Heike Baehrens hofft auf gute Wählernoten

Die SPD-Bundestagsabgerodnete Heike Baehrens hofft auf vier weitere Jahre im Parlament. Im Pflegegesetz hat sie ihre Handschrift einbringen können.

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„Für uns ist die Rose ein Türöffner“: Heike Baehrens (l.) versucht mit dem Verschenken der Blumen mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. In Holzhausen ist ihr dies gelungen.  Foto: 

Heike Baehrens lässt sich ihre Stimmung nicht verderben, dabei hätte sie Anlass, Lust und Laune zu verlieren: Mäßiges Wetter, noch schlechtere Umfragewerte für die SPD.  Das Wetter schreckt an diesem frühherbstlichen Tag eher vom Wahlkampf ab. Die Kleidung vom verregneten Vormittag musste die Bundestagsabgeordnete schon wechseln. Der Nachmittag wird dann besser: In Holzhausen bleibt es kühl, aber wenigstens trocken, manchmal scheint sogar die Sonne. „Das ist normal, das gehört dazu, vom Wetter bin ich nicht abhängig.“  Und die Prognosen? „Davon lasse ich mich nicht abschrecken. Ich verfolge die Werte nicht wirklich.“ Sie will weiter für ihre Themen kämpfen. Die Gesundheits- und Sozialexpertin hat noch etwas vor in Berlin. Es gebe gerade in ihrem Themenfeld noch viel zu tun. Sie erhofft sich von den Bürgern wieder ein Mandat. „Ich würde gerne im Gesundheitsausschuss weiter arbeiten.“ Ob sie aber weiter ihre Ziele verfolgen kann, hänge letztlich wesentlich davon ab, wie stark die SPD wird.

Die Abgeordnete setzt darauf, dass die Prognosen nicht das Wahlergebnis sein werden: Da sei noch nichts entschieden. „Wir haben beobachtet, das kann in den letzten Tagen noch kippen.“ Ihrer Ansicht nach wird es für die SPD nicht weiter nach unten gehen. Sie sieht sich in den Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern bestätigt: „Ich bin nach wie vor zuversichtlich.“

Später, in dem Wohngebiet in Holzhausen, scheint ihr Werben um Stimmen zu fruchten. Mit Rose und Broschüre gewappnet geht Baehrens von Haus zu Haus. Eine junge Frau mit Kleinkind kommt ihr schon auf dem Bürgersteig entgegen. Die Frau zeigt sich freundlich interessiert und nimmt die Blume gerne an. Hans-Peter Hartmann vom Ortsverein Uhingen, der Baehrens begleitet, sorgt für den Nachschub an Flora. „Die Rosen sind entscheidend“, erläutert die Abgeordnete zwischen den Häusern. „Es sind interessante Gespräche, weil die Rose die Leute doch öffnet.“

  „Ich bin Heike Baehrens von der SPD“, ist ihre Standardansage. Oft braucht sie den Spruch nicht, sie wird erkannt. Manche Türen bleiben zwar zu, die meisten öffnen sich bereitwillig. Die Bürger nehmen gerne eine Rose entgegen. Manche signalisieren sogar, dass Baehrens ihre Stimme bekommen wird. An einer Haustür wird kurz ein Fachgespräch über die Pflege geführt, anderswo  geht es um einen Wahlkreiskonkurrenten.

„Ich werbe um beide Stimmen“, sagt die Abgeordnete beim Gespräch im Café in Holzhausen. Von der Erststimme erhofft sie sich eine Bestätigung ihrer Arbeit: „Wenn man vier Jahre im Bundestag ist, möchte man von den Bürgerinnen und Bürgern Resonanz bekommen. Das drückt sich in der Erststimme aus. Es ist eine Art Notengebung.“

Nachdem die Stuttgarterin vor vier Jahren im Kreis als Kandidatin Neuland betreten hatte, glaubt sie, bei der zweiten Kandidatur eine gute Bilanz vorweisen zu können. Sie habe viele Gespräche geführt, sei viel unterwegs gewesen. Das habe auch ihr eigenes politisches Meinungsbild geformt.

Sie findet, dass sie viele für den Wahlkreis wichtige Themen aufgenommen und vertreten hat. „Ich bin gespannt, ob dies die Wählerinnen und Wähler auch so sehen.“ In dieser Legislatur­periode seien wichtige Weichenstellungen gelungen. Den Mindestlohn und die Rente nach 45 Beitragsjahren hebt die Politikerin hervor.

Ganz konkret hat sie ihre Handschrift im Gesetz zur ­Stärkung der Pflege hinterlassen. Monika Zeisler, früher Vorsitzende des Stadtseniorenrats Geislingen, hat Baehrens darauf angesprochen, dass dringend etwas für die Kurzzeitpflege von Jüngeren getan werden müsse. Als einer ihrer früheren Mitarbeiter nach einem Motorradunfall beide Arme im Gips hatte, gab es für ihn kein Pflegeangebot, erläutert die Abgeordnete den Bedarf. „Da war eine Lücke.“ Durch Überzeugungsarbeit bei den Kollegen im Gesundheitsausschuss sei es ihr gelungen, einen entsprechenden Passus ins Gesetz zu bringen, obgleich dies im Koalitionsvertrag nicht vorgesehen war. Jetzt gehe es an die Umsetzung des Gesetzes. Baehrens versucht, vor Ort eine Struktur für die Pflege von Jüngeren zu schaffen: „Das gehört zur Wahlkreisarbeit.“

Die 61-Jährige nimmt einen Schluck Milchkaffee, führt konzentriert die Hände zusammen und fährt fort: Das Präventionsgesetz im Gesundheitsbereich, die Stärkung der Teilhabemöglichkeiten von Behinderten am allgemeinen Leben, nennt sie Beispiele von Erfolgen. „Ich denke schon, dass wir in der Großen Koalition wichtige Weichenstellungen erreicht haben.“ Aber es bleibe noch einiges zu tun: „Im Kreis sind etwa 80 Arztpraxen nicht barrierefrei.“

Manche Vorhaben, wie etwa die Solidarrente für Geringverdiener, seien vom Finanzminister blockiert worden, obgleich es im Koalitionsvertrag gestanden habe. „Falls es nicht möglich ist, in der Regierung unsere Ziele zu verfolgen, werden wir in der Opposition die Ziele klar formulieren.“ Dazu gehöre zum Beispiel der Einstieg in die Bürgerversicherung. Auch Beamte sollen die Möglichkeit erhalten, in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln. Zudem müsse das Vergütungssystem für Ärzte reformiert werden.

Heike Baehrens vermutet, dass sich die SPD mit ihren Themen zu breit aufgestellt hat. Sie unterstreicht dies, indem sie ihre Arme ausbreitet. „Die Leute finden ihre Belange nicht.“ Dann führt sie ihre Finger zur Spitze zusammen: „Ich hätte mir gewünscht, sich auf zentrale Zielaussagen zu konzentrieren.“

Heike Baehrens steht hinter dem jüngsten Vorstoß der Fraktionen, die Legislaturperiode des Bundestags auf fünf Jahre zu verlängern. Nach der vergangenen Wahl 2013 dauerte es vier Monate, bis der Bundestag voll arbeitsfähig war. Dann sei das Jahr 2017 von der anstehenden Wahl geprägt gewesen. Da blieben nur drei ganze Jahre für die Parlamentsarbeit. Wenn nur alle fünf Jahre gewählt wird, blieben vier Jahre: „Ich glaube, das täte der Bundespolitik gut.“

Biografie Heike Baehrens wurde am 21. September 1955 in Bevern in Niedersachsen geboren. Sie wird also am Donnerstag 62 Jahre alt.  Sie ist verheiratet mit dem Ingenieur Wolfgang-Dieterich Baehrens. Sie haben zwei erwachsene Töchter und drei Enkelkinder. Nach dem Studium kam sie zusammen mit ­ihrem Mann nach Stuttgart. Baehrens wohnt in Stuttgart-Vaihingen. Sie liest ­gerne, wandert, fährt Rad und nennt sich eine leidenschaftliche Tischtennisspielerin.

Beruf Baehrens hat von 1974 bis 77 Religionspädagogik studiert. Von 2002 bis 2013 war sie im dreiköpfigen Vorstand der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Von 1996 bis 2013 Geschäftsführerin im Diakonischen Werk Württemberg. Seit 2013 ist sie Mitglied des Bundestags.

Politik Baehrens ist seit 1988 in der SPD. Sie war von 1989 bis 1996 Mitglied im Stuttgarter Gemeinderat. Im Bundestag ist sie Mitglied im Gesundheitsausschuss und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales. Auf der SPD-Landesliste rückte sie von Platz 16 im Jahr 2013 auf Platz 13 vor.

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