Gutachter wirft Landesdenkmalschutzamt Lügnerei vor

Der Denkmalschutzgutachter, der im Falle des geplanten Windparks GP-03 prüfte, erhebt schwere Vorwürfe gegen das Landesdenkmalschutzamt. Deren Vorgehen sei unprofessionell.

|
So sieht die Visualisierung im von der Gemeinde in Auftrag ge­gebenen Denkmalschutzgutachten aus.  Foto: 

Bei der Planung von vier Windkraftanlagen im Vorranggebiet GP-03 hat der Gutachter der Gemeinde Adelberg, der in Hamburg ansässige Dr. Geerd Dahms, dem Landesdenkmalschutzamt in Stuttgart mangelnde Professionalität, Fahrlässigkeit, grobe fachliche Fehler und Lügnerei vorgeworfen.

Konkret geht es in diesem speziellen Fall um das Zielabweichungsverfahren für Windräder zwischen Oberberken und Wangen auf dem einstigen Militär­depot.

Adelberg wehrt sich gegen diese Anlagen, weil durch sie das Denkmal Kloster Adelberg massiv in Mitleidenschaft gezogen werde. Um dies zu untermauern, wurde Geerd Dahms mit einem Denkmalgutachten beauftragt, dessen Ergebnis allerdings von der Denkmalschutzbehörde angezweifelt wird – und zwar in einer Art und Weise, dass sich der Gutachter in seiner professionellen Ehre angegriffen fühlt und mit einer ungewöhnlichen scharfen Replik reagierte. Diese las Carmen Marquardt in der jüngsten Gemeinderatsitzung den Kommunalpolitikern vor. Im Detail geht es um die Visualisierung der Windkraftanlagen, also um Bilder, auf denen die Anlagen nachträglich eingefügt sind, um auf diese Weise darzustellen, wie sie nach dem Bau in der Landschaft wirken.

Auf den vom Betreiberkonsortium beim Landratsamt eingereichten Visualisierungen sind keine Windräder erkennbar. Auf denen, die Dahms als Grundlage für seine Expertise dienten, sehr wohl. Dafür warf die Denkmalschutzbehörde den Erstellern dieser Darstellungen vor, nicht den gleichen Blickwinkel wie die Antragssteller benutzt zu haben. Dahms reagierte: „Eine unwahre Behauptung.“ Gleichzeitig bemängelt er, dass bei den zugrunde gelegten Fotos, die bei den Aufnahmen eingesetzte Objektiv-Brennweite nicht angegeben sei.

Bei den von ihm verwendeten Bildern sei auf dieses Detail wert gelegt worden, um Vergleichbarkeit zu schaffen. Dann wirft der Gutachter dem Denkmalschutzamt im Regierungspräsidium „grobe fachliche Fehler“ vor, in dem die Behörde zwar zugebe, dass die Visualisierungen der Antragssteller „fehlerhaft sind, aber diese trotzdem zur Grundlage der denkmalrechtlichen Genehmigung macht“.

Es hätte sofort eine korrekte Visualisierung angefordert werden müssen: „Die Handlungsweise des Amtes ist hier nicht nur unprofessionell, sondern fahrlässig, da der Fehler erkannt wurde, aber ganz bewusst die fehlerhaften Visualisierungen zur Grundlage der Entscheidung gemacht wurden.“ Dann fährt der Gutachter in seinem Schreiben fort: „Ansonsten wird nach der üblichen Manier von Windenergieanlagenbetreibern das Denkmal klein geredet.“ Die Denkmalbehörde mache sich selbst zum Büttel der Windkraftbetreiber.

In dem an die Gemeinde gerichteten Brief, der laut Bürgermeisterin Carmen Marquardt zusammen mit der Stellungnahme der Verwaltung an die Behörde gesendet worden sei, empfiehlt der Gutachter, den Klageweg zu beschreiten, denn: „Die Einlassungen des Landesamtes enthalten keinerlei belastbare Argumentation, sondern sind denkmalfachlich zweifelhaft und anfechtbar im Umgang mit den Grundlagen für eine denkmalrechtliche Genehmigung.“

Persönlich mache ihr, Carmen Marquardt, zu schaffen, dass die Denkmalschützer in ihrem Schreiben vom „ehemaligen Kloster“ schrieben und nicht mehr vom „Kloster“ wie einst: „Dadurch wird das Denkmal klein geredet!“ kritisierte die Kommunalpolitikerin.

Auftrag Die Gemeinde ließ gemeinsam mit dem Verein „Mensch Natur“ ein eigenes Denkmalschutzgutachten erstellen. Ein weiteres eigenes Gutachten, den Artenschutz betreffend, gab im März der Verein „Lebensraum östlicher Schurwald“ in Auftrag. Auch das Artenschutzgutachten, das die Antragssteller der Behörde vorlegten, sei mangehalft, ist sich der Verein ­sicher. krib

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Sturm über Ebersbach – Bäume stürzen auf Straßen

Der Sturm, der am Donnerstagmorgen über den Landkreis Göppingen hinwegfegte, beschäftigte die Feuerwehr in Ebersbach. weiter lesen