Erstes „Mitfahrbänkle“ im Nassachtal

Für mehr Mobilität sollen jetzt die „Mitfahrbänkle“ im Nassachtal sorgen. Die erste von geplanten acht Bänken wurde nun in Nassachmühle eingeweiht.

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Die rote Bank in Nssachmühle ist ein Signal an die Autofahrer: „Bitte nimm mich mit“.  Foto: 

Es ist 11 Uhr am Donnerstagmorgen in Nassachmühle. Eberhard Hottenroth, der Ortsvorsteher von Nassachtal-Diegelsberg, und Volker Krapf vom Ortschaftsrat zählen auf drei und enthüllen  eine knallrote Holzbank. „Mitfahrbänkle“ nennt sich das Möbelstück, das sich nur wenige Meter von der Bushaltestelle in der Nassachtalstraße entfernt befindet. Das Prinzip der sogenannten Mitfahrbank ist schnell erklärt: Wer auf ihr sitzt, signalisiert vorbeifahrenden Autofahrern „Mitfahrgelegenheit gesucht!“ – eine neue Form des guten alten Trampens also.

„Das Nassachtal ist an seine Umgebung völlig unangebunden. Da kommt keiner vor und keiner zurück“, erklärt Hottenroth. „Wir haben eine relativ schlechte Busanbindung, keinen Bäcker und keinen Metzger“, fährt der Ortsvorsteher fort. Vor allem ältere, nicht mobile Bewohner sollen Schwierigkeiten haben, für Erledigungen oder Arztbesuche aus dem Dorf zu kommen.

Dass so wenige Busse fahren, sei jedoch nicht die Schuld der Stadt Uhingen, es lohne sich einfach nicht, erklärt Hottenroth. „Deshalb haben wir das Problem selbst in die Hand genommen“ Gerade für ältere Menschen, die Zeit zum Warten haben, sei das „Mitfahrbänke“ eine tolle Möglichkeit, von nach A nach B zu kommen, findet Volker Krapf.

Dem einen oder anderen wird beim Gedanken an diese etwas „andere“ Form des Trampens sicher folgendes einfallen: Es heißt doch immer, man soll nicht bei Fremden mitfahren. Dazu haben Krapf und Hottenroth jedoch eine klare Meinung: „Bei der überschaubaren Einwohnerzahl hier kennt so gut wie jeder jeden, zumindest vom Sehen.“ Die Gefahr, bei einem unzuverlässigen Fremden mitzufahren, sei daher sehr gering.

Während der Einweihung übergeben Hans-Peter Herbinger und Jochen Hofele von der Raiffeisenbank Wangen den Initiatoren des „Mitfahrbänkles“ eine Spende in Form eines goldenen Staffelstabes. „Wir finden es toll, dass sich das Dorf mit diesem Projekt selber hilft“, so Herbinger. „Damit sichern die Bewohner die Zukunftsfähigkeit ihres Dorfes“, fährt er fort. Die gespendeten 1000 Euro sollen aus dem Spendentopf des Gewinnsparvereins stammen. „Wir wollen, dass unser Dorf auch Zukunft hat“, betont Ortsvorsteher Hottenroth. Das „Mitfahrbänkle“-Projekt sei dabei erst der Auftakt.

Auch in Zukunft wolle das Dorf durch weitere Projekte zur Verbesserung der Lebensqualität im Nassachtal beitragen. Dafür nehme Nassachmühle auch am Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teil, erzählt Hottenroth. Eines wird damit klar: Das Wir-Gefühl innerhalb der Dorfgemeinschaft, das solche Projekte nun mal erfordern, ist vorhanden.


Neues Konzept Immer mehr Dörfer in Deutschland haben Probleme mit unzureichendem öffentlichem Nahverkehr. Um sich den Alltag zu erleichtern, setzen sich immer mehr Dorfbewohner für Mobilitätskonzepte wie die Mitfahrbank ein.

Erfindung Das Original kommt aus der Eifel, ist türkis und steht seit über zwei Jahren im Kreis Bitburg-Prüm (Rheinland-Pfalz). Mit zwölf Exemplaren hat sich die Mitfahrbank dort als funktionierendes Angebot etabliert.

Zukunftspläne Damit ein Rücktransport möglich ist, sollen im Nassachtal insgesamt acht Mitfahrbänke aufgestellt werden. Folgen sollen zwei in Baiereck, zwei in Diegelsberg, eine in Nassach und eine weitere in Uhingen in der Schorndorfer Straße. ayb

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