Grüne: Schluss nach drei Wahlgängen

Der Göppinger Landtagskandidat der Grünen sollte nicht per Los ermittelt werden. Deswegen wurde am Donnerstag die Versammlung nach einem Patt zwischen Jörg Matthias Fritz und Ulrike Haas abgebrochen. Mit einem Kommentar von Daniel Grupp.

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  • Parteifreunde im Wettbewerb: Jörg Matthias Fritz möchte bei der Wahl im März 2016 sein Landtagsmandat verteidigen. Ulrike Haas sieht gute Chancen, dass sie die Wähler von sich überzeugen kann. 1/3
    Parteifreunde im Wettbewerb: Jörg Matthias Fritz möchte bei der Wahl im März 2016 sein Landtagsmandat verteidigen. Ulrike Haas sieht gute Chancen, dass sie die Wähler von sich überzeugen kann. Foto: 
  • Parteifreunde im Wettbewerb: Jörg Matthias Fritz möchte bei der Wahl im März 2016 sein Landtagsmandat verteidigen. Ulrike Haas sieht gute Chancen, dass sie die Wähler von sich überzeugen kann. 2/3
    Parteifreunde im Wettbewerb: Jörg Matthias Fritz möchte bei der Wahl im März 2016 sein Landtagsmandat verteidigen. Ulrike Haas sieht gute Chancen, dass sie die Wähler von sich überzeugen kann. Foto: 
  • Die Bewerbung der vier Kandidaten sorgt für ein volles Haus. 85 der 129 wahlberechtigten Mitglieder kamen zur Versammlung in Ebersbach. 3/3
    Die Bewerbung der vier Kandidaten sorgt für ein volles Haus. 85 der 129 wahlberechtigten Mitglieder kamen zur Versammlung in Ebersbach. Foto: 
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 Nach fast vier Stunden Versammlung und drei Wahlgängen haben die Grünen im Wahlkreis Göppingen immer noch keinen Landtagskandidaten.  Nachdem selbst die Stichwahl ein Patt zwischen Jörg Matthias Fritz und Ulrike Haas ergeben hatte, beschloss die Nominierungsversammlung am Mittwoch gegen 23.15 Uhr mit großer Mehrheit, keinen weiteren Wahlgang oder gar das Los über den künftigen Landtagskandidaten entscheiden zu lassen. Vielmehr soll eine neue Nominierungskür über die Bühne gehen. Wer bei diesem Treffen antreten wird, ist offen. Es könnten sich unter Umständen auch neue Kandidaten bewerben. Alex Maier, der am Donnerstag nach dem ersten Wahlgang seine Bewerbung zurückgezogen hatte, schloss nach dem Ende der Versammlung nicht aus, es noch einmal versuchen zu wollen.

Zuvor hatten die vier Bewerber um die Landtagskandidatur jeweils zehn Minuten Zeit, ihre Positionen den 85 anwesenden wahlberechtigten Mitgliedern und einigen Gästen im proppenvollen Gasthaus Hecht in Ebersbach zu vermitteln. Die Reihenfolge der Reden war ausgelost worden.

Den Auftakt machte der 69-jährige Ulrich Stoll, der sich als Wirtschaftsingenieur vorstellte, der schon in großen und kleinen Unternehmen gearbeitet hat. Derzeit betreibt Stoll in Reichenbach/Fils einen Naturkostladen. Ihm ging es vor allem um die Lebensgrundlagen der Erde. Massentierhaltung, die vorherrschende Produktionsweise von Getreide und das Freihandelsabkommen TTIP gefährden seiner Ansicht nach diese Grundlagen. Stoll fordert, der Industrie klare Grenzen zu setzen.

Die Eislinger Stadt- und Kreisrätin Ulrike Haas hob hervor, dass sie sich schon seit 24 Jahren für die Grünen in Wahlkämpfen einsetze. Die Leiterin des Kinder- und Jugendreferats der Stadt Göppingen betonte, dass sie am Aufbau von Strukturen für die Jugendarbeit im Kreis mitgewirkt hat. Im Eislinger OB-Wahlkampf habe sie 2010 viele Stimmen erhalten. Dem Land habe der Wechsel von der CDU-geführten zur grün-roten Regierung gut getan. Jetzt gelte es, Baden-Württemberg als – auch für Flüchtlinge – offenes Land gegen die CDU zu verteidigen. „Die Mappus-CDU hat im Wahlkreis Göppingen fest das Zepter in der Hand“, sagte Haas. Dies zeige die Nominierung von Simon Weißenfels.

Auch Alex Maier setzte sich mit dem politischen Gegener auseinander. Er warnte vor einem Rückfall des Landes, falls die CDU wieder an die Macht komme. Er lehnt den ständigen Ruf nach Abschiebungen ab: „Das Problem haben nicht wir, sondern die Flüchtlinge.“ Der 24-Jährige macht sich für die „Ehe für alle“ stark und ruft der CDU zu: „Keine Angst, es ist doch nur Liebe.“ Der Göppinger Stadtrat sieht die Verkehrs- und Bildungspolitik des Landes auf dem richtigen Weg. Er habe gelernt zuzuhören und gute Kontakte zur Basis.

Der Wahlsieg vor vier Jahren sei nicht selbstverständlich gewesen, meinte Jörg Matthias Fritz. „Endlich“ sei es gelungen, die „Schwarzen aus der Regierung zu vertreiben“. Die Koalition habe gezeigt, dass sie regieren könne. Der Landtagsabgeordnete hob hervor: „Wir haben die Studiengebühren abgeschafft.“ Er sprach auch seine Kontakte in die Regierung an: Er habe bei Finanzminister Nils Schmid den Landeszuschuss für die Teilintegration des Kreises in den VVS locker gemacht. In der Flüchtlingspolitik sei Abschieben die einzige Antwort der CDU. „Meine Person ist nicht unumstritten“, ging Fritz auf den Umstand ein, dass er drei Gegenkandidaten hat. Ein Diplomat sei an ihm nicht verloren gegangen.

Danach hatten die Mitglieder Zeit, Fragen zu stellen, bevor es zum ersten Wahlgang kam. Hier erreichte Fritz 40 Stimmen, Haas 22, Maier 21 und Stoll 2 Stimmen. Daraufhin zog Maier zurück. In der zweiten Runde kamen Haas und Fritz auf jeweils 42 Voten, Stoll auf eine Stimme. Danach folgte die Stichwahl zwischen Haas und Fritz. Beide erhielten erneut 42 Stimmen, jetzt hätte das Los entscheiden müssen. Gegen den vierten Wahlgang sprach, dass nach der dritten Runde schon einige Mitglieder abgereist waren, wie moniert wurde.

Ein Kommentar von Daniel Grupp: Erbhöfe gibt es nicht

Wie der sichere Sieger hat Jörg Matthias Fritz bei der Nominierungsversammlung der Grünen nach dem ersten Wahlgang ausgesehen. Ihm fehlten nur noch drei Stimmen zur absoluten Mehrheit, er durfte am Sieg schnuppern. Aber Ulrike Haas ist im zweiten Durchgang eine sensationelle Aufholjagd gelungen. Sie hat es offenbar geschafft, fast alle Wähler, die in der ersten Runde für Alex Maier gestimmt haben, in ihr Lager zu holen. Die Anhänger von Haas und Maier wollen eine erneute Kandidatur von Fritz verhindern. Erbhöfe gibt es nicht, selbst wenn es Fritz als erstem Grünen-Vertreter des Landkreises gelungen war, ein Parlamentsmandat zu holen. Dabei scheint hinter den Kulissen mit harten Bandagen gekämpft zu werden und plötzlich treten im Schlepptau der Bewerber ungewöhnlich viele neue Mitglieder der Partei bei. Obgleich die Situation am späten Abend leicht chaotisch wirkte, taten die Grünen gut daran, die Nominierung nicht übers Knie zu brechen. Ein Bewerber, der per Los gekürt wurde, hätte es im Wahlkampf schwer und müsste den Spott der politischen Kontrahenten befürchten. Da ist eine zweite Versammlung, die dann hoffentlich eine Mehrheit für einen der Bewerber bringt, allemal besser. Das Ebersbacher Treffen hat immerhin gezeigt, dass im Wahlkampf vermutlich Fritz, wie auch Haas oder Maier eine gute Figur machen würden. Ulrich Stoll war hingegen zu sehr auf ein Thema fixiert.

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