Gegen Windkraft auf der Nordalb

Der Landesnaturschutzverband (LNV) beurteilt Windkraft auf der Nordalb äußerst kritisch. Das sagte der Sprecher des Göppinger LNV-Arbeitskreises Ulrich Schulz am Donnerstag im Degginger Gemeinderat.

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"Der Standort GP-17 hat eine sehr hohe Bedeutung für den Natur- und Umweltschutz", betonte Ulrich Schulz bei einer Sondersitzung des Degginger Gemeinderats am Donnerstag. Das Gremium hatte den Sprecher des Göppinger LNV-Arbeitskreises eingeladen, um sich über die möglichen ökologischen Auswirkungen einer Windkraftanlage auf der Nordalb zu informieren. Am genannten Standort würden sich mehrere naturschutzrechtliche Restriktionsbereiche überlagern, sagte Schulz. Er sei als Vorranggebiet für Naturschutz- und Landschaftspflege sowie als regionaler Grünzug ausgewiesen, zudem liege er zu 60 Prozent im Flora- und Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) und zu 100 Prozent im Vogelschutzgebiet der Natura 2000, einem Netz von Schutzgebieten in der EU.

Eigentlich sei innerhalb dieser Schutzgebiete - und in einem Radius von 700 Metern drum herum - keine Windkraft zulässig ist. Es sei denn, die Betreiber erbringen den Nachweis, dass keine negativen Auswirkungen auf Schutz- und Erhaltungsziele zu erwarten sind. Sorgen macht dem LNV unter anderem, dass Fledermäuse und Vögel mit den Windrädern kollidieren könnten. Laut Schulz sind im Vogelschutzgebiet auf der Nordalb fast alle windkraftempfindlichen Vogelarten zu finden, darunter Rotmilan, Baumfalke und Uhu. Während des Vogelzugs würden zusätzlich Störche und verschiedene Reiherarten durchziehen. Eine Windkraftanlage auf der Nordalb würde außerdem einen "eklatanten" Eingriff in das Landschaftsbild der Filsalb bedeuten. Der Erholungswert des Gebiets und die Attraktivität für den Tourismus würden gemindert. Dies sei besonders schade, da die Nordalb bisher nicht durch größere technische Anlagen belastet sei.

"Der Arbeitskreis wird sich vehement für die Rechte von Natur und Umwelt einsetzen", kündigte Schulz an. Der LNV sei durchaus bereit, im Schulterschluss mit BUND und NABU rechtliche Schritte gegen eine Windkraftanlage auf der Nordalb einzuleiten - falls man den Eindruck habe, dass während des Genehmigungsverfahrens die falschen Schlüsse aus den Gutachten gezogen werden. Dabei sei der LNV auf keinen Fall kategorisch gegen Windkraft, sondern unterstütze den Ausstieg aus der Atomenergie. "Aber es gibt weniger belastete Standorte im Hinterland, wo Windkraft auch Sinn macht."

Die Bewertung des LNV sei ihm "zu einseitig", meldete sich Gemeinderat Stefan Geis in der anschließenden kurzen Diskussion zu Wort. "Wir sind im Zugzwang", meint er. "Wir müssen überlegen, wie und wo die Energiewende stattfinden soll." Dabei sei er sich der Besonderheiten des Standorts bewusst, aber auch der Verantwortung für die Zukunft. "Ergreifen wie die Chance, Ökologie und Ökonomie mithilfe des LNV in Einklang zu bringen", forderte Geis auf. Auch Ortschaftsrat Gustav Bund sieht in einer Windkraftanlage "einen richtigen Schritt, um Natur in Zukunft zu erhalten". Deshalb müsse man nun einen guten Kompromiss für den Standort auf der Noralb finden. "An allen Standorten gibt es schließlich Negativ-Faktoren", warf Bund ein.

Die endgültige Entscheidung darüber, ob das Genehmigungsverfahren für die Windräder eingeleitet oder das Projekt begraben wird, fällt in der Gemeinderatssitzung am kommenden Donnerstag.

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