die Lichtanlage färbt den Raum in Sekundenschnelle in unterschiedliche Töne.

"Manche Gäste kommen mittags um 3 und sitzen nachts um 3 immer noch da. Die haben Ausdauer." Die Idee mit dem Musikertreff hatte Knauss schon lange, ist jedoch selbst kein Musiker. Dann stellte Ulrich Ludmann die Band zusammen und das Projekt nahm seinen Lauf.

Axel Wittlinger von Unicore aus Eislingen singt "Please don't let it go" von HIM. Reißt die Hände nach oben, will klatschen. Doch das Mikrofon rutscht zu ihm über die Halterung, dem Boden entgegen. Der Musiker grinst und singt trotzdem. Steckt das Mikrofon zurück. Knauss erzählt weiter, die Musik übertönt seine Stimme fast. "Zwei Wochen vor der Neueröffnung hatte ich noch keinen Namen für die Kneipe. Aber eine Liste mit Vorschlägen von meiner damaligen Ex-Freundin." Daraus wählte er seinen Favoriten. Die Stammgäste sagen H Sieben. Sportler kommen nach dem Training vorbei, an anderen Tagen hält ein Bus, der vom Skifahren zurückkommt, vor dem Lokal, und 20 Feierwütige stürmen herein. Dann packt er auch mal die Ballermann-CD aus. "Das Personal muss spontan sein." Raustragen müsste man nie jemanden, erzählt Knauss, auch wenn seine Gäste gerne Party machten. Dass junge Frauen gerne Jacky Cola trinken, erstaunte ihn anfangs.

Soundcheck beendet. Bis zum Konzert vergeht noch ein bisschen Zeit mit Musik aus der Anlage. Dann legt die Into Heaven Band los. Suni singt "Walk of Life" von den Dire Straits. Der Raum vibriert. Klatschende Hände, einige Gäste singen laut mit und tanzen. Am Mittwochabend.

LEITARTIKEL: Die Musikszene lebt – von Covern

Zwei weitere Termine

Live-Musik Der nächste Donzdorfer Musikertreff im Heaven Seven, Mozartstraße 33, findet am Donnerstag, 21. April, statt. Danach haben die Gäste am Donnerstag, 12. Mai, noch einmal die Gelegenheit, die Musiker live zu erleben. Die Musik beginnt jeweils um 20.30 Uhr, der Eintritt ist frei.

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