Genießer feiern im Grünen

Eine Obstbaumwiese mit Blick über die Schlater Bucht bot die prächtige Kulisse für eine Jubiläumsveranstaltung von Slow Food Stuttgart.

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Das etwas andere Sommerfest: Die „Tafelrunde“ des Conciviums Stuttgart zu Gast auf einer Obstwiese von Jörg Geiger.  Foto: 

Ursula Mootz nimmt sich einen Liegestuhl und genießt den Blick auf den Wasserberg. Sie hat heute schon etwas über den Berg­rücken erfahren, der so imposant aufragt. Dass er ein Wasserspeicher sei, daher der Name. „Schon ein idyllisches Plätzchen“, sagt die Stuttgarterin. „Man traut sich kaum, mit dem Auto raufzufahren.“

Auch andere Gäste sind beeindruckt. „Es ist vierteljahrhundertwürdig“, lobt Karin Rudolph aus Bad Cannstatt. Wie die Landschaft aussieht und wie das Equipment, das für die „Tafelrunde“ von Slow Food erkoren ist. Man sitzt auf gepolsterten Bänken an Holztischen unter großen Schirmen. Oder auf Strohballen, die um Bäume drapiert sind. Oder einfach in der Wiese, wie beim Picknick. Karin Rudolph hat auch das Sofa ausprobiert, das ein bisschen abseits steht  und nochmal eine andere Perspektive auf die Schlater Bucht bietet.

Vierteljahrhundertwürdig: Slow Food Deutschland feiert sein 25-jähriges Bestehen mit 25 Veranstaltungen in ganz Deutschland. Eine davon ist auf Schlat gefallen. Auf diese Obstbaumwiese, die Jörg Geiger gehört. Das ist eine hohe Anerkennung. Nur zwei, höchstens drei Jubiläumsveranstaltungen gehen ans Ländle. Und diese hier ist das Sommerfest des Bezirks Stuttgart, des Conviviums Stuttgart, das zum Jubeljahr hierher verlegt worden ist. „Normalerweise feiern wir in Stuttgart, im Garten des Jugendhauses Mitte“, klärt Convivium-Vorstandmitglied Ulrike Storz auf. Diesmal haben sie dem Bundesvorstand vorgeschlagen, bei Jörg Geiger Jubiläum zu feiern. Das wurde für gut befunden. Denn: „Jörg Geiger ist nicht irgendwer“, sagt Markus Wagner vom Convivium Stuttgart. Ein Urgestein sei er, und ein Presidio, einer von bundesweit nur fünf Produzenten, die beispielhaft für eine neue nachhaltige Landwirtschaft stehen. Ein „Change maker“, lobt der stellvertretende Bundesvorsitzende Klaus Flesch.  Slow Food wolle eine andere Landwirtschaft, und dazu passe auch Geigers jüngste Initiative Wiesenobst. Die Idee: Wiesen- und Stücklesbesitzer kümmern sich um alte Obstsorten, der Verwerter bezahlt dafür ein ordentliches Geld und bekommt von seinen Kunden, die das Produkt wertschätzen, wiederum einen angemessenen Preis. So bildet sich ein Markt: „Essen, was man retten will“, sagt Flesch.

Geigers Tun und Slow Foods Wollen ist vor Ort mit Händen zu greifen. Die Gäste sitzen in einer Baumwiese mit alten Sorten, zwischen Gewürzluike und Jakob Fischer, Rheinischem Bohnapfel und Welschisner. Auch der spätblühende Taffetapfel ist da, und der macht Jörg Geiger dieses Jahr besondere Freude: Seinen Früchten konnte der Wintereinbruch im April nichts anhaben. Die Gäste erfahren bei einer Führung, was es mit Wiesenobst auf sich hat, und der Weg zu der schmucken Gartenhütte, an der sich die Party abspielte, ist ja ohnehin ein kleiner Lehrpfad, mit Infotafeln zum Vogelschutz in Streuobstwiesen. Was auch zu einer anderen Landwirtschaft gehört, die Slow Food fordert.

Wer sind die Gäste? „Ich bin einfach nur Genießerin“, sagt eine ältere Frau aus Stuttgart, und korrigiert sich gleich: das „Nur“ könne man streichen. Sie hatte beruflich nie was mit Ernährung zu tun. Auch ihre Tischnachbarin nicht. Beide finden die Idee von Slow Food einfach richtig, sie sind schon lange dabei, und die Ältere versucht auch, neue Mitglieder zu werben. Nur sei das schwierig. Beide sind Teil einer großen Slow-Food-Gemeinde, 680 Mitglieder hat das Convivium Stuttgart, viele kennen sich und treffen sich auf Veranstaltungen wie dieser. „Wir kucken schon, was gibt es“, sagt auch eine Salacher Familie, die sich das Event in Schlat nicht entgehen lässt. Für ihre kleine Tochter ist das eine Wucht, sie findet hier Spielkameraden. Schlat ist an der Grenze zwischen den Verbänden in Stuttgart und Ulm. Aber das hat keine Bedeutung. Man geht auch zu Veranstaltungen der Nachbarn.

Größe  Mit 680 Mitgliedern ist das Convivium Stuttgart ein großes unter den bundesweit 85 „Tafelrunden“ der Bewegung Slow Food. Aber es ist auch noch Luft nach oben, merkt der stellvetretende Bundesvsorsitzende Flesch aus Breisach an. In Freiburg seien es 330 Mitglieder bei viel weniger Bevölkerung.

Fritten Großartig fand Flesch das Sommerfest des Stuttgarter Convivium bei Jörg Geiger. Aber auch andere machen Schönes. Beim Tag der Milch zum Beispiel, in Stuttgart-Möhringen. Letzte Woche war er bei Aachen auf einer „Fritten Rallye“, da haben 150 Leute die besten Fritten getestet. Flesch: „Wenn man’s richtig macht, kann auch eine Fritte Slow Food sein.“

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