Gefahr durch immer mehr Erholungssuchende am Charlottensee

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Schützenswertes Idyll: Biologe Dr. Dirk Lederbogen und seine Mitstreiter vom Nabu Göppingen haben sich Gedanken über den Erhalt des Charlottensees gemacht. Sie machen auch konkrete Vorschläge.  Foto: 

Still ist es. Fast schon zu still. Die hohen Rufe der Blässhühner schallen aus dem Schilf, eine Stockente legt eine elegante Wasserlandung hin. „Hier müsste es mehr quaken,“ meint Dr. Dirk Lederbogen. Der promovierte Biologe ist etwa einmal die Woche am Charlottensee und beobachtet Flora und Fauna. Sein Blick wandert nach unten ins seichte Wasser: „Recht wenige Kaulquappen“, stellt er fest. Hier, an dem idyllischen Naturdenkmal, kann man vom Kleinen aufs Große schließen: „Die Amphibien gehen weltweit stark zurück“, weiß der Uhinger. Die Gelbbauch­unke ist am Charlottensee zwar schon lange nicht mehr gesehen worden, aber auch der Laubfrosch macht sich in letzter Zeit rar. „Entweder eine Krankheit oder Räuber im See, von denen wir nichts wissen“, vermutet Lederbogen als Gründe.

Ein Blässhuhn trippelt graziös über die breiten Blätter der gelben Teichrose. Im Hintergrund wartet ein Graureiher geduldig auf Beute. Einige Schildkröten wärmen ihre Panzer in der Sonne, die gerade zwischen den Wolken hervorkommt. „Libellen, viele Libellen, die sieht man hier häufig“, sagt Dirk Lederbogen. Nicht viele der Spaziergänger, die mit Hunden oder Kinderwagen am See vorbeikommen, dürften wissen, dass der Charlottensee keines natürlichen Ursprungs ist. Er ist einer von ursprünglich acht Fischteichen auf Uhinger Markung, die wahrscheinlich schon vor mehreren Jahrhunderten durch Aufstauen angelegt wurden. Heute gibt es noch zwei: den Charlotten- und den Epplesee. Und das Idyll ist auch nicht so naturbelassen, wie es aussieht. Einmal im Jahr muss die gelbe Teichrose unter der Wasseroberfläche gemäht werden. Und immer mal wieder wird der See ausgebaggert, sonst würde er verlanden.

1996 wurde das letzte Mal ausgebaggert, weiß der Mann vom Nabu. Etwa in zehn Jahren muss es wieder geschehen, schätzt er. Was würde passieren, wenn man den See sich selbst überließe? „Durch Laub und Sedimente aus dem Zufluss würde sich auf dem Grund eine dicke Schlammschicht bilden, und die Wasserfläche würde langsam verschwinden“, erklärt er. „Das Schilf würde weiter in Richtung Teichmitte wachsen, es folgen Schwarzerlen, und es entsteht ein Erlenbruchwald.“

Übrigens: Wer Enten füttert, fördert die Verlandung. Denn im ohnehin schon nährstoffreichen See bilden sich durch Brotreste zusätzlich Algen und Faulschlamm, was diesen Prozess beschleunigt.

Durch das geplante Neubaugebiet Weilenberger Hof III sieht Dirk Lederbogen das Naturschutzgebiet Charlottensee nicht direkt gefährdet, „aber indirekt“. Durch zunehmenden Freizeitdruck nämlich. Schon jetzt machen badende Hunde, Lärm, Vermüllung und sogar ferngesteuerte Modellboote den Wildtieren im See das Leben schwer. „Und das wird zweifellos zunehmen, wenn noch mehr Menschen als bisher hier Erholung suchen.“ Zum Glück habe die Uhinger Stadtverwaltung von ihrem Plan Abstand genommen, einen Steg in den See hinein zu bauen, um ihn besser erlebbar zu machen. Der Nabu plädiert im Gegenteil dafür, den See weniger zugänglich zu machen als bisher. Lederbogen lässt den Blick nach oben ins geschnittene Geäst der Silberweiden und Erlen schweifen: „Wenn man die Bäume nicht mehr schneiden würde, wäre das eine natürliche Sichtbarriere“, sagt er. „Aber die Stadt müsste dann ein Schild aufstellen: „Betreten des Ufers auf eigene Gefahr“.

Eine Informationstafel wäre hilfreich, um den Erholungssuchenden die Zusammenhänge in der Natur zu erklären, davon ist er überzeugt: „Die Menschen sind viel einsichtiger, wenn sie verstehen, warum ein bestimmtes Verhalten nicht gut ist.“ Die Artenvielfalt ist in den vergangenen Jahrzehnten schon zurückgegangen. Beobachtete man bis in die 80er Jahre noch Rohrdommel, Teich- und Drosselrohrsänger, Pirol, Halsbandschnäpper und Ringelnattern, so findet man heute nur noch Graureiher, Kormoran, Stockenten, manchmal Schwäne, gelegentlich Reiherenten und kaum noch Frösche. Dafür Schildkröten. „Es sind vermutlich Europäische Sumpfschildkröten“, hat Biologe Lederbogen festgestellt. „Aber eine neue, genetisch veränderte Art aus dem Zoohandel.“ Und das Blässhuhn natürlich. Wieder tänzelt eines über den dichten Teichrosenteppich.

Information  Mit einer Tafel Bewusstsein schaffen für den schützenswerten Lebensraum Charlottensee. Den Menschen deutlich machen, warum  Angeln, Enten füttern, Hunde baden lassen und Vermüllung schädlich sind.

Zugang Die Bäume am nordöstlichen Ufer nicht mehr schneiden und den Zugang „auf eigene Gefahr“ ermöglichen.

Putzete Einmal im Jahr den zunehmenden Müll beseitigen, eventuell unter Mitwirkung des Nabu Göppingen und der Uhinger Agenda-­21-Gruppe.

Ausweitung Das südliche Grünland zwischen See und Feldweg (heute eine Pferdekoppel) in ein Biotop umwandeln. Denkbar wäre, zwei kleine, wassergefüllte Senken anzulegen und rundherum eine blüten- und artenreiche Wiese, die nur einmal im Jahr gemäht wird.

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