Gedenken zum Volkstrauertag wird fortgeführt

Auch in Eschenbach wird es weiterhin eine Gedenkfeier zum Volkstrauertag geben. Im vergangenen Jahr stand die Tradition auf dem Prüfstand. Mit einem Kommentar von Jürgen Schäfer.

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Aufhorchen ließ der Eschenbacher Bürgermeister Thomas Schubert, als er die Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Frage stellte. Die Beteiligung am Gedenkprogramm ließ zu wünschen übrig, die Jugend blieb fern. Das Interesse beschränke sich auf einen schrumpfenden Kreis der Generation, die den Krieg noch erlebt hat. Hat es da noch einen Sinn? Im Gemeinderat wiegte man ebenfalls nachdenklich mit dem Kopf. Der Zulauf lasse nach.

Aber zum Bruch mit der Tradition kommt es nicht. Der Schultes hat alle Beteiligten an einen Tisch gebeten, und deren Tenor sei eindeutig: Man solle unbedingt am Volkstrauertag festhalten. Was dem Schultes recht ist: "Ich bin der letzte, der ihn abschaffen will."

Es gab auch gleich Überlegungen zu einer Neubelebung. Man solle die Feier ein bisschen "aufpeppen" und versuchen, die Jugendlichen einzubeziehen. Was die Schule betrifft, stößt es an Grenzen, sagt Schubert. Eschenbach habe nur die Grundschule. Man habe schon die Hermann-Hesse-Realschule eingebunden, aber "das kann man nicht jedes Jahr machen". Aber es gibt ja die evangelische Jugend, die in Eschenbach Natursportgruppe heißt, und die Konfirmanden. Sie sollen im Wechsel mitwirken. Dieses Jahr sind die Konfirmanden dran.

Verbesserungen gab es schon vorher. Die früher getrennten Gottesdienste wurden ökumenisch zusammengefasst und die Gedenkfeier wird in der warmen Kirche statt auf dem zugigen Friedhof abgehalten. Die Besucher hören auch immer wechselnde Redner, das ist in Eschenbach schon Jahrzehnte so. Schubert hat da schon etliche Politiker aus dem Kreis in seine kleine Gemeinde geholt: Abgeordnete, den Landrat oder den früheren SPD-Chef im Kreistag, Peter Feige, der am Ort wohnt. Diesmal kommt der Göppinger Grünen-Abgeordnete Jörg Matthias Fritz.

Der Posaunenchor ist mit dabei und will die Europahymne spielen, die einen Akzent setzt. Auf Anregung der Europa-Union soll der Volkstrauertag auch ein Gedenktag für Europa sein. Neben den schrecklichen Weltkriegen, die vor 100 und 75 Jahren begannen, soll der Dank für das heutige Europa stehen.

Ein Kommentar von Jürgen Schäfer: Kein alter Zopf

Man mag es bedauern, dass die junge Generation am Volkstrauertag kein Interesse hat. Aber das ist nun mal so, für sie sind die Weltkriege Geschichte. Das war auch vor 30 und 40 Jahren nicht anders. Nur trug die Kriegsgeneration damals noch die Gedenkfeiern. Heute kann man durchaus der Frage nachgehen, wie es der Eschenbacher Bürgermeister Thomas Schubert getan hat: Macht eine Gedenkfeier noch Sinn, wenn immer weniger Ältere kommen, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt haben? Die Beteiligten in Eschenbach, vor allem die Kirchengemeinden, haben darauf eine erfreuliche Antwort geben: sie wollen die Tradition weiterführen. Das ist gut so. Der Volkstrauertag meint nicht nur die Schrecken vergangener Kriege, er mahnt zur Ächtung des Kriegs. Dessen Schrecken darf nie verblassen, er muss an künftige Generationen weitergegeben werden. Sonst haben Aufhetzer zum Krieg doch wieder eine Chance. Ob die Gedenkfeier kleiner oder größer ausfällt, ist nicht wichtig. Sie muss nur wahrgenommen werden, als stete Mahnung zum Frieden. Auch eine Kranzniederlegung und stummes Gedenken würden genügen. So wie es Göppingen mit der Erinnerung an den Bombenangriff von 1945 hält. Wer will, macht mehr. In Eschenbach geht man mit neuem Schwung ans Werk, bindet die Jugend ein, will musikalisch etwas bieten und holt gerne Redner aus der Kreispolitik. Das kann Schule machen.

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