Historische Zeitreise

Ahnenforschung erlebbar gemacht zu bekommen, erfuhren die Zuhörer bei einem Vortrag im Wappensaal des Albwerks in Geislingen. Eine familiengeschichtliche Zeitreise zu den beiden Geislinger Stadtjubiläen.

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Durchforstete Kirchenbücher mit ihren vielfältigen Eintragungen verständlich in heiterem Schwäbisch erlebbar zu machen, dies erfuhren rund 40 geschichtsbewusste Zuhörer bei einem mit großem Applaus bedachten Vortrag am vergangenen Freitagabend im Wappensaal des Albwerks. In einem Powerpoint gestützten 45-minütigen Vortrag hat Willi-Martin Jäger, der Vorsitzende des Arbeitskreises Familien- und Ahnenforschung Geislingen, die Zuhörer auf eine spannende familiengeschichtliche Zeitreise mitgenommen.

Der Gedanke, Kirchenbücher anzulegen und darin kirchliche Handlungen wie Taufen, Eheschließungen und Begräbnisse zu dokumentieren, sei in der evangelischen Kirche in der Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden, erklärte der Referent. Zentrales Thema seines Vortrags waren kirchlich dokumentierte Familienereignisse der einst noch eigenständigen Gemeinde Altenstadt, die damals wie Geislingen nahezu evangelisch geprägt war.

Die zahlreichen Eintragungen aus den Tauf-, Ehe- und Sterberegistern zu erfassen, die ihren Anfang im Jahre 1558 für beide Gemeinden nahmen, sowie daraus die verschiedenartigsten Schlüsse zu ziehen, war für die rund 40 Mitglieder des Geschichtsvereins eine beachtliche Leistung. Diese zeitaufwendige aufschlussreiche Dokumentationsarbeit ist, wie die von insgesamt 40 Gemeinden ebenfalls erstellten, ein wesentlicher Baustein im Sinne der allgemeinen Geschichtsforschung.

So zog Jäger beispielsweise anhand der Eintragungen über die Eheschließungen in Altenstadt Schlüsse auf die Zuwanderung in den Jahren 1559 bis 1900. Bedingt durch Arbeitsmöglichkeiten sei diese mit der zunehmenden Industrialisierung im Jahre 1880 sprunghaft angestiegen.

Viele Arbeitskräfte kamen von der Alb nach Altenstadt, um in der WMF oder MAG ihr Brot zu verdienen, beschreibt der Hobbygeschichtsforscher die damalige Erwerbssituation. Dies habe unter anderem auch zur Eingemeindung von Altenstadt nach Geislingen im Jahr 1912 geführt: Arbeit erhielten die Beschäftigten in Geislingen, das mit den beiden größer werdenden Firmen ein hohes Steueraufkommen hatte. Doch die Kosten für die entsprechende Infrastruktur und neuen Wohnraum für deren Mitarbeiter hatte jedoch das an Bevölkerung zunehmende und immer mehr überschuldete Altenstadt zu tragen.

Namen von Amtsleuten - bis ins Jahr 1773 reichend, von Adeligen, deren Zwillinge in Geislingen geboren und hier getauft wurden, bis hin zu kuriosen Totenbuch-Einträgen, brachte der Autor einiger Publikationen rund um Familiengeschichten der Region aus seinem reichlich bepackten Geschichtskoffer zum Vorschein. 1875 wurden dann Standesämter eingeführt, die hoheitlich die Datenerfassung und Beurkundung übernahmen. Bei der Frage des Referenten an das Publikum, wer denn seine Wurzeln in Altenstadt habe, gingen einige Hände nach oben.

Ein Schmankerl Jägers, dem Ulrich Binder assistierte, waren ihm zugerufene Familiennamen, mit denen er Eintragungen bis in frühe Zeit reichend nachzeichnete und die entsprechende Urkunde auf die Leinwand projizierte. Sollte ein Geislinger oder Altenstädter mehr über die Herkunft seiner Ahnen erfahren wollen, so dürfe er sich gerne an ihn wenden, bot der Hobbygenealoge schmunzelnd an.

Info willi-martin@jaeger-gussenstadt.de

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