Hotelier kritisiert Verband wegen „Posten-Zuschieberei“

|
Die Gastronomie habe ein Imageproblem, kritisiert ein Hotelier aus Auendorf. Foto: Giacinto Carlucci  Foto: 

Schweres Geschütz fährt der Auendorfer Hotelier und Gastronom Andreas Schimak gegen seinen Branchenverband Dehoga auf. In einem als „Brandbrief“ betitelten Schreiben wirft er dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband und dessen Funktionären „billige Posten-Zuschieberei, Selbstbeweihräucherung, kostenintensive Ausflüge“ vor und kommt zu dem Schluss: „Nur am Ruf der Gastronomie wird seit mindestens 20 Jahren rein gar nichts gemacht.“

Schimak betreibt im Bad Ditzenbacher Teilort Auendorf das Hotel und Restaurant Talblick. Ihn treiben dieselben Sorgen um, die auch viele seiner Kollegen haben. Nicht der Mindestlohn sei das Problem, im Gegenteil: „Wer hat denn davor halbwegs qualifizierte Mitarbeiter für diesen Lohn bekommen?“ Am Telefon wird er noch deutlicher: „Wer heute noch 8,50 zahlt, dem ist nicht zu helfen.“

Hauptproblem der Branche sei vielmehr: „Uns bleiben Auszubildende und Mitarbeiter weg.“ Schimak glaubt, auch den Grund dafür zu kennen: „Wir haben ein massives Imageproblem.“ Und genau hier sieht er seinen Verband in der Pflicht. Aber: „Am Ruf der Gastronomie wird seit mindestens 20 Jahren rein gar nichts gemacht“, kritisiert der Auendorfer den Dehoga und wirft dessen Funktionären vor: „Die Realität zeigt, dass ausgerechnet in den Betrieben diverser Dehoga-Vorstände die schlechtesten Arbeitsbedingungen herrschen.“

Schimaks Brief ist mittlerweile bei den Dehoga-Funktionären angekommen. Adressiert hat ihn der Auendorfer an die Kreis-, Landes- und Bundesvorsitzenden des Verbands. Am Donnerstag soll ein Gespräch im Beisein des Landesvorsitzenden stattfinden, berichtet die stellvertretende Kreisvorsitzende Susanne Weißkopf aus Uhingen. Verwundert über die „Heftigkeit des Briefs“ zeigt sich der Dehoga-Kreisvorsitzende Hans-Ulrich Kauderer: „Eines muss ich Herrn Schimak entgegenhalten: Dass er Angebote, die Dehoga macht, noch nie angenommen hat.“ Auch er habe die Möglichkeit, im Verband mitzuarbeiten. Um  Lehrlinge müsse er sich allerdings schon selbst bemühen: „Zu erwarten, dass der Berufsverband die Azubis an die Haustüre schleppt, ist zu weit hergeholt.“

Aber der Dehoga tue einiges für die Rekrutierung des Nachwuchses, betont Kauderer: So beteilige sich der Verband an drei Ausbildungsmessen im Landkreis, die Teilnahme sei für die Gastronomen kostenlos. Auch daran habe Schimak nie teilgenommen. Zudem gebe es den Dehoga-Gastrobus, der bis zu zwei Schulen täglich anfahre – auch im Landkreis Göppingen. 12 bis 14 unterschiedliche Veranstaltungen richte der Kreisverband im Jahr aus – „die Kritik kann ich jetzt so nicht stehenlassen“, sagt Kauderer.

Schimak kritisiert aber vor allem die Qualität der Veranstaltungen: „Nicht einmal die Preisverleihung für die besten Auszubildenden letzte Woche wurde anständig inszeniert. Unser ehemaliger Kochlehrling kam zu tiefst enttäuscht und fassungslos von dieser Veranstaltung zurück.“

Vorsitz Der Kreisvorsitzende des Deutsche Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Hans-Ulrich Kauderer, ist seit vier Jahren im Amt, will es aber niederlegen: „Ich habe sowieso vor, nächstes Jahr meinen Kreisvorsitz abzugeben“, kündigte er gestern an. 

Verband Der Dehoga vertritt nach eigenen Angaben rund 220 000 Mitgliedsbetriebe. In Baden-Württemberg sind es mehr als 12 000.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Täter von Eislingen entschuldigt sich in Abschiedsbrief

Drei Tote in Eislinger Tiefgarage: Der mutmaßliche Täter hat seiner Noch-Ehefrau und deren Freund mit einem Küchenmesser die Kehle durchgeschnitten und sich offenbar durch einen Kopfschuss selbst getötet. Er entschuldigt sich für die Tat in einem Abschiedsbrief. weiter lesen