Gemeinschaftsschule steht im Fokus

Die Grünen-Reihe "Bildung im Gespräch" ist angelaufen. Im Mittelpunkt der Premieren-Veranstaltung stand das Thema "Gemeinschaftsschule".

|

In Göppingen fiel der Startschuss der Reihe "Bildung im Gespräch", veranstaltet vom Kreisverband der Grünen. Man wolle mit Blick auf das gesellschaftlich kontrovers diskutierte Thema Bildung mit Eltern, Lehrern, der Wirtschaft, Kommunalpolitikern und allen Interessierten ins Gespräch kommen über "Erwartungen, Kritik und Ziele", sagte der stellvertretende Kreisvorsitzende Walter Kißling bei der Begrüßung.

Im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung stand die Gemeinschaftsschule. Wolfgang Straub, Tübinger Schulamtsdirektor und Bildungsexperte der Grünen, stellte am Beispiel Tübingens den schon seit Jahren anhaltenden Rückgang der Schülerzahlen an den Hauptschulen dar. Demnach besuchen nur noch zehn Prozent aller Schüler die Haupt- oder Werkrealschule. Zudem gebe es nur noch eine Realschule. Statt dessen sei die Gemeinschaftsschule die Antwort auf die gestiegenen Bildungserwartungen der Eltern. Das Konzept des individuellen Lernens fördere schwächere Schüler besser, gebe den leistungsorientierten mehr Freiraum und Anreize, ihre individuellen Fähigkeiten zu entwickeln, und führe zu mehr Bildungsgerechtigkeit und Zusammenhalt der Gesellschaft. Die Grünen-Kreisrätin und Moderatorin Ulrike Haas wollte von Ottmar Dörrer, Schulleiter der Gemeinschaftsschule am Tegelberg in Geislingen, wissen: "Was ist durch die Umstellung auf die Gemeinschaftsschule anders geworden?" Die Antwort des Pädagogen: "Die Schule ist Leben." Angesichts der sich verändernden gesellschaftlichen Verhältnisse wird es nach Dörrers Ansicht immer wichtiger, dass sich die Schule in Zusammenarbeit mit Eltern, Schulsozialarbeitern, Kirchen, Vereinen, Polizei und anderen vermehrt an Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder beteiligt. In der Gemeinschaftsschule könne jedes Kind dort weitermachen, wo es stehe - auch Kinder mit Behinderungen, denn die sollten dazugehören.

"Das Konzept der Gemeinschaftsschule ist kindgerecht", meinte auch der leitende Schulamtsdirektor des Schulamtes Göppingen, Hans-Jörg Polzer. Bei deren Einführung stünden aber leider oft politische Interessen im Vordergrund und weniger der Nutzen für die Kinder. Sein Amt stehe bei der Schulentwicklungsplanung deshalb konträr zu den Kommunen.

Elke Tippelt, Elternbeiratsvorsitzende an der Gemeinschaftsschule Süßen, begrüßte aus Sicht der Eltern die Einführung dieser Schulform. Allerdings wies sie darauf hin, dass eine Gemeinschaftsschule für einzelne Schüler wegen der geforderten Flexibilität, der größeren Selbstverantwortung und des Ganztagesbetriebs ein Problem darstelle.

Aus Lehrersicht sei positiv, dass sich das Schul- und Arbeitsklima an den Gemeinschaftsschulen positiv entwickle, meinte Regine Ilg vom Kreisvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie kritisierte jedoch die "untragbare Arbeitsbelastung" der Kollegen vor dem Hintergrund, dass in den vergangenen Jahren weitere Anforderungen ohne Ausgleich auf die Lehrkräfte zugekommen seien wie Dokumentationspflichten und verbindliche Elterngespräche.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

52-Jähriger tötet Freundin und springt von Autobahnbrücke

Ein kreisender Hubschrauber hat am Mittwochabend im oberen Filstal für Aufsehen gesorgt. Ein 52-Jähriger hatte sich vom Maustobelviadukt in den Tod gestürzt. Zuvor hatte er im Landkreis Ludwigsburg seine Freundin getötet. weiter lesen