Filstalbahn: Hunderte Züge ausgefallen

Die Landesregierung beantwortet eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Peter Hofelich: In viereinhalb Monaten 258 Zugausfälle auf der Filstalbahn.

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Ja wo bleibt er denn, der Zug? Noch immer klagen Bahnkunden über Zugausfälle und massive Verspätungen im Filstal. Nun gibt es erstmals offizielle Zahlen: In den ersten vier Monaten des Jahres warteten Pendler und Reisende 258 Mal vergeblich.  Foto: 

Zwischen 1. Januar und 14. Mai sind auf der Filstalbahn 258 Züge ausgefallen. Dies geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage des Salacher SPD-Abgeordneten Peter Hofelich hervor. Damit sind nun erstmals Zahlen über das Ausmaß der Zugausfälle bekannt. Die Bahn steht wegen Problemen auf der Strecke seit Monaten in der Kritik – weigert sich aber, die Kunden ähnlich zu entschädigen, wie dies beispielsweise auf der Remsbahn geschehen ist.

„Die Antworten, die ich bekommen habe, lassen mich nur bedingt zufrieden zurück“, sagte Hofelich am Donnerstag. Schließlich sorge die Situation auf der Filstalbahn weiterhin für Ärger. Der Oppositionspolitiker hat nicht nur die Bahn als Schuldigen an der Misere ausgemacht: „Ich glaube schon, dass wir nicht nur ein Problem bei der DB haben, sondern auch beim grün geführten Verkehrsministerium.“

Neun Fragen hat Hofelich an die Landesregierung gerichtet. Katastrophal war die Lage nach dem Fahrplanwechsel im Dezember 2016 geworden. Deshalb wollte der Abgeordnete auch wissen, wie sich seitdem die Pünktlichkeit entwickelt habe. Je nach Richtung und Zuggattung liege die Pünktlichkeit (inklusive der Züge mit bis zu sechs Minuten Verspätung) zwischen 75 und 83 Prozent, antwortet Minister Winfried Hermann. Zum Vergleich: Bundesweit gibt die Bahn den Durchschnitt im Regionalverkehr mit rund 95 Prozent an.

„Welche Verbesserungen sind zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 für den Zugverkehr zwischen Göppingen und Plochingen zu erwarten, insbesondere für den IRE- und IC-Verkehr?“ wollte Hofelich auch wissen – die Antwort kam in drei Teilen. „Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 sind im IRE-Verkehr keine Änderungen geplant“, schreibt der Minister. Bei den Regionalbahnen soll durch Umstellungen im Fahrplan erreicht werden, dass sich Verspätungen des ankommenden Zuges nicht mehr auf die Gegenrichtung übertragen. Sicher ist das aber noch nicht: „Allerdings sind für dieses Konzept noch nicht alle notwendigen Prüfungen durch DB Netz erfolgt.“ Bei den wenigen verbliebenen Intercity-Zügen wird alles beim Alten bleiben: „Bezüglich des IC-Verkehrs sind dem Land keine Änderungen bekannt.“

Hermann verweist aber darauf, dass es bereits zum sogenannten kleinen Fahrplanwechsel am 2. Mai Verbesserungen gegeben habe: Die vor 8 Uhr fahrenden Regionalbahnen verkehrten seitdem bis zu zehn Minuten früher. „Dies trägt zu einem deutlich pünktlicheren Fahrplan bei“, heißt es in der Antwort an Hofelich.

Dies kann die elfjährige Mia Veit, die täglich  mit dem Zug von Eislingen nach Esslingen in die Schule fährt, nicht bestätigen. Am Mittwoch, so berichtet sie, habe sie für die Strecke nach Hause zwei Stunden benötigt. Nach anfänglicher Verspätung sei ihr Zug in Ebersbach stehengeblieben und fuhr dort schließlich wegen technischer Probleme nicht mehr weiter. Dann kam ein weiterer Zug, an dem weder Fahrtziel noch Zugnummer angezeigt wurden. Die Fahrgäste dachten, es sei der Zug nach Ulm – doch es war ein IRE, der nur in Göppingen und Geislingen hielt. Also stieg das Mädchen in Göppingen wieder aus, die Regionalbahn in Richtung Eislingen kam dann irgendwann – mit erneuten 15 Minuten Verspätung. „Nicht nur Erwachsene regen sich auf“, meint Mia Veit.

Hofelich will nun endlich Taten sehen: „Ich fordere den Verkehrsminister auf, zum Dezember eine klare Bilanz der angekündigten Verbesserungen auf der Fils­talbahn zu ziehen. Grün kann die unbefriedigende Lage nicht aussitzen.“ Für den ab 2019 fahrenden Metropolexpress müssten Anlaufschwierigkeiten verhindert werden, „die erneuten Verdruss bringen“.

Infos: Peter Hofelich wollte von der Landesregierung auch wissen, was gegen „unzureichende Fahrgastinformation im Störungsfall auf den Bahnsteigen und in den Zügen“ unternommen wird. In der Antwort heißt es, technische Möglichkeiten seien vorhanden, es sei aber die Frage, wie schnell die notwendigen Informationen eingegeben werden können. Es gebe aber auch eine neue App („Streckenagent“), die über Störungen informiere.

Wünsche: Sind Wünsche der Kommunen bei den Fahrplänen berücksichtigt worden? Antwort: „Im Gegensatz zu anderen Strecken laufen für das Filstal noch umfangreiche Abstimmungen für nötige Anpassungen.“ 

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Kommentare

01.07.2017 18:24 Uhr

Pendleralbtraum Filstalbahn

Es ist inzwischen eine regelrechte Zumutung für die Pendler die Filstalbahn zu nutzen.
Eine stolze Bilanz ist es auch so viele Zugausfälle innerhalb von vier Monaten zu präsentieren.
Für diese vier Monate müssten die Pendler mit vier Monatsbeitraegen Grundentschädigung erhalten
und zusätzlich pro Zugausfall eine Pendlerprämie natürlich auch in harter Währung!!!
Jeder neue Pendleralltag birgt neue Risiken.
Wer einen Arzttermin als Pendler oder einer anderen Verpflichtung nachkommen möchte muss sich echt sehr gut überlegen wann er am Besten dann aufbrechen wird um den Zug seines Vertrauens
zu wählen.
Die Politik und die Bahn schauen untätig zu.
Es kann nicht sein,dass durch Untätigkeit keine neuen Fahrpläne erstellt werden und sonstige weitere Verbesserungen in die Wege geleitet werden.
Die Pendler sind nunmal potentielle Kunden wo die Bahnstrecken am Leben halten.
Ansonsten wird es wieder vermehrt auf den Strassen noch voller werden.

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