Geteiltes Echo im Kreis zum Tanzverbot

Die geplante Lockerung des Tanzverbots an Sonn- und Feiertagen löste im Kreis Göppingen eine Debatte aus. Die Meinungen gehen weit auseinander.

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Der Vorschlag der Landesregierung, das Tanzverbot an Sonntagen und einigen Feiertagen zu entschärfen, schlägt im Kreis Göppingen Wellen. Laut dem Gesetzentwurf des Innenministers Reinhold Gall soll es künftig erlaubt sein, an Heiligabend und am Ersten Weihnachtsfeiertag zu tanzen. Auch das Verbot "öffentlicher Tanzunterhaltungen" an allen Sonntagen zwischen 3 und 11 Uhr soll entfallen. Das Tanzverbot zwischen Gründonnerstag, 18 Uhr, und Karsamstag, 20 Uhr soll aber bestehen bleiben.

Die Jugendorganisationen von SPD, Grünen und Liberalen haben sich für die Lockerung ausgesprochen. Im Kreis Göppingen ruft das jetzt kontroverse Reaktionen hervor. Der Kreisverband der Jungen Union (JU) fordert: "Die christlichen Feiertage um Ostern und an Weihnachten sollten unter allen Umständen vor einer Lockerung gewahrt werden", so der JU-Kreisvorsitzende Simon Weißenfels in einer Pressemitteilung. Die Landesregierung solle die Vorschläge überdenken. Die JU weiter: "Zwar dürfen religiöse Bräuche nicht der gesamten Gesellschaft auferlegt werden, aber im christlich-abendländischen Baden-Württemberg gehören christliche Feiertage geschützt".

In scharfem Kontrast dazu steht die Stellungnahme der Piratenpartei Göppingen. Die Piraten setzen sich in einer Mitteilung für eine vollständige Abschaffung des Tanzverbots ein. "Auch hohe christliche Feiertage wie Karfreitag sollten keine Ausnahme sein". Das Tanzverbot sei "ein Eingriff in die Freiheit aller Menschen aus rein religiösen Gründen - dabei gehören 40 Prozent der Bevölkerung keiner religiösen Gemeinschaft an." Die Piraten sprechen von Bevormundung. Die Lockerung des Tanzverbots geht ihnen nicht weit genug.

Die vom Verbot betroffenen Disco-Betreiber und Gastronomen haben ihre Meinung in einem Positionspapier des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) zusammengefasst. Das generelle Tanzverbot ab Sonntagmorgen um 3 Uhr widerspreche der Sperrzeitenregelung, die erst ab 5 Uhr gilt. Auch ein rigides Tanzverbot an Feiertagen ab 0 Uhr müsse nicht sein. Dabei wolle der Dehoga den Sonn- und Feiertagsschutz keineswegs grundsätzlich in Frage stellen. Diese Position unterstützt auch Susanne Weißkopf aus Uhingen, stellvertretende Vorsitzende der Dehoga-Kreisstelle Göppingen. "Eine Lockerung würde den eigentlichen Feiertag ja gar nicht beeinträchtigen", erklärt sie.

Auch Karlheinz Maier, Inhaber des Tanzcafés "Mikrophon" in Jebenhausen hält das Tanzverbot für "nicht mehr zeitgemäß". Vor allem eine Lockerung am Karsamstag sei für ihn als Tanzveranstalter eine Verbesserung. An Sonntagen leere sich sein Lokal ohnehin nach drei Uhr.

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