Harte Jungs gewinnen den 24-Stunden-Hindernislauf

Das Team „Fit/One Getting Tough“ hat den 24-stündigen Wettkampf in Uhingen gewonnen. Die Tortur lockte viele Zuschauer in die Stadt an der Fils.

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Ein gebrochener Fuß in der ersten Runde, eine Verlobung um zehn Uhr nachts in der Fils und ein Mann, der für seine drei erschöpften und verletzten Teamkollegen fast 30 Kilometer am Stück rennt – der 24 Stunden lange Hindernislauf in Uhingen am Samstag und Sonntag darf mit Fug und Recht das Attribut außergewöhnlich für sich beanspruchen. Das kräftezehrende Wettrennen über anfangs 13 und später elf Hindernisse in jeder 2,2 Kilometer langen Rund gewann das Team „Fit/One Getting Tough“. Als zweites und drittes kamen ein Team der Polizei sowie die Männer von „Never give up“ am Sonntag um 16 Uhr ins Ziel.

Die Gestalten, die um diese Uhrzeit die letzten Meter zurücklegten, hatten äußerlich nichts mehr gemein mit jenen Männern und Frauen, die einen Tag zuvor gestartet waren. Die Haut mit Dreck bedeckt, die Kleidung nass und vom Schlamm verkrustet, kamen sie beim Ausgangs- und Endpunkt des Hindernislaufs am Uditorium an. „Die Fils und der mit Wasser gefüllte Container waren am unangenehmsten“, berichtete ein Mitglied des Frauenteams der Polizei. Beim Waten durch den Fluss und durch den großen Behälter saugten sich die Schuhe voll und erschwerten das Laufen. Die junge Frau, die aus beruflichen Gründen ihren Namen nicht verraten will, war noch nie zuvor bei einem Hindernislauf gestartet. Doch trotz der Widrigkeiten und der Anstrengung, kann sie sich vorstellen, einmal wieder bei einem ähnlichen Wettkampf mitzumachen. „Ich hab’ es mir nicht so hart vorgestellt, aber es hat Spaß gemacht“, sagte sie.

Die Nässe, aber auch die Kälte setzen einem anderen Läufer zu. „Die Nacht war am Schlimmsten“, fand Michael Dressler aus dem Team „Molon labe“. Nach Einbruch der Dunkelheit sei es nass und kalt geworden, sodass er mit Jacke habe laufen müssen. In diesen Stunden, in denen ihm das Durchhalten schwer gefallen sei, habe ihn der Applaus der Zuschauer bei der Stange gehalten.

Die Tücken des Wettkampfs forderten bereits in der ersten Runde ihren Tribut. Ein Läufer aus dem „Team X“ war auf der Strecke umgeknickt und hatte sich den Fuß gebrochen. Sein Team machte zu dritt weiter, verlor aber in den folgenden Stunden ein weiteres Mitglied. „Die letzten zwölf Stunden liefen sie zu zweit“, berichtet der sportliche Leiter des Hindernislaufs, Björn Hahn. Er glaubt, dass sich Thomas Maselli vom „Team X“ irgendwann in dieser Zeit entschied, „so viele Runden wie möglich zu ballern“. Diesen Vorsatz sollte der Mann einlösen: Insgesamt 42 Runden lief Maselli für sein Team – und die letzten 18 davon am Stück, weil auch der dritte Kamerad aufgeben musste.

Federn ließ bei dem Hindernislauf nicht nur das „Team X“. „Ein Team fiel aus und zwei gaben auf“, sagte Hahn. Insgesamt seien 36 Teams angemeldet gewesen und 33 letztendlich gestartet. Außer dem Fußbruch soll sich keiner der Athleten schlimmer verletzt haben. Die weitgehende Unversehrtheit der Teilnehmer schreibt Hahn auch dem Organisationsteam zu, das Hindernisse wie Strickleitern und eine Netzpyramide rechtzeitig gesperrt habe, weil sie nachts wegen Nässe und Dunkelheit zu gefährlich wurden. Zudem sei er in der Nacht etwa jede halbe Stunde durch die Tiefgarage gelaufen und habe die Sportler gefragt, wie es ihnen geht und ob etwas geändert werden müsse.

Den Besuchern schien die Tortur über Stock und Stein besser gefallen zu haben als die reinen  24-stündigen Ausdauerläufe der vergangenen Jahre. „Bis halb drei nachts waren Leute an der Stecke“, berichtete Hahn. Einen ähnlichen Eindruck gewann Rainer Frey. „Es war von Beginn an Klasse“, sagt der Vorsitzende des örtlichen Handels- und Gewerbevereins, der den Wettkampf mit ausrichtete. Bereits beim Start am Samstag seien rund 200 Zuschauer auf der Brücke über die Fils gestanden und an den Ständen und in dem Festzelt beim Uditorium sei bis spät in die Nacht etwas los gewesen. „Es hat unsere Erwartungen sogar übertroffen“, sagte sich auch Bürgermeister Matthias Wittlinger.

Noch mehr Menschen als am Samstag zog es am Sonntag nach Uhingen. Ein Grund für den Zustrom war der Hindernislauf,  der an beiden Tagen bei gutem Wetter über die Bühne ging. Zudem fand der verkaufsoffene Sonntag statt, an dem die Geschäfte in der Stadt offen hatten und zusätzlich viele Vereine oder Einrichtungen Essen verkauften oder andere Dinge anboten, um den Besuchern die Zeit zu vertreiben.

Der gelungene Wettkampf macht eine neue Auflage des Hindernislaufs im kommenden Jahr wahrscheinlich – auch wenn die Vorbereitungen Bürgermeister Wittlinger „zig schlaflose Nächte bereitet haben“. Eine schlaflose Nacht erlebten an diesem Wochenende auch die Hindernisläufer Lena Geray und Johannes Schieren: Sie lösten nicht nur ihre Teamkameraden ab, sondern entschieden sich Samstagnacht auch für eine gemeinsame Zukunft: Die beiden Sportler verlobten sich in der Fils.

Mission: 15.000 Euro kommen durch den Hindernislauf gemeinnützigen und sportlichen Zecken zugute. 6000 Euro davon gehen an das Projekt „Gute Taten“ von der NWZ, 4000 Euro bekommt die Stadt Uhingen für soziale Vorhaben, jeweils 1500 Euro der Hilfsdienst der Malteser und die Deutsche Lebens-Retter-Gesellschaft sowie 1000 Euro die Leichtathletik im Kreis. Die Gesamtsumme kam zustande. indem zehn örtliche Firmen einen Euro pro gelaufenem Kilometer spendeten genau wie die Sparda-Bank, die den Betrag aufrundete. Insgesamt liefen die Athleten rund 6300 Kilometer.

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24h Hindernislauf in Uhingen

24-Stunden-Hindernislauf am Samstag und Sonntag in Uhingen.

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24-Stunden-Hindernislauf

Am 23. und 24. September kämpften in Uhingen die Teams beim 24-Stunden-Hindernislauf durch die Innenstadt um den Sieg.

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