Gastronomen klagen über Gesetz

Nicht die Einführung des Mindestlohns stört Gastronomen, sondern die strenge Kontrolle der Arbeitszeiten. Deren Dokumentation fresse viel Zeit und erschwere die Beschäftigung von Mitarbeitern.

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Die mit dem Mindestlohn verbundenen Auflagen sind Unsinn, beklagen Gastronomen und Hoteliers. Insbesondere die Begrenzung der Arbeitszeit im Service auf höchstens zehn Stunden am Stück sei am Gast vorbei gedacht.  Foto: 

Ein halbes Jahr nach der Einführung eines Mindestlohns in der Gastronomie und Hotellerie fällt die Branche ein vernichtendes Urteil über die Regelung. "Wer das Gesetz gemacht hat, kennt den Markt nicht", schimpft Pakis Katevas. Er betreibt in der Innenstadt von Göppingen das "Rock-Café". Ähnlich scharf geht die Geschäftsführerin des Landgasthofs Zachersmühle in Adelberg mit der Vorschrift von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ins Gericht: "Es gibt Punkte, bei denen kommt mir die Galle hoch", sagt Angelika Holzer.

Zusätzliche Ausgaben für ihr Personal ärgern die Gastronomen meist weniger als die mit dem Gesetz verbundenen Aufgaben und die Auswirkungen. "Die Dokumentation der Arbeitszeiten kostet sehr, sehr viel Zeit", berichtet Markus Saliba. Der Gastronom führt das Restaurant "Dolce" am Schillerplatz in Göppingen. Wie lange seine Angestellten arbeiten, muss er fortwährend genau festhalten. "Probleme bereitet mir die Bürokratie", sagt auch Anglika Holzer. Wer Beginn und Ende der Schichten nicht aufschreibe, dem drohten saftige Strafen. Die Papiere der Gastronomen und Hoteliers könnten Gewerbeaufsichtsamt und Zoll jederzeit unangemeldet kontrollieren.

Saftige Strafen bei Verstoß gegen die Auflagen

Die Dokumentation der Arbeitszeiten bereitet Gastwirten nicht nur wegen des Zeitaufwands Kopfschmerzen. Schlecht für das Geschäft ist ebenfalls die Obergrenze von zehn Arbeitsstunden für die Beschäftigten der Branche. Diese Beschränkung gibt es zwar schon seit rund 20 Jahren, doch waren die Behörden früher nachsichtiger als jetzt. "Es war schon vorher nicht zulässig, länger als zehn Stunden zu arbeiten, aber es hat niemand interessiert", sagt Hans-Ulrich Kauderer. Der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Kreis hält diese Beschränkung der Arbeitszeit für am Gast vorbei gedacht: "Wenn ich bei einer Hochzeitsfeier um 24 Uhr sagen muss: jetzt ist Schluss - das geht nicht." Personal im Service müsse in Ausnahmefällen einige Stunden länger arbeiten dürfen. "Wir unterstützen die Forderung des Verbands, dass Beschäftigte an drei Tagen maximal zwölf Stunden arbeiten dürfen", sagt Kauderer.

Diese Forderung ist auch Sinne der Beschäftigten, glaubt der Betreiber des "Rock-Cafés". "Wenn ich viel arbeiten will, soll ich viel arbeiten können", findet Pakis Katevas. Manche wollten ausdrücklich länger arbeiten, weil sie mehr Geld gut gebrauchen können. Diesen Wunsch erschwere das Gesetz auch Beschäftigten, die zwei Jobs haben. "Wenn einer in seinem Hauptberuf schon sieben Stunden gearbeitet hat, darf er im Nebenjob nur noch drei arbeiten", erklärt Katevas. Für so kurze Zeit lohne es sich nicht eine Kraft anzufordern.

"Ich glaube, es geht kaum jemand um den Mindestlohn an sich", sagt Angelika Holzer. Die Gastronomin stören vielmehr die mit dem Gesetz verbundenen Auflagen. Diese Nebenwirkungen haben im Stammhaus von Hans-Ulrich Kauderer schon zu Veränderungen geführt: Der Gastronom und Hotelier macht das "Lamm" in Scharnhausen unter der Woche erst ab 17 Uhr und nicht mehr über Mittag auf. Das Personal soll abends an einem Stück arbeiten können. "Ich höre von vielen Kollege, dass sie ihre Öffnungszeiten verändern", sagt Kauderer. Andere Gastronomen führten einen zweiten Ruhetag ein. "Die Gäste werden die Umstellung merken", sagt er voraus.

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