Pizzabote schlägt zurück – Haftstrafen für Angreifer

Zwei Angreifer wollten im Februar einen Pizzaboten in Eislingen ausrauben: Am Dienstag standen sie nun vor dem Ulmer Landgericht.

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„Wir haben beide festgestellt, dass wir kein Geld mehr hatten“, meint die 21-jährige Eislingerin, die mit ihrem heute 24-jährigen besten Freund auf der Anklagebank sitzt. Wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes mit gefährlicher Körperverletzung mussten sich die beiden am Dienstag vor der dritten Großen Strafkammer des Ulmer Landgerichts verantworten. Anfang Februar überfielen sie einen 55-jährigen Pizzaboten, der sich seinen Geldbeutel mit knapp 500 Euro Inhalt aber zurückholte.

Die Tat gaben sie zu. „Wir hatten nichts mehr zu trinken, essen oder zu rauchen“, sagte die Angeklagte. Im Laufe des Prozesses stellte sich heraus, dass beide Schulden haben. „Es war nicht mehr so einfach meinen Vater nach Geld zu fragen.“ Der Überfall auf einen Pizzaboten sei seine Idee gewesen, erzählt ihr Freund. Unter falschem Namen habe die 21-Jährige in Göppingen eine Pizza nach Eislingen bestellt.

„Ich hab gesehen, dass er kräftig gebaut und ein starker Mann ist“, erzählt der Angeklagte. Planmäßig sollte der Schlagstock nur einschüchtern. Aber dann schlug er damit von hinten gegen den Kniebereich des Opfers, als es nach der Ankunft die Pizza samt Geldbeutel aus dem Auto nehmen wollte. „Mach keinen Fehler. Du bist zur falschen Zeit am falschen Ort“, hatte der 24-Jährige zu dem Boten gesagt. Aber der kampfsporterfahrene Mann wehrte sich: „Es war mein erster Tag. Mir hätte keiner geglaubt, dass ich überfallen wurde.“ Zunächst ging er auf die Frau los, weil sie für ihn die größere Bedrohung gewesen sei. Sie habe aber nicht zugeschlagen. „Ich habe nicht gewusst, dass es ein Mädle ist. Man konnte nichts erkennen. Alles war dunkel und sie hat auch nichts geredet. Außerdem war sie vermummt.“

Gekämpft hatte er nur gegen den Schläger, nachdem dieser mit dem Geldbeutel geflüchtet war. Der Pizzabote verfolgte ihn mit dem Auto, schnitt ihm den Weg ab und stürzte sich auf ihn. Dabei brachen sich beide mehrere Knochen. Das Opfer wurde operiert, kann die rechte Hand bis heute  noch nicht richtig benutzen. Die Arme des Täters wurden nicht operiert, waren aber mehrere Wochen eingegipst.

Schriftlich entschuldigten sich beide bei dem Boten, wobei dieser bisher nur die Entschuldigung der Frau annahm. Diese entschuldigte sich vor Gericht nochmal persönlich. Von beiden erhält der Bote Schmerzensgeld.

Das Gericht entschied, dass die Täterin für zwei Jahre und neun Monate in Haft muss – ihr Freund für drei Jahre und drei Monate. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Tresenreiter begründete die unterschiedliche Strafdauer unter anderem damit, weil es nicht weiter geplant war, das Opfer zu verletzen. Daher könne man die Verletzungen, die dem Pizzaboten nach ihrer Flucht und während der Auseinandersetzung mit dem 24-Jährigen entstanden, nicht der 21-Jährigen anrechnen.

Bis Dienstag kann Revision eingelegt werden. Rechtsanwalt Rudi Mannl und seine Mandantin entschlossen sich, aber dazu die Strafe direkt anzutreten. Der 24-Jährige äußerte sich mit seinem Verteidiger nicht dazu.

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