Hiltenburg über Bad Ditzenbach faszinierte ein weiteres Mal

Der Sommer der Ver-Führungen lud auf die Hiltenburg ein. Der Sitz der Helfensteiner faszinierte aufs Neue. Kreisarchäologe Dr. Reinhard Rademacher "entführte" in Bronzezeit bis ins Mittelalter.

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Auf die Hiltenburg über Bad Ditzenbach ging es im Rahmen des Sommers der VerFührungen. Das Interesse bei diesen Ausflügen ist ungebrochen - 30 Gäste waren angemeldet, 40 sind gekommen.

Geradezu "frisch gewaschen" präsentierte sich die Hiltenburg in 752 Meter Höhe. Die Regenfälle des Vorabends und am Morgen verhinderten zwar ein Mittelalterspektakel am Tag zuvor, eine mittelalterliche Belebung der Burg fand jedoch trotzdem statt. Die bildhaften Erzählungen von Kreisarchäologe Reinhard Rademacher fesselten die Gäste für gut zwei Stunden.

Der Ruf der Hiltenburg eilte weit hinaus. Die Besucher kamen von Stuttgart, Esslingen, Geislingen und aus Ulm. Gut ausgerüstet starteten die Teilnehmer am Haus des Gastes in Bad Ditzenbach und wurden geführt von Eugen Bosch. In Begleitung von Hütehund "Rico" traf die Gruppe vollzählig nach einer Stunde Marsch auf der Hiltenburg ein.

"Diesmol hanne aufpassa missa, was i sag ", äußerte sich Eugen Bosch in seiner unverwechselbaren Art bei der Ankunft mit Blick auf die Kräuterpädagogin Evi Kletti aus Hohenstadt, die sich auch auf die Hiltenburg entführen ließ. Reinhard Rademacher begrüßte seine Gäste bei traumhafter Aussicht auf das Täle, welche den Wanderer immer wieder aufs Neue fasziniert. Abwärts blickend auf die Straßen und die umliegenden Berge, wurden " gut kontrollierbare Handelswege - Verkehrswege Ulm - Alb - Neckarland ", so der Kreisarchäologe, lebendig. Karawanen mit Eseln, die Wasser auf die Hiltenburg transportierten, um den Wasservorrat der Zisternen zu ergänzen, konnte das geistige Auge des Besuchers gleichfalls gut nachvollziehen. "Wer diesen Berg hatte, der hatte Macht ", erklärte Rademacher die exzellente Lage der Hiltenburg.

Gleichzeitig bot sie der Bevölkerung auch Schutz. Palisaden, Wälle, Gräben und Mauerwerk wurden abgewandert und stets vor Ort erläutert. Die Ringmauer am nordöstlichen Teil der Burg wurde 2012 wieder hergestellt (wir berichteten). Von diesem Bereich, dem "Zwinger", ging es in den Wald hinein. Hier wurden Wege erkundet, die man im Mittelalter benutzte, um zur Burganlage zu gelangen. Neuere Funde der archäologischen Arbeit auf der Hiltenburg führen mittlerweile zurück bis in die Bronzezeit und Spätbronzezeit hin bis zur frühen Keltenzeit, erfuhren die Ausflügler. Ein gefundenes Specksteingefäß deutet auf eine Herkunft aus germanischer Zeit, den späteren Alemannen, hin.

Eine deutliche Kontinuität führt hier bis ins Mittelalter, informierte der Archäologe weiter. Die Hiltenburganlage war sehr groß. Es lebten dort oben zeitweise bis zu 300 Menschen. Autark geführt, hatte man hier jegliches Handwerk vor Ort. Ein trauriges Ereignis in der Geschichte der Hiltenburg ist die Nacht vom 10. November 1516. Damals ging die Burg in Flammen auf. "Es gibt hochinteressante Quellen, die sich spannend wie ein Krimi lesen ", sagte Rademacher zu den Gästen, die auch nach fast zwei Stunden noch ganz aufmerksam zuhörten. Diesem Brand wiederum hat Wiesensteig letztlich sein Schloss zu verdanken, es wurde nach dem Burgbrand gebaut. Ein Wiederaufbau der Burg in Form einer zeitgemäßen Festung wurde zugunsten dieses Schlosses in Wiesensteig verworfen, beschreibt die neueste Broschüre zur Hiltenburg "Geschichte im Turm - 1000 Jahre Hiltenburg". Sie ist erhältlich bei der Gemeinde Bad Ditzenbach.

Nachdem von den "Ver-Führten" noch ein Keller erkundet und anhand von Nahtstellen altes und späteres Gemäuer identifiziert war, führte ein letzter Gang in das Informationszentrum - den "Turm", gelegen im Bergfried des vorderen Schlosses". Dort befindet sich eine Dauerausstellung. Die Rekonstruktion eines Kachelofens aus dem frühen 13. Jahrhundert dürfte dort wohl das besondere Schmuckstück der Ausstellung sein. Im Info-Zentrum wird quasi nochmals belegt, was Rademacher zuvor so anschaulich vermittelt hatte.

Der Abstieg vom Berg führte wieder zurück in die Gegenwart, vorbei an zahlreichen informativen Tafeln, die noch weitere "geistige Wegzehrung" boten. "Uns interessiert die Heimat, im Urlaub schaut man ja auch immer alles an " , so war von den begeisterten Teilnehmern zu hören, die im Rahmen des Sommers der Ver-Führungen gerne ihre Heimat erkunden.

Schon ver-führt?

Angebote: Beim Sommer der Ver-Führungen gibt es unter anderem für diese Veranstaltungen noch freie Plätze:

Heute: Heilkräuterwanderung rund um Bad Überkingen, Parkplatz Ristorante Mediterraneo, Josef Neidhart-Straße 100, 16 Uhr

28. August: Sommerabendspaziergang nach Hürbelsbach, Bühlstraße Skulptur "Arche Noah",

gegenüber dem Edeka-Markt, 17.30 Uhr

29. August: Die Geschichte der Burg Hohenstaufen und der Staufer, Ausstellung "Die Staufer" am Ende der Kaiserbergsteige, 10.30 Uhr - "Raben-Schwarzer Humor, zwischen den Friedhöfen in Hohenstaufen, 18 Uhr

30. August: Reise in fantastische Mikrowelten, Schloss Weißenstein, 14 Uhr

Ausgebucht sind die Betriebsbesichtigungen in der Kunstgießerei Strassacker in Süßen am 28. August und der "Genuss mit Geschichte" in Göppingen.

Anmeldung direkt beim Veranstalter, Infos dazu und zu den einzelnen Angeboten unter www.landkreis-goeppingen.de

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