Hattenhofener sollen alte Öfen umrüsten

In der Hattenhofer Bruckwiesensiedlung heizen viele elektrisch. Die Gemeinde bietet Beratung. Das Interesse ist groß. Aber so einfach ist das nicht.

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Die Gemeinde Hattenhofen war immer schon energiebewusst. Auch damals, als sie in der Bruckwiesen-Siedlung Elektro-Öfen vorschrieb. Weg von den fossilen Brennstoffen, weg von rauchenden Kaminen, lautete die Devise zu Zeiten des Atomstroms. Das war in den 70er Jahren. Das wurde inzwischen korrigiert. Die EVF hat in einem Teil der Siedlung Gas verlegt. Aber noch immer heizen 50 Prozent der Haushalte elektrisch. Jetzt gibt ihnen die Gemeinde Hilfestellung zur Umstellung. Dank eines Zuschussprogramms, das der Bund im Zeichen der Energiewende gewährt. Das findet ein großes Echo. Etwa 100 Bruckwiesen-Bewohner kamen zu einem ersten Informationsabend, knapp die Hälfte auch zu einem zweiten, bei dem es gezielt um die Heizung ging.

Aber schnell wird klar: "Den Königsweg gibt es nicht", erklärt Timm Engelhardt von der Energieagentur des Landkreises. Denn jedes Haus ist anders, mit Einzelöfen oder Zentralheizung. Es gibt einen Leidensdruck. Engelhardt fragte, wie viele der Anwesenden 200 Euro Stromkosten für Heizung im Monat haben. Es sind viele. Die Stromkosten werden noch weiter steigen. Bürgermeister Jochen Reutter findet die Elektroheizung ineffizient. "Mit Kohle wird Strom produziert und daraus wieder Wärme erzeugt." Als Klimabündnisgemeinde fühlt sich Hattenhofen berufen, den alten Irrtum zu korrigieren.

Andererseits: Viele Hausbesitzer sind ältere Semester. Sollen sie da noch die Heizung umrüsten? Unter den Zuhörern ist eine Frau mit 70, die sich eigentlich schon dagegen entschieden hat. Ihre Erben werden das Haus verkaufen. Da will sie nicht mehr groß investieren. Aber es gibt auch den grauhaarigen Herrn, der sich lebhaft für die Wärmepumpe interessiert. Die holt Energie aus der Umwelt.

Passt das für ihn? Er bräuchte eine Fußboden-Heizung, die hat eine niedere Vorlauftemperatur. Bei Heizkörpern wird es schwierig, räumt Bodo von Schmoller ein. Er ist als Energieberater hier, hat aber auch ein Geschäftsinteresse. Er ist Niederlassungsleiter einer Firma, die für regenerative Energiekonzepte steht. Eines seiner Schlager: die Wärmepumpe plus Fotovoltaik. Dann produziert der Hausbesitzer selber Strom für die Wärmepumpe und den Haushalt. Einen Teil mindestens. Die Fotovoltaik amortisiere sich in neun bis zwölf Jahren, sagt von Schmoller.

Fußbodenheizung hätten aber nur wenige in der Bruckwiesen-Siedlung. Bei der Wärmepumpe muss man auch aufpassen, dass das Geräusch den Nachbarn nicht stört. Bürgermeister Reutter kennt diesen "gewissen Konflikt". "Man muss sich sehr gut beraten lassen."

Holzheizung ginge auch. Von Schmoller stellt Pellet-Öfen vor, mit Strahlungswärme, "sehr angenehm". Ein Zuhörer bestätigt: "Eine tolle Sache." Es gibt die Pelletofen luft- oder wassergeführt. Oder Pelletheizungen die sich mit Solarthermie kombinieren lassen. Zuschüsse winken. Aber auch da ist wieder die Geldfrage. Von Schmoller empfiehlt: "Holen Sie mehrere Angebote und Konzepte ein." Und: "Wer früher umsteigt, fängt früher an zu sparen." Die EVF ist auch aufgesprungen. Sie sondiert, ihr Gasnetz in den Bruckwiesen auszudehnen. Bewohner werden angeschrieben. Was dabei herauskommt - man wird sehen. Die ganzen Gebäude- und Heizungschecks laufen erst noch, sagt Reutter. Er habe schon die Hoffnung, "dass der eine oder andere umstellt".

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