Hattenhofen erhält den European Energy Award

Neue Weihen für die Klimabündnisgemeinde Hattenhofen: Sie erhält am Dienstag den European Energy Award für ihre Leistungen beim Energiesparen und Umweltschutz - als erste im Landkreis.

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Nicht nur ein schmuckes Rathaus, sondern auch mit Nahwärme beheizt: Die Klimabündnisgemeinde Hattenhofen wird mit dem European Energy Award ausgezeichnet.  Foto: 

Der Hattenhofer Gemeinderat hält es mit dem Motto "mehr Sein als Schein". So debattierte er vor drei Jahren erst einmal, was es bringe, alle bisherigen Bemühungen fürs Energiesparen und den Umweltschutz erfassen und bewerten zu lassen, um dann vielleicht ein Zertifikat zu bekommen. Aber dann ließen sich die Räte doch darauf ein. Weil ja auch der Nutzen winkte: man wisse dann, wo man stehe. Das ist jetzt heraus: Mit 62 Punkten sprang Hattenhofen locker über die Hürde von 50 Punkten und kann schon die 75 Punkte in den Blick nehmen, die für den Award in Gold reichen. Dickes Lob zollt der fachliche Betreuer Uwe Schelling von der Energie-Agentur Rems-Murr: "Das habe ich so in einer Kommune noch nicht erlebt."

Die Anfänge reichen 30 und 40 Jahre zurück. In die Zeit, als Bürgermeister Peter Klass Hattenhofen eine ökologische Ausrichtung gab. Die Gemeinde bekam die erste ökologische Flurbereinigung im ganzen Land, Streuobstwiesen wurden gefördert und Lebensräume mit einer Biotopvernetzung geschaffen. Der Geist von Rio erreichte Hattenhofen. 1993 trat die Voralbgemeinde dem Bündnis Alianza del Clima bei. Es war der Startschuss für ein Niedrigenergiewohngebiet und ein Nahwärmenetz im Sommergarten. Die Straßenbeleuchtung wurde auf stromsparende Natriumdampflampen umgestellt, die Gemeinde gab Zuschüsse für Solaranlagen und Zisternen, kostenlose Energieberatung wurde angeboten.

Stromsparen, Wärmedämmung, Blockheizkraftwerke: Gemeindegebäude wurden energetisch saniert, zuletzt die Stromheizung aus dem Rathaus verbannt. Auf der Agenda steht noch der Altbau der Schule. Energieverbräuche der Gebäude werden seit Jahren erfasst, was im Raum Bad Boll Standard ist. Aus einem wurden drei Nahwärmenetze: für das DRK-Seniorenzentrum mit Sillerhalle und Schule, für das Bürgerhaus Farrenstall mit Rathaus und dem "Besonderen Haus".

Die Bürgerschaft wurde fürs Energiesparen mobilisiert. 1998 rief Hattenhofen zum "Stromsparlotto" auf, eine Idee der "Energierebellen" in Schönau. Preise gab's für die größten Stromsparer. Zehn bis 15 haben mitgemacht, erinnert sich Hauptamtleiter Norbert Baar, der in in dieser Zeit einen Vortrag beim Klimabündnis in Stuttgart hielt. Vor Jahren folgte eine Kampagne für den Austausch von Heizungspumpen. Die Gemeinde engagiert sich für die Gesundheitstage in Pliensbach, für Gesundheitsaktivitäten und anderes bekam sie Auszeichnungen vom Klimabündnis. 2005 gab sie den Anstoß zur Gemeinschaftssolaranlage auf dem Dach der Schule, an der sie beteiligt ist. Kleine Besonderheit: im Graubachtal stehen zwei Solar-Straßenlampen.

Auch die gute Absicht zählt. Das geplatzte EU-Leuchtturmprojekt für regenerative Energien im Voralbgebiet brachte ebenso wie das E-Bürgerbus-Projekt ein paar Pünktchen, sagt Baar. Weil die Gemeinde sich dafür einsetzte. Bürgermeister Jochen Reutter tat dies auch als Verbandsvorsitzender.

Hattenhofen bleibt dran. Eine Agenda für den Award in Gold steht schon. Eben jetzt will der Gemeinderat die Abwärme der Blockheizkraftwerke nutzen. Vielleicht gelinge dies auch noch für Abwärme der Biogasanlage am Ort, hofft Baar. "Das ist ein Stachel im Fleisch." Zerschlagen hat sich dagegen der Anschluss des Kindergartens ans Nahwärmenetz.

Hattenhofen ist einsame Spitze beim Energy Award im Kreis. Rechberghausen hat sich auf den Weg gemacht, der Kreis peilt das an. Zum Vergleich: Ludwigsburg, Ulm, Waiblingen und Kornwestheim sind zertifiziert, ebenso der Alb-Donau-Kreis und der Kreis Reutlingen.

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