Historie spannend erzählt

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Eine Schlüsselszene im  Stück: Graf Ulrich V. von Helfenstein (Mitte) wird überfallen und entführt.  Foto: 

Komplizierte historische Zusammenhänge so auf die Bühne bringen, dass es die Zuschauer packt und mitreißt, ein Stück Geislinger Geschichte lebendig machen und mit dem einen oder anderen Gag für Lacher im Publikum sorgen – das gelang der Theatergruppe Obere Roggenmühle bei den Aufführungen ihres Stücks „Regesta imperii 1372 – Der Fall Helfenstein“. Die Belohnung für die Darsteller: ein volles Haus im Zelt vor der Oberen Roggenmühle und begeisterte Zuschauer, die das Theaterensemble zu Recht mit viel Applaus bedachten.

Die Schauspieler hatten das Stück um den ungeklärten Mord am Grafen Ulrich V. von Helfenstein und die Wirren der Zeit um 1372 bereits vor vier Jahren auf die Bühne gebracht. Nun ging es in die zweite Runde – dieses Mal in überarbeiteter Form: Die Autoren Claus Bisle und Roland Funk haben das Stück zum einen zeitlich gestrafft. Zum anderen gab es heuer gleich zwei Bühnen: die Hauptbühne und eine kleinere im gegenüberliegenden Teil des Zeltes. Die Theatergruppe unter der Regie von Bisle wollte damit  langwierige Kulissenwechsel vermeiden.

Die Zuschauer waren mittendrin im Geschehen, richteten die Blicke von der größeren zur kleineren Bühne und auf die Darsteller, die immer wieder durch die Zuschauerreihen gingen. So auch der Geist des Grafen Ulrich von Helfenstein (Roland Funk), der zu Beginn und am Ende des Stücks in Erscheinung trat. „Wer hat mich gemeuchelt? Einfach ist die Antwort nicht“, sagte er und ging auf den Machtkampf und die Rivalität zwischen den Helfensteinern und Württembergern ein. „Euch geht es doch auch nicht besser, ihr Geislinger und Altenstädter“, rief der Geist den amüsierten Zuschauern zu. Für ein Schmunzeln sorgte auch diese Aussage des Kaisers Karl IV. (Dr. Gerd Kummer): „Es ist nicht Aufgabe der Politik, Menschen glücklich zu machen.“

Doch wer ist der Mörder des Grafen, den man am 12. Mai 1372 in seinem Verlies in Schloss Ramstein mit durchgeschnittenem Hals auf dem Bett liegend fand? Dies ist bis heute nicht bekannt, und so ließ auch die Theatergruppe im Dunkeln, wer den Auftrag gegeben hatte.

Doch der Reihe nach: Die Darsteller erzählten die Geschichte des mächtigen Staatsmannes Graf Ulrich V. (Norbert Barf), der mit seinem Vetter Ulrich VI. (Joachim Jörke) zunächst zu den engsten Vertrauten des Kaisers Karl IV. zählte. Auf Vermittlung des Kaisers heiratete Ulrich V. Maria Kotromanic (Jenny Grünholz) aus dem bosnischen Herzogshaus. Das Paar bekam sieben Kinder und wohnte auf dem Helfenstein. Ulrich war Freund und Förderer der Städte. Der Kaiser ernannte ihn zum „Hauptmann des Landfriedens“, was dessen Gegner, den hohen und niederen Adel sowie den Grafen Eberhard von Württemberg (Arno Braunschmid), aufbrachte. Auf einer Reise wurde Ulrich überfallen und entführt, was die Städte aufbegehren ließ. Sie zogen gegen Graf Eberhard von Württemberg zu Felde, verloren aber die Schlacht. Trotz des bezahlten Lösegelds wurde Ulrich schließlich hinterrücks gemeuchelt.

Respekt für die Darsteller, die zum Teil schwierige Textpassagen wiederzugeben hatten. Sie zeigten sich darüber hinaus spontan und schlagfertig: Bei der Aufführung am Freitagabend prasselte der Regen so stark auf das Zeltdach, dass die Darsteller für kurze Zeit kaum noch zu verstehen waren. „Er meint also…“, sagte Kaiser Karl IV. und unterbrach seinen eigentlichen Text – „… es böte sich eine kleine Pause an“. Das Publikum johlte und applaudierte, während der Kaiser milde lächelnd auf seinem Thron saß und in Seelenruhe wartete, bis der Regen nachließ.

Rollenverteilung Musikalisch begleitet wurden die Aufführungen am Freitag und Samstag von den Stadtratten. In weiteren Rollen spielten: Annerose Arz (Kaiser Karls Ehefrau), David Wachauf (Kaplan Johannes), Karl-Friedrich Birker (Heinrich Besserer), Peter Weible (Heinrich von Laufen), Gustl Leibold (Hans von Klingenberg), Bernd Rudolf (Eglof von Falkenstein), Dorothee Gaisser (Marlene von Scharfenberg), Ursula Brosig (Gertrud Zähringer), Kurt Müller (Petrus, Pestkranker), Bernd Rudolf (Heinrich, Pestkranker), Claus Bisle (Händler, Mörder), Werner Mallock (Mörder), Maximilian Bauer (Hans, Bote) sowie die Kinder Stephanie Seitz, Isabel Seitz, Ruben Wehle und Tabea Wehle. Eine weitere Aufführung gibt es am 20. Oktober in der Rätsche. hei

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