Grünen-Kandidat Alex Maier setzt auf gute Zusammenarbeit

Per Losentscheid haben die Grünen Alex Maier als Kandidaten im Wahlkreis Göppingen nominiert. Jetzt will die Partei die Streitigkeiten beenden, um geschlossen für Winfried Kretschmann Wahlkampf zu machen. Mit einem Kommentar von Daniel Grupp.

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  • Das Los hat entschieden: Alex Maier kandidiert für die Grünen im Wahlkreis Göppingen. Ulrike Haas, die nach dem ersten Wahlgang zurückgezogen hatte, gratuliert dem Sieger. 1/2
    Das Los hat entschieden: Alex Maier kandidiert für die Grünen im Wahlkreis Göppingen. Ulrike Haas, die nach dem ersten Wahlgang zurückgezogen hatte, gratuliert dem Sieger. Foto: 
  • Mit Sonnenblumen, dem Zepter der Öko-Partei, kürt der Kreisvorsitzende Berthold Frieß den jungen Kandidaten, Alex Maier. 2/2
    Mit Sonnenblumen, dem Zepter der Öko-Partei, kürt der Kreisvorsitzende Berthold Frieß den jungen Kandidaten, Alex Maier. Foto: 
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Spannend bis zur letzten Sekunde blieb der Versuch der Grünen, einen Landtagskandidaten für den Wahlkreis Göppingen zu finden. Nachdem die geheimen Abstimmungen auf grünen, blauen und rosafarbenen Stimmzetteln im zweiten, dritten und vierten Wahlgang immer ein Patt von 40 zu 40 Stimmen zwischen Alex Maier und Jörg Matthias Fritz ergeben hatten, sollten es die orangefarbenen Zettel mit den Namen des Göppinger Stadtrats und des amtierenden Landtagsabgeordneten richte

Matthias Gauger, der Landesgeschäftsführer der Partei, zog schließlich einen Zettel aus der als Wahlurne dienenden Tüte und reichte das Papier an den Schatzmeister der Kreispartei weiter, der die Abstimmungsergebnisse des Abends verkündet hatte. „Alex Maier“, rief Hannes Baab dann den Sieger der Lotterie aus. Damit war am Freitagabend um 23 Uhr klar, dass der 24-jährige Journalist am 13. März 2016 versuchen würde, das Mandat zu verteidigen, das der 55-jährige Fritz, der in der Erwachsenenbildung arbeitet, 2011 geholt hatte.

Über Maier prasselten Beifall und Glückwünsche herein, während Fritz und ein Teil seiner Anhänger relativ schnell den Ochsen in Rechberghausen verließen. Zu diesem Zeitpunkt war die anfänglich gespannte bis angespannte Stimmung einer gewissen Lockerheit gewichen. Dazu mag die Absurdität der erneuten Pattsituation, aber auch das eine oder andere alkoholische Getränk beigetragen haben. Landesgeschäftsführer Gauger meinte nach der ungewöhnlichen Kandidatenfindung, er sehe „keine Spaltung des Kreisverbandes“. Er bezweifelte, dass es diese Form der Kandidatenkür schon einmal gegeben habe. Das sei „total historisch“.

Für den Kreisvorsitzenden Berthold Frieß hat sich der Trend der ersten Versammlung bestätigt: „Ich denke, wir haben drei sehr, sehr gute Kandidaten.“ Fritz habe sehr um seine Kandidatur gekämpft. Womöglich habe Maier davon profitiert, dass er sich in den vergangenen Wochen aus den innerparteilichen Kämpfen herausgehalten hat, spekulierte Frieß. Er erinnerte daran, dass es bei der Wahl für die Göppinger Grünen „ober knapp“ war, das Mandat zu gewinnen. Dass Fritz die Anrufung des Schiedsgerichts zurückgerufen hat, wertete Frieß als Zeichen der Versöhnung.

„Ich freue mich riesig“, bewertete Maier seinen Erfolg. Alle drei Kandidaten hätten gekämpft. Das Ergebnis zeige, dass es sich um „drei hochkarätige Bewerber“ gehandelt habe. Aus seiner Sicht haben die Grünen in der „ersten, zweiten und dritten Reihe gute Leute“. Er habe nach der Nominierung kurz mit Fritz gesprochen. Maier erhofft sich eine gute Zusammenarbeit mit dem amtierenden Abgeordneten.

Dass sie nach der Nominierung – egal wie sie ausfällt – an einem Strang ziehen wollen, haben alle drei Kandidaten in ihren Reden zugesagt. Es gehe darum, ob Grün-Rot eine Episode bleibe oder ob Winfried Kretschmann weiter regieren kann, sagte Fritz. Nur dann sei es gelungen, die politische Kultur im Lande dauerhaft zu verändern.

„Ich will die nächste Landtagswahl mit Euch gewinnen“, hatte Ulrike Haas ihre Bewerbungsrede begonnen. „Ich bin total enttäuscht“, sagte sie nach ihrem Rückzug nach der ersten Wahlrunde. Sie habe „gekämpft wie eine Löwin“. Für die Stadt- und Kreisrätin aus Eislingen ist das Scheitern besonders deprimierend, hatte sie doch beim ersten Nominierungsversuch mit Fritz auf Augenhöhe gelegen und damit nur haarscharf die Kandidatur verpasst. Damals hatte Alex Maier als Drittplatzierter zurückgezogen. Haas will nun als Mitglied des Kreisvorstands der Partei für einen erfolgreichen Wahlkampf sorgen.

Ein Kommentar von Daniel Grupp: Ein Riss im Kreisverband

Zwei Nominierungsversammlungen und sieben Abstimmungen haben nicht gereicht, um im Wahlkreis Göppingen den Landtagskandidaten der Grünen zu finden. Am Ende hat das Los entschieden. Somit hat Alex Maier die Kandidatur dem Zufall zu verdanken. Fortuna hätte genau so gut Jörg Matthias Fritz zulächeln können. Dann hätte der Abgeordnete versuchen können, sein Mandat zu verteidigen.

Eine Lotterie hatten die Grünen beim ersten Nominierungstreffen unbedingt vermeiden wollen, weil dies als Nachteil im Wahlkampf angesehen wurde. Die politischen Gegner werden die jetzige Situation zu nutzen wissen. Beim zweiten Anlauf blieb aber keine andere Wahl mehr, weil sich die Anhängerschaft fest um ihren jeweiligen Favoriten scharte.

Die Patt-Abstimmungen belegen, dass beide Lager lieber das Losen in Kauf nahmen, als der anderen Seite den Sieg zu gönnen. Offenbar ging es der Hälfte der Mitglieder darum, Fritz zu stoppen. Egal ob der Kandidat nun Maier oder Ulrike Haas heißen würde. Die Parteiführung leugnet den Riss im Kreisverband. Vielmehr hätten starke Bewerber kandidiert. Die Indizien deuten in eine andere Richtung. Das gestörte Verhältnis zwischen Fritz und dem Kreisvorstand sowie der Kreistagsfraktion wurde benannt. Im Wahlkampf wird sich zeigen, ob den Grünen ihr gemeinsames Ziel, Winfried Kretschmann im Amt zu halten, wichtig genug ist, um die Gräben im Kreisverband zuzuschütten.

Christine Lipp-Wahl ist Zweitkandidatin

Zweitkandidatin: Die Göppinger Stadträtin Christine Lipp-Wahl (51) ist mit 51 von 53 Stimmen zur Zweitkandidatin gewählt worden. Sie will sich besonders für einen lebenswerten Planeten und gegen rechtsextreme Hetze und Antisemitismus einsetzen.

Schiedsgericht: Am Beginn der Nominierungsversammlung sprach Jörg Matthias Fritz seine Anrufung des Landesschiedsgerichts an. Er habe ein rechtsklares Verfahren angestrebt. Jetzt habe er seinen Antrag zurückgezogen. Kreisvorstandsmitglied Hannes Baab meinte, Fritz hätte ohnehin wenig Erfolgschancen gehabt. Baab beruft sich dabei auf den Tenor einer Verfügung des Schiedsgerichts.

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