Heimattage nicht vom Tisch

Der Traum vom Stadtfest verbunden mit Heimattagen ist in Ebersbach zerplatzt. Die Stadt erwägt stattdessen einen Filstal-Tag mit drei Partnern. Mit einem Kommentar von Daniel Grupp.

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Die Enttäuschung über die gescheiterte Bewerbung für die Heimattage fällt in Ebersbach noch einen Tick größer aus als in den Partnerstädten Uhingen, Göppingen und Eislingen. "Es wäre eine Wahnsinns-Plattform für uns gewesen, weil das ganze Land auf uns geschaut hätte", sagte Bürgermeister Sepp Vogler gestern. Das Stadtoberhaupt hatte das Jahr 2020 für die Ausrichtung der Tage angestrebt, um die Veranstaltung mit Feierlichkeiten zum 850-jährigen Bestehen Ebersbachs verbinden zu können. Eine Zusammenlegung der Vorhaben hätte der Stadt Kosten erspart sowie zusätzliche Aufmerksamkeit gebracht. "Vielleicht war der Wunsch für 2020 auch zu konkret und die Bewerbung zu kurzfristig", mutmaßt Vogler.

Umsonst soll der Aufwand aber nicht gewesen sein. Die Oberhäupter der vier Kommunen wollen eine gemeinsame Veranstaltung in kleinerem Format umsetzen. "Wir werden schauen, dass wir unabhängig von der Bewerbung für die Heimattage etwas auf die Beine stellen", sagt Göppingens Oberbürgermeister Guido Till. "Es ist sinnvoll den Gesprächs- und Kooperationsfaden weiterzuführen", bestätigt Sepp Vogler. Laut Bürgermeister Matthias Wittlinger trägt die Idee bislang den Arbeitstitel "Filstal-Tag". In welchem Jahr dieser Tag gefeiert wird, ist noch offen. Frühestens an einem Wochenende 2016 oder 2017, erklärt OB Klaus Heininger. Durch die Bewerbung sei ein Gefühl der Gemeinsamkeit entstanden. Dies soll weiter gestärkt werden, sagt der Eislinger Rathauschef.

Die Stadtoberhäupter wollen das Vorhaben bei einem Treffen in den kommenden Wochen besprechen. Ein Termin für die Zusammenkunft steht laut Matthias Wittlinger noch nicht fest. Der Bürgermeister erinnert daran, dass einem "Filstal-Tag" noch der Gemeinderäte in den vier Kommunen zustimmen müssen.

Er und seine Amtskollegen aus den Nachbarstädten wollen bei der nächsten Ausschreibung der Heimattage wieder einen Anlauf nehmen. "Wir haben aus dem Innenministerium einen Hinweis bekommen, dass wir uns wieder bewerben sollen", berichtet Vogler. "Wenn Sie eine WM verpasst haben, treten sie wieder an - auch wenn sie nicht ins Finale kamen", sagt Guido Till.

Die vier Städte entlang der Fils wollten bei den Heimattagen an ihre gemeinsame Industriegeschichte erinnern und auf ähnliche Herausforderungen blicken. "Die Parallelen haben danach geschrien, dass wir uns gemeinsam bewerben", sagt Guido Till. Göppingen, Eislingen, Uhingen und Ebersbach hätten dabei erstmals an einem Strang gezogen - ein Miteinander, das Till als historisch bezeichnet.

Ein Kommentar von Daniel Grupp: Weiter am Ball bleiben

Heimattage an der Fils, getragen von vier Nachbarstädten, die zusammen gut 100.000 Einwohner repräsentieren: Die Idee schien gut zu sein und wäre ideal aufgegangen, hätten die vier Partnerstädte den Zuschlag für 2020 bekommen, wenn Ebersbach seine erste Erwähnung vor 850 Jahren feiert. Die baden-württembergischen Heimattage hätten gut zum Jubiläum gepasst.

Daraus wurde nichts. Göppingen, Eislingen, Ebersbach und Uhingen sind mit ihrer gemeinsamen Bewerbung nicht nur fürs Jahr 2020 gescheitert, auch für 2019, 2021 und 2022 erhielten andere Städte den Zuschlag. Dabei werden Kooperationen mehrerer Kommunen im Land gewöhnlich gerne gefördert. Dennoch hat es nicht gereicht. Woran lag es? Winnenden hat für 2019 den Zuschlag erhalten, weil dann an den zehn Jahre zurückliegenden Amoklauf erinnert werden soll. Da im Bezirk Tübingen kein Interesse bestand, hätte auch eine zweite Bewerbung aus dem Bezirk Stuttgart erfolgreich sein können. Jedoch: Das Konzept aus dem Filstal war offenbar nicht ausgereift. Das Thema kam sehr plötzlich, weder die Bewerbung noch die Strategie wurden intensiv diskutiert. Alles wirkte wie ein Schnellschuss.

Die vier Städte sollten nun am Ball bleiben, am Konzept feilen, vielleicht kommen sie nach 2022 dran. Ein gemeinsamer Filstaltag kann ein Schritt in die richtige Richtung sein. Jedoch ist davon bisher kaum mehr als der Name bekannt. Auch die Bürger sollten mitreden dürfen. 

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