Historischer Bau im Herzen von Uhingen wird derzeit restauriert

Seit Monaten wird in der ehemaligen Uhinger Schmiede gearbeitet. Der historische Bau aus dem 19. Jahrhundert wird restauriert.

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Bernd Hahnloser hat die Alte Schmiede in Uhingen gekauft und restauriert nun das historische Gebäude. Hahnloser stammt aus Uhingen und kennt die Schiede, seit er ein Kind war.  Foto: 

Die Türe steht offen und schon nutzen zwei ältere Uhinger die Gelegenheit, einen Blick in die ehemalige Schmiede an der Stuttgarter Straße 8 zu werfen: Die Zeit scheint stillgestanden zu sein. Dort hängen akribisch nach Größe und Anwendung geordnet: altes Schmiedewerkzeug, Zangen und Hämmer, Hufeisen und Sägen. Der original alte Lederschurz des zuletzt hier tätigen Schmieds Rapp vermittelt in Einklang mit der rußgeschwärzten Decke sowie dem unveränderten originalen Bodenbelag eindrucksvoll eine lebendige Ausstrahlung.

Bernd Hahnloser hat das Gebäude Ende des vergangenen Jahres vom Sohn des letzten Uhinger Schmieds gekauft und wird sie nun in der nahen Zukunft Stück für Stück restaurieren. Und dies ist wörtlich zu nehmen. Der gebürtige Uhinger ist Bauexperte und hat ein Faible für alte historische Gebäude. Die im ursprünglichen alten Ortskern gelegene Schmiede kennt er von Kind an.

Im Zuge der anstehenden Reparaturarbeiten wird tatsächlich jedes Bauteil genau in Augenschein genommen und danach lösungsorientiert entschieden, wie es gerichtet, ergänzt oder geflickt werden soll. Unterstützt wird er dabei von Nikolaus Giljum. Der Ruheständler half mit, „zunächst“ den Putz von den Ecken des Gebäudes abzuschlagen. Zum Vorschein kamen wunderschön gearbeitete Sandsteinquader. Und weil der 78-Jährige schon dabei war, klopfte er den Putz auch von der übrigen Südwand im Erdgeschoss. Die Klopfarbeiten wurden im Ergebnis in höchstem Maße belohnt. Die nun vollständig freigelegte Südwand im Erdgeschoss ist links aus Sandsteinen und rechts noch mit Lessteinen gemauert und präsentiert sich jetzt den vielen Passanten, die oft stehen bleiben und sich fragen, was in der Schmiede vor sich geht.

Alle losen Steine im Erdgeschoss haben Bernd Hahnloser und Nikolaus Giljum heraus genommen, neu in Mörtel gesetzt und wieder eingemauert. „Zunächst habe ich aber das Dach abgedichtet“, berichtet der Tragwerksplaner, der über ein vielschichtiges Fachwissen und Erfahrung beim „Bauen im Bestand“ verfügt. Aus statischen Gründen musste sogar ein Deckenkamin ausgebaut werden. Insgesamt ist die Gebäudesubstanz aber, trotz eines Leerstands von fast 20 Jahren, noch sehr gut erhalten.

An den Sockelaußenwänden der Alten Schmiede wurden innen alle alten Zementreparaturstellen entfernt. „Der Zement verträgt sich nicht mit dem Sandstein“, weiß der Experte. Die sanierte Esse ist bereits mehrfach angezündet worden. In der Schmiede kann ab sofort wieder geschmiedet werden. Fertig ist der 56-Jährige aber noch lange nicht: Das Obergeschoss sowie der zweigeschossige Dachstock werden zu Büro und Wohnungen ausgebaut. „Sie werden auf der Nordseite zum Berchtoldshof hin mit einer vorgestellten Treppe erschlossen“ – sind dann also ganz getrennt von der Schmiede im Erdgeschoss. Jeweils 80 Quadratmeter groß sind die beiden Einheiten. Auch hier wird die alte Bausubstanz so weit als möglich erhalten. Schöne alte Holzfußböden, Türen und vieles mehr werden der Wohnung oder dem Büro einen ganz besonderen Charme geben“, bestätigt der Diegelsberger.

Die Schmiede dient außerdem dem Uhinger Kunstverein „Atelier Altes Rathaus“ für Workshops. „Bei verkaufsoffenen Sonntagen oder an anderer besonderen Anlässen werden wir in die Schmiede einladen.“

Viele Stunden hat Bernd Hahnloser – auch unterstützt von seinen Söhnen Benny und Timo und ihren Mannschaftskameraden vom Handballteam HAT Uhingen – bereits in die Restaurierung des Gebäudes investiert. Dennoch werden sie auch in Zukunft noch viel weitere Muskelkraft und Arbeit in das historische Bauwerk im Herzen Uhingens stecken müssen.

Die Geschichte der Schmiede

Untersuchung Seit mehr als 500 Jahren wird an der Stelle der heutigen Alten Schmiede geschmiedet. Eine Inschrift über einem Fenster der Alten Schmiede weist die Jahreszahl 1871 auf. Tatsächlich ist die heutige Schmiede viel älter. „Durch eine dendrochronologische Laboruntersuchung wurde nachgewiesen, dass das Gebäude aus dem Jahre 1825 stammt“, betont Bernd Hahnloser. Diese wissenschaftliche Methode bestimmt das exakte Alter von  verwendetem eingebautem Holz.

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