Göppinger Gastroszene in Bewegung

Über 40 Jahre war Valero Montesi Inhaber des „Wilden Mann“. Familie Costanza folgt nun nach. Auch in anderen Lokalen gab es Wechsel.

|
Familie Costanza führ das Traditionslokal „Wilder Mann“ fort. Auf dem Bild v.l.n.r.: Gerda und Valero Montesi, Mario, Maria, Salvatore, Emilia  Foto: 

Maria und Mario Costanza sind Gastronomen mit Leib und Seele – und deshalb bestand auch sofort eine gute Verbindung und ein gutes Einverständnis, als sie von Valero Montesi gefragt wurden, ob sie Interesse hätten, seine Gaststätte „Wilder Mann“ in der Österbachstraße in Göppingen zu übernehmen. Die ist schon fast eine Institution: Vor über 40 Jahren hatte der Italiener als einer der ersten in Göppingen sein eigenes Lokal eröffnet.

Diese Tradition werden Maria und Mario Costanza fortführen. Im Service werden sie von Sohn Salvatore und seiner Frau Emilia unterstützt. In der Küche sorgt Mario Costanza dafür, dass sich für die Gäste möglichst wenig ändert. „Wir haben die Speisekarte übernommen und bewusst nichts verändert“, bekräftigt er. Erst nach und nach will er eigene Akzente setzen, will verstärkt leichte Gemüsegerichte kochen und auch eine umfangreiche Auswahl an Fischgerichten anbieten. In jedem Fall sollen die Gäste die bewährte Qualität des „Wilden Mann“ weiter serviert bekommen. Denn auch wenn Valero Montesi selbst die Verantwortung für die Pizzeria in jüngere Hände abgegeben hat, schaut er doch regelmäßig vorbei, gibt Tipps und freut sich, dass er jetzt „ganz entspannt mit den Gästen ein Schwätzle halten kann“.

Viele sind Stammgäste bereits in der zweiten Generation und die „schauen uns ganz genau auf die Finger und vergleichen uns“, weiß Maria Costanza. Diesem kritischen Blick wollen sie und ihre Familie aber standhalten. Auf der Speisekarte finden sich weiter italienische Klassiker, aber auch schwäbische Speisen. Sie zu kochen hat Mario Costanza bereits vor Jahrzehnten gelernt, als er den „Radkeller“ übernommen hatte. Lange Jahre betrieb er dann gemeinsam mit seiner Frau die Cafeteria des Christophsbades und eine Vereinsgaststätte. Unverändert blieben nicht nur die Speisekarte, sondern auch die Öffnungszeiten – auch des Außenbereichs im Sommer.

Auch beim griechischen Restaurant „Kühler Grund“ in der Göppinger Carl-Benz-Straße gab es zum 1. März nach Jahrzehnten einen Pächterwechsel. Ebenfalls über 40 Jahre führte Georgios  Alexiadis das Lokal. Die neue Inhaberin Christina Kanelli möchte ebenfalls am Bewährten festhalten. „Es wäre schade, eine solche Traditionsgaststätte zu ändern. Öffnungszeiten und Speisekarte bleiben wie gehabt. Auch der Fischtag Mittwoch und Samstag bleibt“, sagt Kanelli. Dennoch werde sie noch neue Ideen und Gerichte mit in die Speisekarte einbringen.

Eine größere Veränderung stand vor zwei Monaten in der südlichen Freihofstraße an. In den Räumen des ehemaligen Imbisses Dietz, früher Kümmerle, eröffnete das „Anami“ und bringt nach eigener Aussage seither „New York Szene Flair“ nach Göppingen. Das Restaurant verkörpere den Geist der in Deutschland aufgewachsenen Asiaten, mit Einflüssen verschiedenster Kulturen, heißt es auf der Homepage des Lokals. Der Inhaber, Thi Dieu Thuy Nguyen, betreibt ein weiteres Anami-Restaurant in Pforzheim.

Ein KOMMENTAR von Kristina Betz: Bewährtes neben Neuem

Mangelnde Vielfalt kann man der Göppinger Gastro-Szene nicht vorwerfen. Italienisch, Afrikanisch, Griechisch, Thailändisch, Kroatisch, Chinesisch oder gut bürgerlich Deutsch – alles vertreten. Doch Bandbreite ist nicht alles. Vor allem Traditionslokale prägen den Charakter einer Stadt.

Umso besser, dass in den vergangenen Monaten gleich zwei kulinarische Göppinger Urgesteine, der „Wilde Mann“ und der „Kühle Grund“, neue Inhaber gefunden haben und so deren Fortbestand gesichert wurde. Dass die neuen Wirte jeweils an alten Traditionen festhalten wollen und die Lokale in bewährter Manier weiterführen, wird daher viele Stammgäste freuen.

Aber zum Glück ist nichts so beständig, wie der Wandel, was zur Folge hat, dass sich die Gastronomie in Göppingen trotz des Fortbestandes von Traditionsbetrieben in Bewegung befindet. Bestes Beispiel ist das seit März bestehende „Anami“ in der südlichen Freihofstraße. Dort wird asiatisch-europäische „Fusion“-Küche aufgetischt. Ein Gegenpol zu zünftiger Bierkultur beim im November 2016 eröffneten Andechser am Schillerplatz. Und auch beides geht, neu und alt zusammen: Der „D’Apothek“ verlieh die neue Inhaberin ihre ganz eigene Note, verbannte das Bewährte aber trotzdem nicht.

Seite 17

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Schlaganfallversorgung: Minister bleibt bei seiner Entscheidung

Das Positionspapier des Kreistags beeindruckt das Ministerium nicht: „Keine neuen Fakten.“ Kreisräte fordern Veröffentlichung des geheimen Gutachtens. weiter lesen