Gingen verlegt den Barbarabach

Der Bau der neuen B 10 und ein besserer Hochwasserschutz im Ort sind die Gründe, warum Gingen den Barbarabach verlegen will. Zauneidechse, Mittelspecht und Haselmaus müssen dafür allerdings umziehen.

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Hier läuft der Barbarabach immer zuerst über: am Beginn der Verdolung. Die Gemeinde will ihn nun ganz aus dem Ort heraushalten.  Foto: 

Dem Bau der Brücke, auf der die neue B 10 den Barbarabach südlich von Gingen überqueren soll, hat das Bundesverkehrsministerium bereits im März zugestimmt. Nun bereitet sich die Gemeinde darauf vor, den Barbarabach zu verlegen. Statt in Rohren unter der Bahnhofstraße in die Fils will sie ihn offen entlang der neuen B 10 in den Binsenbach leiten. Das werde vor allem den Hochwasserschutz Gingens verbessern, sagte Bürgermeister Marius Hick am Dienstagabend im Gemeinderat. Bislang war der Bach immer am Einlauf der Dole in der Grünenberger Straße übergelaufen. Beim Jahrhunderthochwasser 2002 war der halbe Ort überflutet.

Über die Auswirkungen des Vorhabens auf Pflanzen, Tiere und Landschaft informierten nun die Landsschaftsökologen und -planer Jürgen Stotz (Schorndorf) und Wolfgang Lissak (Heiningen). Stotz wies darauf hin, dass der neue Barbarabach durch Obstwiesen und im Westen über ein paar Äcker führt, jedoch keine Schutzgebiete berührt. Am östlichen Bachlauf sähe er am liebsten einen "beidseitigen Gehölzsaum", im Übrigen empfahl er, eine "selbstständige Begrünung" zuzulassen. Störsteine, Baumwurzeln und stehen gelassene Baumstümpfe trügen bald wie von selbst zur "strukturellen Aufwertung" bei. Der wertvolle Oberboden, der beim Ausbaggern des Bachs anfällt, werde die Fruchtbarkeit der Äcker westlich von Gingen entscheidend verbessern.

Wolfgang Lissak ging es vor allem um den Bestand von Zauneidechse, Mittelspecht und Haselmaus. Die geschützten Eidechsen sind derzeit rund um den Reitplatz anzutreffen, der allerdings verlegt werden muss, wenn die neue Ortsumgehung gebaut wird. Wird er nur ein wenig zur Seite gerückt, werden die Tiere von selbst in ihr neues Quartier ziehen. Sollte sich für den Reitplatz eine weiter entfernte Lösung finden, muss ihnen der Mensch beim Umzug helfen.

Mittelspecht soll neue Heimat finden

Der Eingriff in den Lebensraum des Mittelspechts geht weiter. Er lebt auf den Obstwiesen südlich des Orts - und da soll nicht nur die neue B 10 gebaut, sondern auch die bestehende K 1438 (Grünenbergstraße) verlegt werden. Lissak hofft, dass die Tiere etwas abseits eine neue Heimat finden. Und für die streng geschützten Haselmäuse, die er auf der Trasse der neuen Ortsumfahrung nachgewiesen hat, bietet sich seiner Meinung nach der nahe Waldrand an. Gemeinderat Gerhard Wüstling schlug vor, die Tiere irgendwo anders auszusetzen, vielleicht in der freien Landschaft bei Oberböhringen. Solche weiträumigen Umsiedlungen seien verboten, erwiderte der Bürgermeister. "Ich weiß, dass meine Ansichten veraltet sind", lenkte Wüstling schließlich ein. Ganz überzeugt schien er von dem Aufwand, den die Gemeinde treiben will, aber nicht.

Hick erklärte, dass Gingen den Barbarabach nicht zuletzt wegen der Hochwassergefahr so bald wie möglich verlegen will. Wenn die Zauneidechsen ihr neues Habitat angenommen hätten, könnte der Ausbau bereits im Spätsommer 2016 beginnen.

Wie der Bach später aussehen soll, hatte sich Alexander Zöller vom Planungsbüro Klinger und Partner überlegt. Wichtig sei, dass Böschungen abgestützt und Hangrutschungen behoben werden. Zöller schlug dafür Blocksteinbefestigungen und sogenannte Krainerwände auf der Anprallseite des Wasserlaufs vor. Damit will er die Böschungen des Barbarabachs bis zu vier Meter hoch ziehen, um den Ort vor Überschwemmungen zu bewahren. Gut wäre es, den Bach bis zu einem mittleren Wasserstand mit Steinen zu befestigen und nach oben hin mit den hölzernen Pflanzgittern. Dann sei das Holz nicht dem ständigen Wechsel von nass und trocken ausgesetzt, die Wurzeln der Pflanzen würden den Hang aber ausreichend stabilisieren.

Der Gemeinderat folgte diesem Vorschlag bei einer Enthaltung. Die Planer arbeiten das Vorhaben jetzt weiter aus.

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