Hacker im Gemeindehaus

Mit einem Film über Hacker und Waffenexporte hat das junge Filmteam der evangelischen Jugendarbeit in Heiningen Furore gemacht. Viel Arbeit steckt hinter dem Projekt, das auf Anhieb einen Preis errang.

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Drehtage in Heiningen. Der Jugendraum im ökumenischen Gemeindehaus wird zur Hacker-Höhle, in der die "Headquarters" in einem Hacker-Wettbewerb antreten. Noch ist es ein harmloser Nervenkitzel, wie sie die gegnerischen "Antinerds" schlagen. Plötzlich geht es um mehr: Eine Firma soll gehackt werden, das erhöht die Schwierigkeit. Im "Amadeus" treffen sie sich mit einem "Daten-Dealer". Und kaum dringen sie in das Netz einer Waffenfirma ein, werden sie auch schon gejagt. Tatort Heiningen: Im Durchgang der Pfarrscheuer wird der Dealer umgelegt.

Dreh im Pfarrgarten. Dort finden die Hacker eine Hippie-Frau, die märchenhafterweise ein Hacker-Zelt aufgestellt hat. Und jetzt erfahren sie, warum ihnen Killer auf den Fersen sind: es geht um illegale Waffenexporte in eine Krisenregion. Die Gangster jagen sie auf dem Breitenstein, auf dem Kornberg und an der B 10 bei Süßen.

Einen Actionfilm wollten sie machen, die drei Gründungsmitglieder Fabian Hick (14), Hosea Hauff (17) und Christopher Krall (17). Hick hatte Pfarrer Reinhard Hauff noch als Konfirmand mit einem kleinen Film über Mobbing in der Schule zur Gründung einer Videogruppe inspiriert, Pfarrersohn Hosea Hauff kann sich das Filmen als berufliche Perspektive vorstellen und Christopher Krall aus Dürnau ist ein Mann für die Technik. Okay, sagte der Pfarrer zum Actionfilm, "wenn ihr Inhalte reinpackt". Das taten sie dann reichlich. Das Thema Waffenexporte war gerade aktuell und Hosea Hauff arbeitete ein Drehbuch aus.

In Heiningen haben sie Flyer verteilt, um Mitstreiter zu finden. Das war dann genau einer: Simon Ehrcke (15), der den "Dealer" spielen sollte und das "schon toll" findet. "Der Dealer hat die Macht in den Händen, er hat die Daten." Hacker-Darsteller fanden sich dann übers Internet. Ein Aufruf erbrachte 80 Interessenten aus ganz Deutschland und noch darüber hinaus. Viele wurden gecastet, was bei solchen Entfernungen über Skype erfolgte. Dafür musste extra eine Leitung durchs Gemeindehaus gelegt werden. So kamen dann Bewerber aus Stuttgart, Rastatt und München zum Zug. Der Großteil des gesamten Teams von 20 Leuten stammt aber schon aus Heiningen und der Region, sagt Fabian Hick.

Hindernisse mussten überwunden werden

Aber dann böse Überraschungen. Der Hauptdarsteller sagte kurzfristig ab, und ein weiterer erschien einfach nicht. Für ersteren sprang Hoseas Bruder Dominic ein, und die andere Rolle wurde kurzerhand auf ein Mädchen umgeschrieben. Visagistin Mara Lang füllte die Lücke. Eine Panne kam gleich noch dazu. Der Dreh im Werner-Heisenberg-Gymnasium ging schief, weil der Ton nicht mitlief und sich die Szene so nicht wiederholen ließ - es war der letzte Schultag vor den Sommerferien.

Die Besetzung der Schurken war schnell geklärt. Pfarrer Hauff schlüpfte in die Rolle eines ballernden Gangsters und gewann mit einem Anruf Bürgermeister Aufrecht als Komplizen. "Wie wir da in Heiningen mit gegeltem Haar und Sonnenbrille vor der Kamera standen, erregte Heiterkeit."

Zwölf Tage haben sie gedreht, von morgens bis abends, auch mal nachts und am Wochenende - Zeitdruck saß ihnen immer im Nacken. Vieles musste dann nachbearbeitet werden. Die Computerfreaks bastelten die Hacker-Simulationen am Bildschirm - auch mit fantasievollen Zutaten, wie sie sagen. Fabian Hick verhalf den Filmhelden zu ihrem Energydrink "Nerdpower": Er hat den Dosenaufdruck entworfen. Kirchengemeinderat Wolfgang Maier, der selbst schon Filme gedreht hat und als Statist mitwirkte, lobt die professionelle Arbeit. Apropos Statisten: Von denen hatte man zu wenig, so dass zwei Szenen gestrichen werden mussten.

Viel Erfahrung haben die Jungfilmer gesammelt, eine Feuertaufe war's speziell für den Ad-Hoc-Hauptdarsteller Dominic Hauff, und der Manfred-Müller-Preis für befreiende Jugendbildungsarbeit beflügelt sie. Ein zweites Filmprojekt ist für 2017 angedacht.

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