Gesellschaftliches Klima macht Bauern mehr zu schaffen als das Wetter

Die Erträge im Erntejahr 2016 sind um zehn bis 15 Prozent gesunken. Sorgen bereitet den Bauern die Preisentwicklung und das gesellschaftliche Klima.

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Ralf Over, Claus Buntz, Heinrich Rothfuß, Hermann Färber und Wolfgang Daiber (von links) fachsimpeln über die Ernte 2016.  Foto: 

Die Ernteerträge fallen in diesem Jahr zweigeteilt aus. Das wurde bei einer Pressekonferenz des Kreisbauernverbandes auf dem Eselhof der Familie Buntz am Albaufstieg deutlich. Während das Filstal  durch ein verregnetes Frühjahr und Trockenheit im Sommer mit geringeren Mengen zu kämpfen hat, fiel die Ernte auf der Alb und etwa im Schurwald besser aus. Der Uhinger Landwirt Wolfgang Daiber, der Flächen von 280 bis 430 Höhenmetern im Filstal, im Gebiet Voralb sowie im Schurwald bewirtschaftet, berichtet von deutlichen Unterschieden: „Schon zwei Kilometer Entfernung konnten in diesem Jahr eklatante Unterschiede ausmachen.“

Auch die einzelnen Kulturen entwickelten sich ganz unterschiedlich. Heinrich Rothfuß aus Wiesensteig musste etwa bei der Sommergerste ein Minus von 40 Prozent verkraften. Der Hafer gedieh dagegen sehr gut bei ihm. Aufgrund der durchwachsenen Wetterlage war auch bei der Ernte „eine hohe Schlagkraft nötig“, berichtet Claus Buntz. Was sonst in der doppelten Zeit möglich ist, musste nun in drei bis vier trockenen Tagen eingefahren werden.

Noch nie seien in Deutschland Lebensmittel qualitativ so gut und verlässlich sicher gewesen,  betont der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Johannes Strauß. Damit dies so bleibe, müsse die regionale Landwirtschaft erhalten bleiben. Nur so ließe sich dieser hohe Standard bei Qualität und Tierhaltung kontrollieren und halten. Existenzbedrohend sei für viele Betriebe die Preisentwicklung vor allem bei Produkten aus Fleisch und Milch, erklärt Dr. Ralf Over vom Landwirtschaftsamt.

Der Ernterückgang sei weniger problematisch als der Preisverfall: „Der schlaucht unsere Betriebe massiv.“ Gerade Höfe, auf denen investiert worden sei, seien „schlimm dran“, so Over weiter.

Der Preisdruck komme vor allem durch den Weltmarkt. In Baden-Württemberg könne von Überproduktion keine Rede sein. Abgesehen vom Wein, sei man von einem Selbstversorgungsanteil von 100Prozent weit entfernt. Nun hoffen die Landwirte auf eine gute Vermarktung der Produkte und noch mehr Verbraucherbewusstsein. Manche kleinere Mühlen in der Region mahlten ausschließlich heimisches Getreide, verweist Heinrich Rothfuß auf eine Möglichkeit, auch hier entsprechend auswählen zu können.

Vor allem aus Russland erwartet Franz Dießl vom Agrarhändler BayWa massive Exporte. „Putin braucht Devisen und hat daher auch die Exportsteuer wieder zurückgenommen.“ Zudem sei in Russland 2016 eine Top-Ernte zu erwarten. Für Färber ist daher klar: „Die Bevölkerung muss im eigenen Interesse zur Landwirtschaft stehen.“ Das heißt nicht nur, faire Preise zu bezahlen und Regionalbewusstsein zu beweisen, sondern auch Verständnis für Bauern in der Nachbarschaft aufzubringen. Unisono beklagten die Anwesenden die zunehmende gesetzliche Gängelung sowie das Schüren von Ängsten in der Bevölkerung und der Widerstand gegen Höfe in der Nachbarschaft.

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